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Auf dem Weg zur Weltmacht der Wissenschaft

China macht den USA, Europa und Japan die Vorreiterrolle in der Wissenschaft streitig. Laut einer Studie wird China bald mehr Fachartikel publizieren als die USA. Es werden aber Zweifel an der Qualität laut.

Der Forscher-Nachwuchs steht bereit: Studenten legen in Anxian, der Hauptstadt der chinesischen Provinz Shaanxi, Prüfungen ab.
Der Forscher-Nachwuchs steht bereit: Studenten legen in Anxian, der Hauptstadt der chinesischen Provinz Shaanxi, Prüfungen ab.
Reuters

Die Grossmacht China boomt. Die Exporte des Riesenreichs steigen Jahr um Jahr im zweistelligen Prozentbereich. Die Wirtschaft brummt und lässt sich auch von Finanz- oder Wirtschaftskrisen nicht aus dem Tritt bringen. Der schwere Dampfer China hat tüchtig Fahrt aufgenommen und lässt sich so schnell nicht mehr stoppen.

Kein anderes Land exportiert so viele Güter wie China. Und schon bald dürfte China auch zur grössten Volkswirtschaft überhaupt werden. Diese offen zur Schau gestellten Wachstumsgelüste werden im Rest der Welt nicht nur positiv aufgenommen. Gerade in der aktuellen Energiedebatte zeigen Kritiker mit dem Finger auf die Chinesen und ihren rapide wachsenden Energieverbrauch.

Darob geht fast vergessen, dass sich China klammheimlich anschickt, die Wissenschaft zu erobern. Auch da haben die ambitionierten Chinesen nur einen Anspruch: Sie wollen die Leaderrolle übernehmen und zur Wissenschaftsmacht Nummer 1 aufsteigen. 2010 vermeldete die Unesco, dass China weltweit bald am meisten Forscher haben wird, wie der Spiegel berichtet.

Von 25'000 auf 184'000 Artikel

Schon bald dürfte das Reich der Mitte auch die grösste Zahl an Fachpublikationen und wissenschaftlichen Artikeln publizieren, wie die britische Royal Society in ihrer Studie berichtet. China hat laut dem Papier bereits Grossbritannien auf Rang drei verdrängt. Nun nehmen die wissensdurstigen Chinesen den Leader USA ins Visier.

Wissenschaftliche Artikel, die in internationalen Fachmagazinen publiziert wurden, gelten als Gradmesser der Forschungsaktivität einer Nation. Chinesische Wissenschaftler haben laut der britischen Studie im Jahr 1996 25'000 Artikel veröffentlicht. Die USA lagen mit fast 300'000 scheinbar unerreichbar vorn. Schon 2008 zeigte sich aber ein anderes Bild: Chinas Wissenschaftler veröffentlichten 184'000 Artikel, in Amerika wurden 316'000 Fachartikel publiziert.

Anteil der Chinesen stieg von 4 auf 10 Prozent

Noch eindrücklicher wird die Entwicklung Chinas, wenn man folgende Zahlen studiert: Der Anteil der amerikanischen Fachartikel sank von 26 auf 21 Prozent. Der Anteil Chinas an der globalen Forschung stieg dagegen von 4 auf über 10 Prozent. Die Autoren der Studie überrascht diese Entwicklung nicht. China hat in den letzten Jahren die Investitionen in Forschung und Entwicklung ständig ausgebaut.

Seit Anfang Jahrtausend hat der entsprechende Budgetposten um 20 Prozent zugenommen – pro Jahr. Heute liegt er laut dem «Spiegel» bei rund 85 Milliarden Euro. Auch in anderen Schwellenländern wie Brasilien, Indien oder auch in Südkorea sind ähnliche Tendenzen festzustellen. Laut der Studie der britischen Royal Society ziehen die Chinesen in zwei Jahren an den amerikanischen Forschern vorbei, wenn sie weiter derart fleissig publizieren – und wenn sie überhaupt in einer der wenigen chinesischen Fachzeitschriften Eingang finden.

Bei den Zitaten hat Amerika die Nase vorn

Die Zahl der Publikationen sagt allerdings nichts über deren Qualität aus. Da steht es mit chinesischen Wissenschaftsartikeln nicht zum Besten, wie ein anderer Indikator zeigt. Eine Art Gütesiegel ist es nämlich, wie häufig ein Artikel in anderen wissenschaftlichen Publikationen zitiert wird. In diesem Bereich ist die Führungsrolle der USA unbestritten. 2008 lag der Anteil von US-Publikationen bei 30 Prozent. Chinas Anteil an der globalen Zitate-Gesamtzahl liegt bei bescheidenen 4 Prozent. Britische Wissenschaftler werden doppelt so oft zitiert (8 Prozent).

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