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Al-Qaida bekennt sich zu den Anschlägen im Irak

Über 1000 Tote in einem Monat, 100 Tote alleine über das vergangene Wochenende: Autobomben, die vor Moscheen und Gemüseständen explodieren. Die irakische Regierung ist den Terroristen nicht gewachsen.

Nach dem Anschlag auf einem Markt: Anwohner betrachten das Ausmass der Zerstörung. (11. August 2013)
Nach dem Anschlag auf einem Markt: Anwohner betrachten das Ausmass der Zerstörung. (11. August 2013)
Keystone

Ein Zweig des internationalen Terror-Netzwerks al-Qaida hat sich zu den Anschlägen im Irak bekannt, bei denen am Wochenende mehr als 100 Menschen getötet und über 300 verletzt wurden. Die Schiiten sollten sich «Tag und Nacht nicht in Sicherheit» fühlen, erklärte die Bewegung Islamischer Staat im Irak und im Morgenland am Sonntag.

Während der Feiern zum Ende des islamischen Fastenmonats Ramadan kam es im Irak zu einer Serie von verheerenden Sprengstoffanschlägen und willkürlichen Feuerangriffen auf Zivilisten. Allein in Bagdad, wo insgesamt zehn Autobomben auf Märkten und vor öffentlichen Gebäuden detonierten, zählte der Fernsehsender Al-Baghdadija 98 Opfer. In der nördlichen Stadt Kirkuk starben den Angaben zufolge 14 Menschen, als eine Autobombe neben einer schiitischen Moschee explodierte.

Weitere Sprengsätze detonierten in der Ortschaft Tus Chormato, die zur Provinz Salaheddin gehört, sowie in der südlichen Stadt Al-Nasirija. Die meisten Anschläge trafen am Samstag die Bewohner schiitischer Wohnviertel.

Ratlose Regierung

Ratlos stehen Männer und Knaben vor einem ausgebrannte Autowrack in der irakischen Ortschaft Tus Chormato. Ein Fotograf macht Aufnahmen von dem Gebäude, das die Bombe zum Einsturz gebracht hat. Wenige Stunden zuvor fanden in dem von schiitischen Turkmenen bewohnten Viertel elf Menschen den Tod.

Ratlos ist auch die Regierung in Bagdad, der es nicht gelingt, den Bombenterror einzudämmen. Die Extremisten haben den Sicherheitsapparat unterwandert.

Hunderte von mutmasslichen al-Qaida-Terroristen konnten im Juli aus zwei Gefängnissen im Westen und Norden von Bagdad entkommen. Die Tatsache, dass die Behörden anschliessend nicht einmal genau sagen konnten, wie viele der Häftlinge, die zum Teil noch von den US-Truppen eingesammelt worden waren, geflohen sind, offenbart nach Ansicht des Fachmagazins «Foreign Policy», in was für einem desolaten Zustand Polizei und Justizwesen sind.

Terrorgruppen mit Rückhalt in der Bevölkerung

Auch die politischen Probleme – von der Korruption bis zur Benachteiligung früherer sunnitischer Eliten – geht die Regierung nicht an. Das führt dazu, dass die sunnitischen Terrorgruppen wieder mehr Rückhalt in der Bevölkerung finden als in den Jahren, in denen die Regierung versucht hatte, die Terroristen durch die Gründung lokaler Bürgerwehren in Sunniten-Vierteln zu isolieren.

Im Juli wurden nach einer Zählung der Vereinten Nationen im Irak 1057 Menschen Opfer von Extremisten. Das sind Zustände wie vor fünf Jahren, als der Terror sunnitischer und schiitischer Extremisten hunderttausende Iraker zu Flüchtlinge machte.

Hilflose Geste

Zwar hat Ministerpräsident Nuri al-Maliki jetzt Razzien in Al-Anbar, Ninive und im Grenzgebiet zu Syrien angekündigt. Doch auch diese Geste des schiitischen Regierungschefs wirkt eher hilflos und ist nicht dazu angetan, die Lage zu beruhigen.

Erstaunlich ist, dass sich Al-Maliki trotz des offensichtlichen Versagens der ihm unterstehenden Sicherheitskräfte überhaupt an der Macht halten kann. Der schiitische Parlamentarier Ali Schebr schiebt die Schuld auf Armee und Geheimdienst, die seiner Ansicht nach nicht richtig mit der Polizei zusammenarbeiten.

Keine Kontrolle

Er sagt: «Das al-Qaida-Netzwerk bewegt sich momentan im Irak ohne jede Schwierigkeit. Es kann ungestört Anschläge verüben.» Schuld daran seien auch «ausländische Akteure», erklärt er, ohne konkret zu werden.

Abdel Redha Mohsen , der den Anschlag im Al-Schaab-Viertel am Samstag hautnah miterlebt hat, sieht die Schuld dagegen bei Al-Malikis Regierung. «Diese Regierung hat im Ausland Geräte zum Auffinden von Sprengstoff gekauft, die nicht funktionieren», schimpft er.

«Die Explosion gestern Abend war so heftig, dass die Körperteile der getöteten Menschen weit durch die Luft flogen», sagt der Beamte. Er fordert, die Regierung solle ihr Scheitern endlich eingestehen.

SDA/kle/chk

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