Irans gefährlichster General

Porträt

Qassem Suleimani, der Kopf der iranischen Quds-Brigade, gilt als Heisssporn, Patriot und Kriegsheld. In Syrien sollen seine Leute nichts Geringeres erreichen als einen Sieg für das iranische Volk.

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Monica Fahmy@fahmy07

Qassem Suleimani ist stets präsent, wenn CIA-Direktor David Petraeus an seine Zeit als Vier-Sterne-General im Irak zurückdenkt. Auf dem Höhepunkt der Kämpfe gegen die schiitischen Separatisten von Muqtada al-Sadr 2008, so erzählte es Petraeus gegenüber Medien, erhielt er von Suleimani eine Botschaft. Suleimani hatte sie per SMS einem hochrangigen irakischen Offizier gesandt, der neben dem Amerikaner stand.

«General Petraeus, Sie sollten wissen, dass ich, Qassem Suleimani, für die Politik des Iran in Irak, Libanon, Gaza und Afghanistan zuständig bin», schrieb der Befehlshaber der Quds-Brigade, einer Spezialeinheit der iranischen Revolutionsgarde. «Der iranische Botschafter in Bagdad ist ein Mitglied der Quds-Brigade und sein Nachfolger wird ebenfalls ein Mitglied der Quds-Brigade sein.» Die Nachricht ist typisch für den Mann, der kein Blatt vor den Mund nimmt, weder beim Feind noch beim Freund. So soll Suleimani vor ein paar Tagen den syrischen Präsidenten Bashar al-Assad, dem die Quds-Brigaden helfend zur Seite stehen, auf einer iranischen Website kritisiert haben, wie Haaretz.com berichtet. «Wir sagen ihm (Assad), er soll Polizeikräfte auf die Strassen schicken, aber er schickt keine Soldaten».

Waghalsige Operationen hinter feindlichen Linien

Qassem Suleimani steht seit 32 Jahren im Dienst der Revolutionswächter. Der grauhaarige Brigadegeneral mit dem freundlichen Lächeln soll am 11. März 1957 im Dorf Rabor in der iranischen Provinz Kerman zur Welt gekommen sein. Er soll als Bauarbeiter gearbeitet haben. In lokalen Sportklubs, in denen er verkehrte, wurde das Kriegsethos hochgehalten, Suleimani liess sich davon anstecken und trat der Revolutionsgarde bei. Als Saddam Hussein am 22. September 1980 den Iran angreifen liess, war er Leutnant bei den Pasdaran. Er erlangte schnell Berühmtheit wegen seiner waghalsigen Operationen hinter feindlichen Linien. Berichten zufolge riskierte er sein Leben, um das seiner Männer zu schonen. Wenn es unausweichlich war, jemand anderen zu schicken, umarmte er seine Männer jeweils unter Tränen und pries diejenigen, die ihr Leben liessen auch Jahre später noch als Märtyrer, schreibt das American Enterprise Institute in einer Analyse, die auf Berichten aus dem Iran basiert.

Laut diesen Berichten erlangte Suleimani im Iran-Irak-Krieg Berühmtheit als Kriegsheld und Patriot, aber auch als Heisssporn. Überliefert ist die Geschichte, wie er an der Front bei Tageslicht mehrere Bulldozer und Lastwagen auffahren liess, um eine Strasse zu bauen, damit seine Truppen schneller in den Irak gelangen konnten. Dass die Revolutionsgarden gerade einen Überraschungsangriff planten, soll ihn wenig gestört haben. Trotz happigem Rüffel seiner Vorgesetzten, tat dies seiner Karriere ebenso wenig Abbruch wie der Brief, den er zusammen mit 23 weiteren Offizieren 1989 nach der Niederschlagung der Studentenunruhen dem damaligen Präsidenten Mohammad Khatami schrieb. Im Brief zeigte sich Suleimani besorgt, dass die Armee geholfen hatte, die Redefreiheit zu unterdrücken.

Totgesagt in Syrien

Seit 2000 oder 2002, je nach Quelle, befehligt Brigadegeneral Qassem Suleimani die Spezialeinheit der Pasdaran, die für Einsätze im Ausland zuständig ist, in Syrien, Irak, Libanon, Palästina, aber auch in Europa und anderswo. Die Einheit besteht je nach Quelle aus 5000 bis 15'000 Mitgliedern, deren Auftrag es ist, Irans Freunde zu unterstützen, die Hizbollah, Hamas oder auch den syrischen Präsidenten Bashar al-Assad. Von Iran wurde jetzt offiziell bestätigt, was schon lange bekannt war, dass Mitglieder der Quds-Brigade in Syrien aktiv sind.

Mastermind der Operation ist Qassem Suleimani. Nach dem Anschlag auf das Hauptquartier der Nationalen Sicherheit in Damaskus im Juli, bei dem der syrische Verteidigungsminister und Assads Schwager ums Leben kamen, sei der Entscheid gefallen, Assad zu unterstützen, berichten Medien. Offiziere der Revolutionsgarde flogen in einem iranischen Flugzeug, dem die Erlaubnis gewährt wurde, den irakischen Luftraum zu durchqueren. «Wir müssen in Ägypten, Irak, Libanon und Syrien siegen», liess sich Suleimani verschiedentlich zitieren. «Dies ist die Frucht der islamischen Revolution». Medien hatten kolportiert, er sei beim Anschlag in Syrien ums Leben gekommen. Gerüchte, welche die Revolutionsgarden umgehend dementiert hatten.

Gefürchtet und verehrt

Suleimani hat das Zeug zur Legende. In den USA ist er als Terrorist gelistet, konservative Thinktanks sehen in ihm sogar den «gefährlichsten Terroristen seit Bin Laden». Suleimani soll am Attentat auf das jüdische Gemeindezentrum in Buenos Aires 1994 beteiligt gewesen sein, bei dem 85 Menschen starben, so Haaretz.com. Suleimani ist aber auch der Mann, vor dem sich der irakische Premierminister Nouri al-Maliki verneigt, wenn er ihn trifft.

Die Frage, wann Qassem Suleimani das letzte Mal in der Grünen Zone in Bagdad gesichtet wurde, der strengbewachten Zone im Herzen der Stadt, hört kein Iraker gerne. Gegenüber Guardian.co.uk fragt der ehemalige Staatssicherheitsminister Sharwan al-Waeli: «Sie meinen Sayed Qassem Suleimani», eine Bezeichnung für sehr geschätzte Männer. Mehr mag er nicht sagen, laut Guardian.co.uk wecke kaum ein Name mehr Unsicherheit und Angst. Suleimani, so Berichte, sei auch 2006 noch ohne Bodyguards im Herzen Bagdads herumgelaufen. Mit einem Lächeln im Gesicht. Die Amerikaner hätten erst davon erfahren, als er schon längstens wieder im Iran gewesen sei.

DerBund.ch/Newsnet

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