Ferien beim Diktator

Nordkorea wirbt in Bern um Touristen.

Tourismus wird zum Grundpfeiler der nordkoreanischen Wirtschaft proklamiert: Servicepersonal in einem Hotel in Mount Kumgang in Nordkorea. Foto: Ng Han Guan (Keystone)

Tourismus wird zum Grundpfeiler der nordkoreanischen Wirtschaft proklamiert: Servicepersonal in einem Hotel in Mount Kumgang in Nordkorea. Foto: Ng Han Guan (Keystone)

Vincenzo Capodici@V_Capodici

Es gibt leichtere Aufgaben, als ein totalitäres Land wie Nordkorea touristisch zu vermarkten. Genau das nimmt sich das Regime in Pyongyang vor: Es hat den Tourismus zum Grundpfeiler der nordkoreanischen Wirtschaft proklamiert. Das abgeschottete Land will bis 2023 jährlich 3 Millionen Besucher anlocken. Derzeit sind es etwa 30'000 asiatische Gäste und 4000 bis 5000 Touristen aus dem Westen. Tendenz steigend. Mit einem Auftritt an der Ferienmesse in Bern Mitte Januar will Nordkorea auch in der Schweiz auf sich aufmerksam machen.

Reisen in ein Land wie Nordkorea, das die Menschenrechte verletzt, sind umstritten. Manche Reiseveranstalter finden aber problemlos Argumente. Nordkorea sei mit keinem Land der Welt vergleichbar, lobpreist der Korea-Reisedienst. Nicht nur das politische System sei einzigartig. Nordkorea sei auch eine geschichts­trächtige Kulturnation mit «imposanter Architektur, reizvollen Landschaften vom Hochgebirge mit Vulkanen und Kraterseen bis hin zu herrlichen Küsten». Der Reiseveranstalter Korea Konsult verspricht eine «perfekte Reise in die Vergangenheit».

In der Tat verbreitet der Personenkult um die Kim-Dynastie dem Land einen musealen Glanz. In Pyongyang steht das grösste Mausoleum der Welt, in dem der Staatsgründer Kim Il-sung und sein Sohn Kim Jong-il ihre letzte Ruhe fanden. Der aktuelle Machthaber Kim Jong-un herrscht nicht weniger erratisch als sein Vater und sein Grossvater. Dank Kim Jong-un wird Nordkorea in absehbarer Zeit das wohl skurrilste Land der Welt bleiben.

Für Nordkorea-Touristen ist es beruhigend, dass ihnen keine Gefahren wie Kriminalität oder Polizeiwillkür drohen – sofern sie sich an die Spielregeln halten. Das werden sie auch tun, weil sie sich nicht frei bewegen können und stets offizielle Reiseführer an ihrer Seite sind. Politische Diskussionen sollten vermieden werden, schreibt das Eidgenössische Departement für auswärtige Angelegenheiten (EDA) in seinen Reisehinweisen für Nordkorea.

Kommt hinzu: Gemäss EDA werden alle ausländischen Besucher ab sofort über mehrere Wochen isoliert, um zu verhindern, dass Ebola eingeschleppt wird. Erholsam dürfte der Aufenthalt in der Quarantäne nicht sein.

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