Der Bub mit dem mächtigen Brieffreund

Der Philippiner Timothy hat als kleiner Junge während zehn Jahren eine Brieffreundschaft mit George Bush gepflegt.

George Bush Senior schrieb dem kleinen Timothy regelmässig Briefe. Foto: PD

George Bush Senior schrieb dem kleinen Timothy regelmässig Briefe. Foto: PD

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Die Welt kannte ihn als George Bush, als 41. Präsidenten der USA und Vater des 43., als Perfektionisten und Bescheidenen, als CIA-Chef und Gewinner des Kalten Krieges. 

Der kleine Bub Timothy aus den Philippinen kannte den gleichen Mann nur als George Walker, als seinen Brieffreund aus Amerika, der ihm immer wieder Briefe schickte – von Hand geschrieben, auf Notizpapier. Es ist ein Briefwechsel, der nach Bushs Tod vom TV-Sender CNN öffentlich gemacht wird und nun noch einmal um die Welt geht.

Im ersten Brief schrieb also der Senior dem damals Siebenjährigen: «Lieber Timothy ... Ich bin ein alter Mann, 77 Jahre alt, aber ich mag Kinder.» Die Jahre schritten voran, die beiden schrieben hin und her. Timothy dankte Bush, dass er ihn nicht vergessen habe. Dieser schrieb, er solle täglich beten. Der Bub antwortete: «Du bist so nett und gut. Hoffentlich bist du auch bei guter Gesundheit.»

Bush erzählte von seinem Hund Sadie. Timothy schrieb, dass er Gitarre spiele und gerne male. Bush schickte ihm Farbstifte und Malhefte, zurück kamen gemalte Bilder, zum Beispiel von einem Regenbogen.

Zur Brieffreundschaft kam es 2001 an einem Weihnachtskonzert in Washington, das von einer christlichen Organisation organisiert wurde. In der Pause zwischen zwei Liedern fragte der Sänger ins Publikum, wer ein Kind in den Philippinen unterstützen wolle. An einem Tisch, an dem viele Sicherheitsleute sassen, schnellte ein Hand in die Höhe. Die Hand von George Bush senior. Der Amerikaner bekam Timothy als Brieffreund zugeteilt, ein Junge, der als scheu, ruhig und warmherzig beschrieben wird.

Zwei Wochen später hatte Bush den ersten Brief geschrieben. Er schickte in die Philippinen auch Geld, das für die Bildung, für das Essen und ausserschulische Aktivitäten von Timothy eingesetzt wurde.

All die Jahre merkte der Junge nicht, wer sein wahres Gegenüber ist. Denn Bush durfte ihm nichts von seiner Identität verraten, es hätte Timothys Leben gefährden können. Darum auch der falsche Name George Walker, Walker ist Bushs dritter Vorname. Das Pseudonym nutzte er auch als Präsident, wenn er ein Krankenhaus aufsuchte und niemand davon wissen sollte. Manchmal aber streute er Hinweise ein, etwa als er von seinem Hund schrieb, der schon manche berühmte Leute getroffen habe, oder dass er Weihnachten im Weissen Haus verbringe.

So ging es hin und her, bis Bushs Gesundheit an Kraft verlor und er den Briefwechsel aufgab. 2012 fiel Timothy altershalber aus dem Unterstützungsprogramm. Eine Betreuerin der Organisation flog damals in die Philippinen und erzählt dem damals 17-Jährigen, dass sein Briefreund nicht George Walker war, sondern George Bush, der ehemalige amerikanische Präsident. Timothy ist verblüfft und sprachlos und sagt dann doch noch: «Ich wusste ja, dass er nett und ein wundervoller Mann ist, doch ich hatte keine Ahnung.»

Wie der heute 23-Jährige auf Bushs Tod reagiert hat, ist nicht bekannt, die Organisation hat den Kontakt zu ihm verloren, es soll ihm aber gut gehen.

(Redaktion Tamedia)

Erstellt: 20.12.2018, 07:30 Uhr

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