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7000 Tonnen Stahl aus dem Meer fischen

Was passiert ein Jahr nach dem Unglück mit der Fähre Sewol in Südkorea? Staatspräsidentin Park Geun-hye geht nun auf die Forderungen der Opfer-Angehörigen ein. Diese sind skeptisch.

Die Angehörigen der Opfer wollten sie nicht empfangen: Präsidentin Park Geun Hye (2. v.l.) zeigt aufs der Insel Jindo Meer in Richtung der gesunkenen Fähre Sewol. (16. April 2015)
Die Angehörigen der Opfer wollten sie nicht empfangen: Präsidentin Park Geun Hye (2. v.l.) zeigt aufs der Insel Jindo Meer in Richtung der gesunkenen Fähre Sewol. (16. April 2015)
Lee Jeong-ryong/Yonhap, Keystone
Wut und Trauer: Angehörige gedenken der Opfer am Ort, wo die Sewol sank. (15. April 2015)
Wut und Trauer: Angehörige gedenken der Opfer am Ort, wo die Sewol sank. (15. April 2015)
Jeon Heon-Kyun/Pool, Keystone
Das südkoreanische Passagierschiff Sewol ist gesunken. (Archivbild)
Das südkoreanische Passagierschiff Sewol ist gesunken. (Archivbild)
Keystone
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Ein Jahr nach der Sewol-Fährkatastrophe mit mehr als 300 Toten hat Südkoreas Präsidentin Park Geun-hye die Bergung des Wracks angekündigt. Sie gab damit auch den Forderungen der Opfer-Familien nach.

«Ich werde Massnahmen ergreifen, so dass das Schiff sobald wie möglich geborgen werden kann», sagte die Staatschefin heute nach Angaben ihres Büros in einer Rede in Paengmok auf der Insel Jindo, vor der die «Sewol» im Wasser liegt.

Familien behindern Premierminister

Die Fähre war am 16. April 2014 vor der Südwestküste des Landes gesunken. Die meisten Opfer unter den ursprünglich 476 Insassen waren Schüler aus der südlich von Seoul gelegenen Stadt Ansan. Die Teenager waren auf einer Klassenfahrt. Neun Menschen gelten als vermisst. Unzureichende Rettungsmassnahmen werden unter anderem für das Ausmass der Katastrophe verantwortlich gemacht. Wie Ermittler nach dem Unglück herausfanden, war das Schiff regelmässig überladen.

Hunderte von Menschen suchten zum ersten Jahrestag des Unglücks einen Traueraltar in Ansan auf.

Gedenken mit gelben Bändern. (Instagram simxseona)

Einige Familien hinderten Premierminister Lee Wan-koo daran, den Altar aufzusuchen, wie südkoreanische TV-Sender berichteten. Sie werfen der Regierung unter anderem vor, die geplanten Untersuchungen einer unabhängigen Kommission zu beeinflussen.

Die Wut der Angehörigen bekam auch Präsidentin Park Geun-hye am heutigen Gedenktag direkt zu spüren. Die in Paengmok versammelten Angehörigen weigerten sich, sie zu treffen. Die Familien kämpfen vor allem dafür, dass das Wrack geborgen wird. Sie glauben, dass die Leichen der neun Vermissten sich noch im Inneren des Schiffes befinden.

Suche eingestellt

Als im November die Bergungsarbeiten an dem gesunkenen Schiff eingestellt wurden, war es für die Familien der Vermissten ein Schock. Die Behörden erklärten, die weitere Suche sei zu gefährlich. Zwei Bergungstaucher waren ums Leben gekommen.

Viele Opfer-Familien werfen Präsidentin Park Geun-hye vor, ihr Versprechen gebrochen zu haben, das fast 7000 Tonnen schwere Schiff vom Meeresgrund heben zu lassen. Das Thema wird unter Südkoreanern angesichts der Kosten durchaus kontrovers diskutiert. Nach vorläufigen Schätzungen könnte die Bergung umgerechnet mehr als 100 Millionen Franken kosten.

Kritik an Besatzung und Behörden

Die Tragödie löste landesweit Trauer, aber auch Empörung und Wut aus, sie lässt die Menschen bis heute nicht los. Nach einem Anfang Juli 2014 veröffentlichten Bericht des Rechnungshofes trugen neben dem Versagen der Besatzung auch Inkompetenz der Behörden, Korruption sowie Geldgier der Reederei zur Katastrophe bei.

Die Ermittler fanden heraus, dass das Schiff nicht nur am Tag des Unglücks, sondern regelmässig überladen war. Im November wurde der Kapitän der Sewol, Lee Joon Seuk, zu 36 Jahren Haft verurteilt, weil er die Passagiere im Stich liess. 14 weitere Crewmitglieder wurden zu Haftstrafen zwischen fünf und 30 Jahren verurteilt.

«Wir können der Regierung nicht vertrauen»

Angehörige von Opfern kritisieren aber auch die Behörden, nicht genug für die Rettung der Passagiere getan zu haben. Dutzende von ihnen fordern eine unabhängige Untersuchung, die eine Sonderkommission mit Zustimmung der Präsidentin vornehmen soll. Den bisherigen Untersuchungen der Staatsanwaltschaft misstrauen sie.

Sie werfen der Regierung vor, die neuen Untersuchungen beeinflussen zu wollen. «Wir können nicht dem guten Willen der Regierung vertrauen», zitierte die Zeitung «Hankyoreh» das Komiteemitglied Park Jong-un von der Oppositionspartei Neue Politische Allianz für Demokratie (NDAP). «Der Ausschuss ist bereits seit dem 1. Januar offiziell eingesetzt, doch haben wir noch immer nicht begonnen.»

Die Abgeordneten der Nationalversammlung verabschiedeten derweil mit grosser Mehrheit eine Resolution, die die Hebung der Unglücksfähre fordert. Dies würde nach Expertenschätzungen 85 bis 128 Millionen Euro kosten und anderthalb Jahre dauern.

sda/AP/hvw

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