6000 Mann sollen für Kim hacken

Südkorea schlägt Alarm und verdoppelt die geschätzte Zahl der nordkoreanischen Cyberarmee. Doch Seoul hat Eigeninteressen. Ist die Schätzung zuverlässig?

Der geliebte Führer an der Maus: Kim Jong-un bei einem Besuch des Kontrollzentrums der nordkoreanischen Luftwaffe.

Der geliebte Führer an der Maus: Kim Jong-un bei einem Besuch des Kontrollzentrums der nordkoreanischen Luftwaffe.

(Bild: Reuters)

Nordkorea: Mit dem Land verbinden viele Atomprogramme, eine von der Aussenwelt isolierte Diktatur und nicht erst seit dem Hackerangriff auf Sony Pictures auch Cyberattacken. Nun hat das südkoreanische Verteidigungsministerium erklärt: In Nordkorea kümmern sich 6000 Spezialisten um Hackerangriffe.

Die Zahl ist doppelt so hoch wie die bisher höchsten Schätzungen. Wie zuverlässig diese Angabe ist, kann schwer überprüft werden. Die meisten Schätzungen stammen aus Südkorea und variieren stark. Das hält der Politwissenschaftler Tobias Feakin 2013 in einer Studie zu Nordkoreas Cyberpotenzial fest. Eine verlässliche Angabe ist daher schwer zu treffen. Zudem agiert die Regierung in Seoul nicht als unbeteiligte oder gar objektive Partei. Nach südkoreanischen Angaben sei das Ziel der Cyberarmee die Störung von Regierung und Militär in Südkorea.

Warnung an Washington geschickt

Das Verteidigungsministerium in Seoul erklärt weiterhin: Es gebe Anhaltspunkte, dass Nordkorea nach Fortschritten bei der Entwicklung seiner Raketentechnik inzwischen die Fähigkeiten haben könnte, das amerikanische Festland zu treffen. Pyongyang arbeite im übrigen daran, seine Atomsprengköpfe so weit zu verkleinern, dass sie auf Raketen montiert werden können. Mit dieser Warnung adressiert Seoul die USA – eine der wichtigsten Verbündeten. Seit dem Koreakrieg in den 1950er Jahren garantiert Washington die Sicherheit Südkoreas.

Verbindung zum Angriff auf Sony?

Die neue Schätzung wurde zeitnah nach dem Hackerangriff auf die Filmproduktionsfirma Sony Pictures veröffentlicht. Die USA verdächtigen Nordkorea, dahinter zu stecken. Bei der Cyberattacke wurden grosse Mengen vertraulicher Daten gestohlen und dann veröffentlicht. Hintergrund soll der satirische Film «The Interview» über ein versuchtes Attentat auf den nordkoreanischen Führer Kim Jong-un sein. Nordkorea bestreitet die Hackerattacke.

Die koreanische Halbinsel ist seit Ende des Koreakriegs 1953 geteilt. Nord- und Südkorea haben seither keinen Friedensvertrag geschlossen. Es besteht lediglich ein Waffenstillstand. Immer wieder kommt es zu Drohgebärden und Feindseligkeiten.

mit Material der Nachrichtenagentur AP

spu

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