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Der Mann, der das Attentat unter einem Tisch überlebte

Laurent Léger hatte miterlebt, wie die Attentäter am Mittwoch in die Redaktion von «Charlie Hebdo» stürmten. Nun berichtet er: «Dann war da plötzlich Stille.»

«Die Redaktionskonferenz war gerade zu Ende. Plötzlich hörte man etwas krachen, dann ging die Tür auf und ein Typ stürzte herein und schrie 'Allahu Akbar'»: Journalist Laurent Léger am Freitag in Paris. (9. Januar 2015)
«Die Redaktionskonferenz war gerade zu Ende. Plötzlich hörte man etwas krachen, dann ging die Tür auf und ein Typ stürzte herein und schrie 'Allahu Akbar'»: Journalist Laurent Léger am Freitag in Paris. (9. Januar 2015)
AFP

Als er am Mittwochvormittag einen vermummten, schwarz gekleideten Mann mit einem Maschinengewehr in den Redaktionssaal des französischen Satire-Magazins «Charlie Hebdo» stürmen sah, warf sich Journalist Laurent Léger hinter einen Ecktisch. Von da aus musste er hilflos mit ansehen, wie einer seiner Kollegen nach dem anderen kaltblütig erschossen wurde. Léger ist einer der wenigen Überlebenden des Anschlags, in dessen Verlauf die Attentäter zwölf Menschen töteten. Im Sender France Info schilderte er, was er am Ort der Bluttat sah.

«Die Redaktionskonferenz war gerade zu Ende. Plötzlich hörte man etwas krachen, dann ging die Tür auf und ein Typ stürzte herein und schrie 'Allahu Akbar'» (Gott ist gross), sagte Léger. «Er sah aus wie einer von (den Eliteeinheiten) GIGN oder Raid, er war vermummt, komplett schwarz, er hielt eine Waffe in beiden Händen, und dann ging das Schiessen los, Pulvergeruch. Ich konnte mich hinter einen Tisch in einer Ecke werfen», sagte Leger.

«Ich sah den Horror»

Der Eindringling habe «Charb» gerufen, den Künstlernamen von Zeitungschef Stéphane Charbonnier, berichtete Léger weiter. «In einigen Sekunden waren alle am Boden (...) Dann war da plötzlich Stille. Eine lange Stille.» Anschliessend habe er Schritte gehört, der Schütze habe mit einem zweiten Mann gesprochen. Erst da habe er verstanden, dass es zwei Angreifer gab.

«Ich dachte, sie würden herumgehen und nach Überlebenden suchen», sagte Léger. Doch die Männer hätten den Raum voller lebloser Körper schliesslich verlassen. «Ich sah eine Menge Blut, ich sah die Hälfte des Redaktionsteams am Boden. Ich sah den Horror», berichtete der Journalist. Er könne immer noch nicht fassen, dass er selbst dem Anschlag entkommen ist.

Mitarbeiterin gezwungen Eingangstür zu öffnen

Bei dem Attentat wurden zwölf Menschen getötet, unter ihnen Charb, der seit 2012 unter Polizeischutz stand, und sieben weitere Mitarbeiter von «Charlie Hebdo». Zu den Opfern gehören vier Karikaturisten, die zu den beliebtesten und bekanntesten Zeichnern in Frankreich zählten, und der Wirtschaftsjournalist Bernard Maris. Getötet wurden ausserdem ein Besucher, der zu der wöchentlichen Redaktionskonferenz eingeladen worden war, ein Angestellter einer Reinigungsfirma und zwei Polizisten - von denen einer für den Personenschutz von Charb verantwortlich war.

Die Zeichnerin Corinne Rex, alias Coco, hatte berichtet, wie sie von den Attentätern gezwungen wurde, die Eingangstür zu öffnen. «Ich hatte meine Tochter von der Tagesstätte abgeholt, als wir an der Tür des Gebäudes ankamen, haben uns zwei vermummte und bewaffnete Männer brutal bedroht», sagte die junge Frau. Unter der Drohung habe sie den Sicherheitscode getippt, und die Männer seien ins Gebäude eingedrungen.

«Charlie Hebdo» war im Visier von islamischen Fundamentalisten, weil es wiederholt Karikaturen des Propheten Mohammed veröffentlicht hat. Der Leiter Charbonnier stand auf einer Liste von Personen, zu deren Tötung die Extremistenorganisation al-Qaida aufgerufen hat.

AFP

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