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Wieder untersucht eine Grand Jury tödliche Polizeischüsse

Ein unerfahrener Polizist erschoss in einem New Yorker Treppenhaus einen unbewaffneten schwarzen Mann. Ein Geschworenengericht soll nun den Fall aufklären. Die Demonstrationen gegen Rassismus gingen weiter.

Sein Fall wird nun von einer Grand Jury untersucht: Akai Gurley wird von seinen Freunden verabschiedet. (5. Dezember 2014)
Sein Fall wird nun von einer Grand Jury untersucht: Akai Gurley wird von seinen Freunden verabschiedet. (5. Dezember 2014)
Reuters

Eine Grand Jury in New York hat Untersuchungen in einem weiteren Fall von tödlichen Polizeischüssen auf einen unbewaffneten Mann angekündigt. Wie der Staatsanwalt des Bezirks Brooklyn, Kenneth Thompson, am Freitag erklärte, soll ein junger Polizeibeamter den Mann in einem dunklen Treppenhaus eines Sozialbaus erschossen haben. Am Samstag sollte das 28 Jahre alte Opfer Akai Gurley in New York beerdigt werden.

Die Entwicklungen im Fall Gurley wurden zwei Tage nach der Entscheidung einer Jury im New Yorker Stadtteil Staten Island bekannt, einen Polizisten nach dem Erstickungstod des unbewaffneten Schwarzen Eric Garner nicht anzuklagen. Vor zwei Wochen war ein Geschworenengericht im Falle des Todesschützen von Michael Brown in Ferguson zu einer ähnlichen Entscheidung gekommen.

«Es ist wichtig, dass wir dem auf den Grund gehen»

Thompson teilte in seiner Erklärung mit, er werde die Geschworenen einberufen, «weil es wichtig ist, dem auf den Grund zu gehen, was passiert ist». Informationen zu dem Fall würden weiterhin eingeholt, einen genauen Zeitplan für den Beginn der Arbeit der Grand Jury gebe es noch nicht.

Gurley und seine Freundin hatten bisherigen Ermittlungen zufolge am 20. November eine Tür zu einem pechschwarzen Treppenaufgang geöffnet, als ein Polizeianfänger auf Patrouille mit gezogener Waffe von einem Stockwerk weiter oberhalb hinunterkam. Polizisten in New York machen häufiger solche Streifgänge, bei denen sie von oben nach unten in Sozialbauten die Treppen heruntergehen. Diese sind häufig Zufluchtsorte für Kriminelle.

Kommissar William Bratton sagte, die Schüsse seien offenbar ein Unfall gewesen, der ein «total unschuldiges» Leben gefordert habe. Die Gerichtsmedizin hatte entschieden, dass es sich eindeutig um einen Tötungsdelikt gehandelt habe.

Wieder Proteste in den USA

In den USA haben erneut tausende Menschen gegen Rassismus und Polizeigewalt demonstriert. In New York gingen am Freitagabend den dritten Tag in Folge hunderte Menschen auf die Strasse und legten den Verkehr lahm. Im Stadtteil Brooklyn erinnerten sie an den 28-jährigen Akai Gurley, der im November von einem Polizisten erschossen worden war. Am Freitag hatte der zuständige Richter entschieden, dass eine sogenannte Grand Jury über eine Anklageerhebung in dem Fall entscheiden soll.

Der Fall reiht sich ein in eine ganze Serie von tödlichen Schüssen oder Tätlichkeiten weisser Polizisten, denen Schwarze zum Opfer fielen. Sowohl nach dem Tod des unbewaffneten 18-Jährigen Michael Brown in Ferguson als auch nach dem mit einem Würgegriff getöteten Eric Garner in New York entschieden Jurys, dass sich die Polizisten nicht vor Gericht verantworten müssen. Nach den Entscheidungen kam es jeweils zu teils gewaltsamen Protesten.

Weitere Demonstrationen gab es am Freitag in Washington, Miami, Chicago, Boston und New Orleans. Viele Demonstranten legten sich auf den Boden, um an die Toten durch Polizeischüsse zu erinnern. Auf Plakaten stand «Rassismus tötet» und «Das Leben von Schwarzen zählt».

AP/AFP/chk

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