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Wie Daley die Wiederwahl von Obama sichern soll

William Daley ist der neue Stabschef des US-Präsidenten. Der Topmanager kommt von einer Grossbank und verfügt über Eigenschaften, die Barack Obama dringend braucht.

William Daley ist der Nachfolger von Rahm Emanuel.
William Daley ist der Nachfolger von Rahm Emanuel.
Keystone
Neue Ziele: Obamas ehemaliger Stabschef Rahm Emanuel will Bürgermeister von Chicago werden.
Neue Ziele: Obamas ehemaliger Stabschef Rahm Emanuel will Bürgermeister von Chicago werden.
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Verteidigungsminister Robert Gates wird aller Voraussicht nach auch bald zurücktreten.
Verteidigungsminister Robert Gates wird aller Voraussicht nach auch bald zurücktreten.
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Angesichts der Rezession in den USA und der neuen Mehrheitsverhältnisse im US-Repräsentantenhaus hat Präsident Barack Obama mit der Ernennung William Daleys zum neuen Stabschef nach eigener Aussage einen versierten Politveteranen mit grosser wirtschaftlicher Erfahrung ins Weisse Haus geholt. Bei der Vorstellung des 62-jährigen Daley erklärte Obama: «Wenige Amerikaner bringen einen so breit gefächerten Erfahrungsschatz mit ins Amt wie Bill.» So verfüge er über ein tiefes Verständnis dafür, wie neue Arbeitsplätze geschaffen und die Wirtschaft wachsen könne.

Der aus Chicago stammende Demokrat gilt als politischer Brückenbauer mit Verbindungen zur Wall Street. Daley ist Topmanager bei der Grossbank JPMorgan Chase. Zudem sitzt er im Vorstand weiterer Unternehmen, darunter der Flugzeug-Gigant Boeing und der Pharma-Konzern Merck. Zuvor war er war Handelsminister unter dem früheren Präsident Bill Clinton und als Berater in Obamas Wahlkampf-Team tätig. «Daley ist sowohl in der Geschäftswelt als auch im Politbetrieb vollkommen zu Hause», erklärte William Galston, ein langjähriger Weggefährte Daleys.

Daley löst den ehemaligen Stabschef Rahm Emanuel ab, der sich um das Amt des Bürgermeisters in Chicago bewerben will. Damit reiht sich Daley auch in die traditionsreiche Riege aus Chicago stammender Berater im Weissen Haus ein. So gilt er auch als Vertrauter von Obamas Chef-Stratege David Axelrod, der seinen Rückzug aus dem Weissen Haus ankündigte, um sich auf den nächsten Präsidentschaftswahlkampf im Jahr 2012 vorzubereiten.

Mann der Kompromisse

Galt sein Vorgänger Emanuel während seiner Zeit in Washington noch als gewiefter Lobbyist, der die Unterstützung demokratischer Abgeordneter für Gesetzesinitiativen zu gewinnen verstand, hat sich die Anforderungslage nach dem Mehrheitsgewinn der Republikaner im Repräsentantenhaus nun verändert. Mit Daley ziehe anstelle des für seine Launen und sein bisweilen brüskes Auftreten bekannte Emanuel ein Pragmatiker ins Kapitol, sagt der Politologe James Thurber von der American University.

Sein Bruder sei ein Mann der Kompromisse, beschreibt ihn John Daley. Diese Charaktereigenschaft sei den sieben Daley-Geschwistern schon früh von ihren Eltern mit auf den Weg gegeben worden, erklärt der Chicagoer Politiker.

So war Daley auch einer der ersten prominenten Demokraten, die Obama öffentlich dazu aufriefen, sich in die politische Mitte zu bewegen. Seine Partei müsse entweder «einen moderateren Kurs fahren» oder mit empfindlichen Wahlniederlagen rechnen, schrieb Daley einst in einem Kommentar für die Tageszeitung «The Washington Post.»

Obama braucht die Mitte

Obama wisse, dass er nur wiedergewählt werden könne, wenn er sich der politischen Mitte annähere, erklärte der Meinungsforscher Doug Schoen. Daley sei in einer guten Ausgangsposition, um diesen Prozess, der schon mit dem jüngsten Kompromiss zur Verlängerung der Steuererleichterungen der Ära Bush eingeläutet wurde, abzurunden, sagte er.

Daleys Ernennung ist die bedeutendste Personalie in einer ganzen Reihe von neu besetzten Posten im Weissen Haus – neben Obamas Pressesekretär mussten auch mehrere Stellvertreter und Wirtschafsberater ihren Hut nehmen. So wollte Obama voraussichtlich am Freitag den Politveteranen Gene Sperling zum Chef des Nationalen Wirtschaftsrates ernennen. Sperling soll in seiner neuen Funktion angesichts einer fast zweistelliger Arbeitslosenrate und bevorstehender Debatten über das Haushaltsdefizit weitreichende Befugnisse in der Wirtschaftspolitik der Regierung bekommen.

(dapd)

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