Wer Texas gewinnt, holt sich den Jackpot

Heute ist Super Tuesday: In 12 US-Bundesstaaten geht es ans Eingemachte. Fragen und Antworten zum Höhepunkt der amerikanischen Vorwahlen.

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Heute ist der Super Tuesday. Was ist so super an diesem Dienstag?

Dass gleichzeitig in 12 US-Bundesstaaten Vorwahlen stattfinden. Ausserdem wird im US-Aussengebiet Samoa gewählt sowie unter den US-Demokraten im Ausland, auch in der Schweiz. Es gibt nie mehr Delegiertenstimmen zu holen als heute: Bei den Republikanern geht es um mehr als 600, bei den Demokraten um rund 1000.

Spielt es überhaupt eine Rolle, dass in mehr als 10 Staaten gewählt wird? Bei uns wird ja auch in jeweils allen 26 Kantonen abgestimmt.

Anders als in der Schweiz, sind die Distanzen enorm. Jeder Kandidat braucht eine Strategie, da man nicht überall gleichzeitig Wahlkampf machen kann. Entscheidend ist deshalb, wie man Zeit und Geld einsetzt. In Staaten, wo man nicht persönlich auftritt, muss die Wahlkampfmaschine reibungslos laufen mit Freiwilligen, die am Telefon oder an der Haustür Werbung machen. Viel kosten ausserdem die Fernsehspots, mit denen die Wähler umworben und die Gegner angegriffen werden. Der Super Tues­day ist wie eine Serie von Prüfungen. Wer besteht, kann weitermachen. Für alle andern gilt: Danke fürs Mitmachen!

Welches ist der wichtigste Staat?

Texas. Hier gibt es am meisten Delegiertenstimmen: bei den Republikanern 155, bei den Demokraten 252. Bei den Republikanern kommt es sogar zum Showdown: Gewinnt Ted Cruz sein Heimspiel nicht gegen Donald Trump, wird es schwierig für den Texaner. Gemäss Umfragen führt Cruz hier mit 10 Prozent Vorsprung auf Trump. In 8 der 12 Vorwahlstaaten des Super Tuesday liegt jedoch der New Yorker vorne.

Ist Donald Trump schon so gut wie nominiert?

Nein. Dafür braucht er 1237 Delegierte, die für ihn stimmen. Trump hat bisher 82. Ted Cruz (17) und Marco Rubio (16) liegen zwar zurück, können den Schaden aber vielleicht in Grenzen halten. Denn in allen Staaten, in denen die Republikaner heute wählen, werden die Delegierten proportional zum Stimmenanteil verteilt und nicht – wie in den USA oft üblich – nach dem Prinzip «The winner takes it all». Dagegen gilt in Florida (99 Delegierte) und in Ohio (66) «alles für den Sieger». Die dortigen Vorwahlen finden am 15. März statt. Wenn also Rubio in seinem Heimatstaat Florida gewinnt, Trump aber nicht gleichzeitig in Ohio, könnte Rubio dem Spitzenreiter nahekommen oder ihn gar überholen. Falls heute die Entscheidung nicht fällt – in zwei Wochen dürfte es so weit sein.

Ist die Nomination garantiert, wenn ein Kandidat die erforderliche Zahl an Delegierten hinter sich hat?

In der Regel ja. Aber 2016 ist alles möglich. So auch, dass es bei den Republikanern zu einer Brokered Convention kommt. Das ist ein Parteitag, auf dem ein Kompromisskandidat ernannt wird. Da sich die Führung der Republikaner ja offensichtlich schwertut mit Trump, wäre es möglich, dass trotz aller Vorwahlen ein Mister X oder etwa Rubio auf den Schild gehoben würde. Bisher gab es bei den Republikanern zwei Lager: das konservative Partei-Establishment und die erzkonservative Tea Party. Nun aber hat sich ein drittes Lager gebildet, und das Camp Trump lässt sich nicht mehr ignorieren. Trotzdem könnten die Republikaner auf dem Parteitag Ende Juli jemand anderen als den Sieger des Vorwahlmarathons nominieren. Das wäre jedoch ein sehr ungewöhnlicher Vorgang und würde die Partei erschüttern. Eine Brokered Convention gab es zuletzt 1952, als sich die Demokraten auf Adlai Stevenson einigten, der dann allerdings gegen Dwight D. Eisenhower klar verlor.

Wie gut ist die Ausgangslage von Hillary Clinton?

Sie hat drei der bisher vier Vorwahlen gewonnen und geht gestärkt in den Super Tuesday. Clinton liegt gemäss Umfragen in 9 der 11 Staaten, in denen die Demokraten wählen, klar vor Bernie Sanders. Der 74-jährige Senator führt nur in seiner Heimat Vermont; in Massachusetts, ebenfalls Neuengland, liegt er knapp hinter Clinton. Uneinholbar ist die Kandidatin dagegen in den Südstaaten Georgia, Alabama, Tennessee, Virginia und Arkansas, wo viele Afroamerikaner leben. Die Schwarzen loben «Sister Hillary», weil sie den «systematischen Rassismus» in den USA beklagt und versprochen hat, Obamas Politik fortzusetzen. Ausserdem war Gatte Bill Clinton Gouverneur in Arkansas und holte sich am Super Tuesday 1992 die Nomination im Süden. Der ehemalige Präsident ist immer noch gut vernetzt mit schwarzen Politikern, Predigern und Aktivisten. Und er tritt derzeit überall auf, um seiner Frau zu helfen.

Ist der Super Tuesday Bernie Sanders’ Abschiedsvorstellung?

Nicht unbedingt. Im Gegensatz zu Clinton ist es Sanders gelungen, junge und liberale Weisse zu begeistern. Ausserdem werden in den Vorwahlen der Demokraten die Delegiertenstimmen proportional zum Wahlergebnis verteilt und nicht nach dem Prinzip «The winner takes it all». So kann Sanders weiter Delegierte sammeln und Clinton ärgern. Mit vielen Superdelegierten sollte er jedoch nicht rechnen.

Was sind Superdelegierte?

Auf dem Parteitag der Demokraten Ende Juli in Philadelphia sind auch Superdelegierte zugelassen. Das sind hochrangige oder ehemals hochrangige Parteimitglieder, die nicht durch die Vorwahlen in den Bundesstaaten bestimmt werden. Von den 712 Superdelegierten dürften die meisten für Ex-Aussenministerin Clinton stimmen. Bisher haben das bereits 453 versprochen. Bei den Demokraten muss der Sieger mindestens 2383 Delegierte auf sich vereinen.

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 01.03.2016, 18:39 Uhr

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