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«Was ist denn, wenn es passiert?»

Der Iran benötigt gemäss Leon Panetta noch ein Jahr bis zur Herstellung einer A-Bombe. Der Vorsitzende der Münchner Sicherheitskonferenz, Wolfgang Ischinger, schliesst einen militärischen Konflikt nicht mehr aus.

Machtdemonstration gegenüber dem Iran: Die Flugzeugträger USS Abraham Lincoln und USS John C. Stennis im Arabischen Meer. (19. Januar 2012)
Machtdemonstration gegenüber dem Iran: Die Flugzeugträger USS Abraham Lincoln und USS John C. Stennis im Arabischen Meer. (19. Januar 2012)
Keystone

Der Iran kann nach Einschätzung von US-Verteidigungsminister Leon Panetta etwa in einem Jahr eine Atombombe bauen. Die USA würden «alle nötigen Schritte» unternehmen, um dies zu verhindern, sagte Panetta dem Fernsehsender CBS. Der Chef der Münchner Sicherheitskonferenz, Wolfgang Ischinger, warnte vor einem Krieg mit dem Iran. «Der Konsens ist, dass sie wahrscheinlich rund ein Jahr brauchen, um eine Bombe herstellen zu können, wenn sie sich dafür entscheiden,» sagte Panetta. Anschliessend würde der Iran noch ein oder zwei Jahre brauchen, um ein Trägersystem für die Atombombe herzustellen.

Der Westen verdächtigt den Iran seit langem, heimlich nach Atomwaffen zu streben. Auch die Internationale Atomenergiebehörde (IAEA) hatte in einem Bericht im November den Verdacht geäussert, dass der Iran Atomwaffen entwickelt. Der Iran weist dies zurück und betont den zivilen Charakter des Atomprogramms.

Mit «allen nötigen Schritten»

Anfang 2011 waren die 16 US-Nachrichtendienste allerdings zu dem Schluss gekommen, dass die iranische Führung in der Frage der Entwicklung einer Atombombe noch gespaltener Meinung sei. Auch wenn sie ihr umstrittenes Atomprogramm fortführe, habe sie noch keinen Entschluss für den Bau einer Bombe getroffen, hiess es damals.

Panetta sagte, sollten die USA Erkenntnisse darüber erlangen, dass der Iran den Bau der Atombombe vorantreibt, würden sie dies mit «allen nötigen Schritten» verhindern. Der Bau der Atombombe durch den Iran sei «eine rote Linie» für die USA und insbesondere für Israel. Somit gebe es ein gemeinsames Ziel, sagte der Minister.

Säbelrasseln

Angesichts anhaltender Drohungen aus Teheran fühlt sich Israel direkt bedroht und diskutierte bereits öffentlich einen Militärschlag. In dem CBS-Interview erklärte auch Panetta hinsichtlich der Möglichkeit eines Militäreinsatzes, alle Optionen seien auf dem Tisch.

Auch der Vorsitzende der Münchner Sicherheitskonferenz, Ischinger, schloss einen militärischen Konflikt mit dem Iran nicht aus. «Man muss das Säbelrasseln des Iran ernst nehmen», sagte Ischinger der Zeitung «Welt». Bisher sei immer gesagt worden, ein nuklear bewaffneter Iran sei undenkbar. «Was ist denn, wenn es passiert? Was machen wir dann?», sagte Ischinger. Darauf müsse man auch Israel eine Antwort geben.

IAEA-Team in Teheran eingetroffen

Die Sanktionspolitik habe keinen Kurswechsel im Iran erzielt, sagte Ischinger. «Deshalb ist die Zeit gekommen, mit einem Tabu aufzuräumen.» Er plädiere für eine Eindämmungspolitik wie im Kalten Krieg gegenüber der Sowjetunion. Das sogenannte Containment sei zwar nicht erstrebenswert, richte aber weniger Schaden als ein militärischer Konflikt an.

Am Sonntag war eine ranghohe Delegation der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA) in Teheran eingetroffen, um die seit mehr als einem Jahr auf Eis liegenden Atomgespräche wieder in Gang zu bringen. Unklar war, wen die Inspektoren im Iran treffen und ob auch Kontrollen von Atomanlagen geplant waren.

Irans Aussenminister Ali Akbar Salehi zeigte sich «sehr optimistisch» angesichts des Besuchs des IAEA-Teams. Die Delegation könne ihren für drei Tage angesetzten Besuch noch verlängern, sagte Salehi. Zugleich rief er die USA und die EU dazu auf, «statt auf Sanktionen auf Verständigung» mit dem Iran zu setzen.

SDA/jak

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