Zum Hauptinhalt springen

Wallstreet will wissen, wie es weiter geht

Barack Obama will die wichtigsten Posten seines Kabinetts möglichst rasch besetzen. Die Finanzmärkte geben ihm keine Gnadenfrist.

Nach seinem historischen Wahlsieg hat der neue Präsident gerade zehn Wochen Zeit, um sein Kabinett zu bilden und Hunderte von Chefbeamten zu ernennen. Und dies mitten in der grössten Finanzkrise seit 80 Jahren. Entsprechend verunsichert zeigen sich derzeit die Märkte. Man sei beunruhigt wegen eines möglichen Machtvakuums, erklärt UBS-Vizepräsident Art Cashin, der seit 45 Jahren an der New Yorker Börse arbeitet. «Das Letzte, was wir brauchen, sind zwei Feuerwehren, die miteinander streiten, während im Hintergrund das Gebäude abbrennt.» Besorgt seien die Händler vor allem für den Fall, dass ein weiteres grosses Finanzhaus in Schwierigkeiten geraten würde, ohne dass von der Regierung rasch Hilfe eintreffe.

Gerade deswegen hat Barack Obama bereits Rahm Emanuel zu seinem Stabschef ernannt. Der 49-jährige Abgeordnete könnte eine solche Hilfe koordinieren. Emanuel hat bereits am Donnerstag zusammen mit Vizepräsident Joe Biden und dem Ex-Stabschef von Bill Clinton, John Podesta, an einer längeren Strategiesitzung in Chicago teilgenommen. Podesta ist einer der Hauptfiguren rund um Obama, er führt das Übergangsteam, hat seit Monaten Kandidaten für die höchsten Regierungsämter ausgesiebt und befragt. Und er hat bereits 2006, als Obama noch nicht als Kandidat feststand, eine Antrittsrede für einen demokratischen Präsidenten entworfen.

Paulson tritt auf alle Fälle ab

Am dringendsten ist die Besetzung des Finanzministeriums, da Henry Paulson deutlich gemacht hat, sein Amt im Januar auf alle Fälle aufzugeben. Paulson ist der Chefarchitekt des 700-Milliarden-Rettungspakets für die Wallstreet-Häuser; sein Nachfolger wird alle Probleme des Finanzsektors erben und wahrscheinlich weitere Bankenpleiten sowie eine marode Autoindustrie zu betreuen haben. Deshalb gilt Timothy Geithner als einer der Kronfavoriten. Er ist Chef der New Yorker Notenbank und steckt damit mitten im Auge des Finanzsturms. Faktisch ist er der Mann, der die Entscheide von Notenbankchef Ben Bernanke an den Märkten umsetzt.

Gute Chancen hat dem Vernehmen nach auch der frühere Finanzminister unter Clinton, Larry Summers, der zudem den Vorteil hat, mit Obama als Wirtschaftsberater bereits in Kontakt zu stehen. Paul Volcker und Warren Buffett wollen kein Ministeramt, stehen aber als Berater bereit.

Republikaner willkommen

Obama will zudem ein Kabinett bilden, das über die eigene Partei ausgreift. Deshalb ist möglich, dass der amtierende Verteidigungsminister, der gemässigte Republikaner Robert Gates, seinen Posten behält. Auch das Aussenministerium könnte mit einem Republikaner besetzt werden, sei es mit Chuck Hagel oder Richard Lugar, zwei mit Obama befreundete Senatoren. Indessen scheint der 2004 gescheiterte John Kerry ebenso am Amt interessiert; ferner wird Ex-Botschafter Richard Holbrooke als Kandidat herumgeboten. Als aussenpolitische Beraterin steht Susan Rice hoch im Kurs (mit Condoleezza Rice ist sie nicht verwandt). Die frühere Afrika-Beraterin von Clinton ist das politische Ziehkind von Ex-Aussenministerin Madeline Albright.

Gespannt warten Umweltverbände auf die Wahl des neuen Chefs, nachdem dieses Ministerium in den vergangenen Jahren zunehmend degradiert worden war. Auf der Kandidatenliste stehen unter anderem der Umweltanwalt Robert Kennedy Jr. sowie die beiden Gouverneurinnen Janet Napolitano und Kathleen Sebelius.

Präsident George W. Bush sicherte gestern zu, den Regierungswechsel so reibungslos wie möglich gestalten zu wollen. Mit Obama will er sich zu Beginn der kommenden Woche zu einer Aussprache zu den Details dieses heiklen Überganges treffen.

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch