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Verletzte bei Demonstration vor Confederations-Cup-Spiel

Vor dem Fussballspiel zwischen Brasilien und Mexiko kam es zu massiven Ausschreitungen. Gemäss Zeugenaussagen bedrohte die Polizei Journalisten mit vorgehaltener Waffe.

Bildung statt Fussball: Demonstranten in Brasilien. (21. Juni 2013)
Bildung statt Fussball: Demonstranten in Brasilien. (21. Juni 2013)
AFP
Sie brach ihr Schweigen: Brasiliens Präsidentin Dilma Rousseff verspricht Besserung. (21. Juni 2013)
Sie brach ihr Schweigen: Brasiliens Präsidentin Dilma Rousseff verspricht Besserung. (21. Juni 2013)
Keystone
Gestiegene Fahrkartenpreise lösten die Proteste in Brasilien aus.
Gestiegene Fahrkartenpreise lösten die Proteste in Brasilien aus.
Keystone
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Aus Wut über soziale Missstände und die Verschwendung von Steuergeld sind in ganz Brasilien erneut zehntausende Menschen auf die Strasse gegangen. Bei Strassenschlachten mit der Polizei wurden im nordöstlich gelegenen Fortaleza mindestens zwei Protestteilnehmer verletzt. Am Vorabend waren allein durch die Millionenmetropole São Paulo etwa 50'000 Demonstranten gezogen, dabei gab es auch Plünderungen.

In Fortaleza blockierten Demonstranten vor dem zweiten Spiel des Fussball-Rekordweltmeisters bei der Generalprobe für die Fussball-WM 2014 gegen Mexiko den Zugang zum Stadion. Nach der zunächst friedlichen Kundgebung kam es zu gewalttätigen Ausschreitungen. Die Sicherheitskräfte setzten Tränengas gegen steinewerfende Demonstranten ein.

Nach Angaben eines deutschen Fotografen wurden für das Turnier akkredierte Bildreporter mit vorgehaltener Waffe daran gehindert, die Szenen zu fotografieren.

«Nein zum Fussball, wir wollen Bildung», stand auf einem Banner der Protestierenden, die die Confederations-Cup-Begegnung gegen Mexiko als Bühne für ihre Forderungen nutzten. «Ein Professor ist mehr wert als Neymar», skandierten sie mit Blick auf den populären Jungstar des Nationalteams, für dessen Wechsel der FC Barcelona 57 Millionen Euro zahlte.

Allein der Bau des Novo-Castelao-Stadions in Fortaleza hatte 240 Millionen Dollar verschlungen, die nach Ansicht der Regierungskritiker besser ins marode Gesundheits- und Bildungssystem des Landes investiert worden wären. Die umstrittene Fussball-WM im kommenden Jah soll den Staat rund elf Milliarden Euro kosten.

Eliteeinheiten geschickt

Das Justizministerium entsandte Eliteeinheiten in fünf Bundesstaaten, wo der bis 30. Juni laufende Confederations Cup ausgetragen wird. Offiziell sollten die Sicherheitskräfte bloss «vermitteln» und «nicht repressiv» handeln.

Staatschefin Dilma Rousseff reiste kurzfristig nach São Paulo, wo die Protestwelle nach einer Erhöhung der Fahrpreise im öffentlichen Nahverkehr begonnen hatte. Rousseff wollte mit dem Bürgermeister sowie ihrem Amtsvorgänger und politischen Ziehvater Luiz Inácio Lula da Silva über die Krisenlage beraten.

Ausschreitungen in São Paulo

In São Paulo setzte die Polizei in der Nacht auf Mittwoch Tränengas gegen Demonstranten ein, die nach einem Marsch durch die Stadt ins Rathaus einzudringen versuchten. Eine Gruppe von Randalierern setzte daraufhin einen Übertragungswagen des Fernsehens, eine Bankfiliale und einen Wachposten der Polizei in Brand.

Auch in etwa 30 kleineren Städten fanden Demonstrationen statt. In São Gonçalo nahe Rio de Janeiro gingen 5000 Menschen auf die Strasse, im nordöstlichen Juazeiro do Norte etwa 8000. Für Donnerstag wurden grössere Proteste insbesondere in Rio de Janeiro erwartet.

An den grössten Protesten seit gut 20 Jahren hatten sich am Montag landesweit mehr als 250'000 Menschen beteiligt. Grösster Aufreger neben sozialen Missständen und grassierender Korruption sind die Grossinvestitionen für die Fussball-WM und die Olympischen Sommerspiele 2016 in Rio de Janeiro.

Blatters Umdenken

Die landesweiten Kundgebungen beschäftigen auch den Weltfussballverband Fifa. Bei Präsident Joseph Blatter sorgten sie für ein Umdenken. «Ich kann verstehen, dass die Menschen nicht glücklich sind», sagte Blatter und äusserte damit erstmals Verständnis für die friedlichen Demonstranten.

Gleichzeitig warnte er vor einer Instrumentalisierung des Fussball-Turniers. «Aber ich denke, sie sollten den Fussball nicht dazu nutzen, um ihre Forderungen zu verkünden», sagte er in einem Interview des Fernsehsenders TV Globo.

SDA/kle

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