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USA droht Rezession – Trump beschuldigt Medien

Trump zufolge hat der Börsen-Crash nichts mit dem Coronavirus zu tun. Experten in Washington planen Hilfe für bedrohte Bürger und Unternehmen.

Führt den Börsen-Crash auf die Implosion des Ölpreises und «Fake News» zurück: Donald Trump findet die Coronavirus-Situation medial «angeheizt». Bild: Tom Brenner/Reuters
Führt den Börsen-Crash auf die Implosion des Ölpreises und «Fake News» zurück: Donald Trump findet die Coronavirus-Situation medial «angeheizt». Bild: Tom Brenner/Reuters

Das Meme, am Montagmorgen als Retweet vom Weissen Haus verbreitet, kam zum ungünstigsten Zeitpunkt: Der historische Absturz der US-Börse war bereits absehbar, die Zahl der Coronafälle in den USA weiter angestiegen – und der Ölpreis gefährlich abgesackt. Eine Wirtschaftskrise zog am Horizont auf, der Retweet aber zeigte Donald Trump beim Geigen wie einst Kaiser Nero beim Brand von Rom. Trump lobte das Meme, viele Betrachter indes waren baff.

Tatsächlich rückt die Wahrscheinlichkeit einer Rezession in den USA näher, auf 90 Prozent wurde sie von der Investmentbank J.P. Morgan beziffert. Der Präsident zeigt sich freilich unbeeindruckt: Der Montags-Crash an der New Yorker Börse habe mit dem Virus nichts zu tun, schuld daran seien die Implosion des Ölpreises sowie die Panikmache der «Fake News», twitterte Trump.

Aber auch der Öl-Preiskrieg zwischen Saudiarabien und Russland ist eine Folge des sich ausbreitenden Erregers und des damit verbundenen Nachfrageschwunds. Und weil die USA inzwischen der weltgrösste Rohöl-Produzent sind, verkehrt sich die amerikanische «Energiedominanz» nun in eine Bedrohung der US-Konjunktur.

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Denn mit Barrel-Preisen von 30 Dollar oder sogar weniger ist das Fracking-Geschäft nicht mehr rentabel und müssen Energieerzeuger in Staaten wie North Dakota, Texas, Oklahoma und Pennsylvania um ihre Existenz fürchten. Ein solcher Einbruch würde überdies auch Geldgeber und regionale Banken bedrohen, die den Öl-Boom auf der Prärie finanzierten.

Nicht nur dem Energiegeschäft aber drohten im Falle einer Rezession Insolvenzen: Die Hälfte der Verschuldung von US-Unternehmen bestünde aus «Junk Bonds», eine Verlangsamung der Konjuktur könnte deshalb zu einer Pleitewelle führen, warnte der Ökonom Edward Yardeni am Montag. Auch US-Privathaushalte sind stark verschuldet, auch hier dürfte ein Konjunktureinbruch unangenehme Konsequenzen haben.

Hilfspakete für besonders gefährdete Wirtschaftszweige

Während der Präsident die Gefahr einer Rezession nach wie vor herunterspielt, arbeiten Experten im Weissen Haus bereits an Hilfspaketen für besonders gefährdete Wirtschaftszweige wie Fluggesellschaften und Kreuzschiffahrtslinien (zum Bericht). Im Kongress machen sich unterdessen die Demokraten für staatlich finanzierten Krankenurlaub stark sowie für eine Erweiterung der Arbeitslosenversicherung und mehr Gelder für staatliche Lebensmittelmarken. Nur so liessen sich die Auswirkungen eines vom Coronavirus verursachten Konjunktureinbruchs dämpfen, glaubt die demokratische Führung um Sprecherin Nancy Pelosi und Chuck Schumer, den Fraktionschef im Senat.

Das Weisse Haus drängt derweil auf die Hilfe der US-Notenbank und verlangt weitere Zinssenkungen von der Fed. Sie könnten jedoch verpuffen: Rund 70 Prozent der US-Wirtschaft wird von Konsumenten getragen, kaum dürften die Amerikaner im Falle einer weiteren Ausbreitung des Erregers und angesichts der Ebbe in ihren Aktiendepots Autos, Möbel oder Küchengeräte kaufen. Dagegen helfen könnten wie schon nach 9/11 gezielte Steuernachlässe, um die Nachfrage trotzdem zu beleben.

Trump will nach eigenen Angaben am Dienstag Massnahmen vorstellen, um die US-Wirtschaft angesichts der Epidemie zu stärken. Diese würden umfangreich ausfallen, kündigt er an.

Für Donald Trump käme eine Wirtschaftskrise zum denkbar schlechtesten Zeitpunkt: Selbst im günstigsten Fall erholte sich die US-Konjunktur kaum vor dem Herbst, wenn Präsidentschafts- und Kongresswahlen anstehen.

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