US-Geheimdienste haben Beweise für Abschuss

Laut Quellen im Pentagon registrierten Sensoren vor dem Absturz von MH17 den Abschuss einer Buk-Rakete. Im Kongress wird bereits der Ruf nach harten Massnahmen laut.

«Wer hat die Kompetenz, um so etwas zu machen?»: Ex-US-Aussenministerin Hillary Clinton spricht bei einem TV-Auftritt von Indizien gegen die Separatisten.

«Wer hat die Kompetenz, um so etwas zu machen?»: Ex-US-Aussenministerin Hillary Clinton spricht bei einem TV-Auftritt von Indizien gegen die Separatisten.

(Bild: Keystone)

Martin Kilian@tagesanzeiger

In der amerikanischen Hauptstadt haben sich im Laufe des gestrigen Abends Hinweise verdichtet, dass Malaysia Airlines Flug MH17 von einer Boden-Luft-Rakete russischer Bauart abgeschossen wurde. Der Fernsehsender NBC berichtete unter Berufung auf Quellen im Pentagon, Infrarot-Sensoren eines militärischen Aufklärungssatelliten hätten Zündung und Flugbahn der Buk-M2-Rakete registriert. Die Maschine, eine Boeing 777-200ER, war offenbar in der Luft zerbrochen und über einem Gebiet im Osten der Ukraine abgestürzt, das von russischen Separatisten kontrolliert wird.

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Die Regierung Obama hatte nach dem Ausbruch von Feindseligkeiten im Osten der Ukraine nachrichtendienstliche Ressourcen mobilisiert, um sich ein Bild von der Lage im umkämpften Gebiet verschaffen zu können. US-Dienste sind deshalb zuversichtlich, dass sowohl der genaue Abschussort der Rakete als auch die Verantwortlichen für das Abfeuern der Rakete identifiziert werden können. Nachdem Vizepräsident Biden bereits am Nachmittag während eines Besuchs in Detroit bestätigt hatte, dass die Boeing von einer Flugabwehrrakete getroffen wurde, hielt sich die Regierung Obama im weiteren Verlauf des Tages bedeckt und wollte keine Schuldzuweisung vornehmen.

Separatisten sollen Flugschreiber besitzen

Am Donnerstagmorgen hatte der russsische Präsident Wladimir Putin mit Präsident Obama telefoniert und den Absturz erwähnt. Anlass des Telefonats waren die neu in Kraft getretenen verschärften Sanktionen gegen Russland. Regierungsmitarbeiter in Washington hoffen zwar auf eine schnelle Aufklärung der Absturzursache, wollen jedoch nicht ausschliessen, dass wertvolles Beweismaterial vor Ort beiseite geschafft werden könnte. So meldeten US-Medien gestern, sowohl Flugschreiber als auch Stimmenrecorder der Boeing befänden sich in den Händen russischer Separatisten. Auch Wrackteile des Flugzeugs, die einen Raketeneinschuss belegen würden, sowie mögliche Überreste der SA-17 könnten von der Absturzstelle entfernt werden.

Trotz der Zurückhaltung des Weissen Hauses fiel in Washington der Hauptverdacht auf die ukrainischen Rebellen. Nach einer vertraulichen Anhörung von Mitarbeitern amerikanischer Geheimdienste am Donnerstagmittag vor dem nachrichtendienstlichen Ausschuss des Senats sagte die Vorsitzende des Gremiums, Dianne Feinstein (Kalifornien), es sei «bereits vor den heutigen Ereignissen» klar gewesen, «dass Russland die Unterstützung der Separatisten forciert hat». Feinstein verwies zudem auf mehrere Abschüsse ukranischer Militärflugzeuge und Hubschrauber durch die Separatisten.

«Dann wird die Hölle losbrechen»

Im Kongress wurden harte Massnahmen verlangt, falls Russland oder die Separatisten für den Absturz und den Verlust von 298 Menschenleben verantwortlich seien. Wenn russisches Militär oder die Separatisten die malaysische Boeing für ein ukrainisches Flugzeug gehalten und abgeschossen hätten, werde «die Hölle losbrechen», sagte der republikanische Senator John McCain (Arizona).

Ex-Aussenministerin Hillary Clinton ging einen Schritt weiter: «Wer hat die Kompetenz, um so etwas zu machen?», fragte sie. Clinton fügte hinzu, es gäbe Anzeichen, dass MH17 «wahrscheinlich» von Separatisten abgeschossen worden sei. Die Zerstörung der malaysischen Boeing durch eine Flugabwehrrakete müsse als «kriegerischer Akt» gewertet werden, sagte Senator Carl Levin (Michigan), der Vorsitzende des Streitkräfteausschusses. In Washington wird erwartet, dass die Auswertung aller verfügbaren Daten, darunter auch Informationen der NSA, bereits in Kürze ein besseres Bild der Vorgänge um den Abschuss der Boeing zeichnen werden.

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