«Unser Geschlecht ist Soldat»

Vor wenigen Tagen ist die 20-jährige US-Soldatin Devin Snyder in Afghanistan ums Leben gekommen. In den USA hat ihr Tod eine Genderdiskussion ausgelöst.

Im Krieg gibt es kein Geschlecht: Die «New York Times» berichtet über die Genderfrage in Kriegsgebieten.

Im Krieg gibt es kein Geschlecht: Die «New York Times» berichtet über die Genderfrage in Kriegsgebieten.

Devin Snyder träumte laut der «New York Times» davon, als Tattoo-Model zu arbeiten. Die beiden Arme der 20-Jährigen waren komplett mit blumigen Mustern verziert. In der beruflichen Realität aber trat sie nicht auf einen Laufsteg, sondern in das Ausbildungscamp der US-Militärpolizei in Fort Richardson in Alaska ein. Diese Wahl begründete sie laut einer Mitstreiterin mit dem Satz: «Die haben die besten und grössten Knarren.» Mit dem Eintritt in die Streitkräfte folgte sie einer Familientradition: Der Vater diente in der Navy, die Schwester auch, der Bruder in der Army.

Specialist Snyder starb am 4. Juni durch eine Bombe der Taliban in der afghanischen Provinz Lagham neben einer Fernstrasse. Wie die «New York Times» aufzählt, war sie das 28. weibliche Todesopfer aufseiten der Amerikaner in diesem Krieg am Hindukusch. Es starb eine Elitesoldatin: Die junge New Yorkerin hatte in der Armee stets Bestnoten erhalten und beim Fitnesstest stets den Maximalscore von 300 Punkten erzielt. Sie stand kurz davor, zum Sergeant befördert zu werden, und wurde jetzt posthum mit einem Orden geehrt.

Ein überholtes Bild

Der Tod von Devin Snyder ist bemerkenswert, weil in ihrer Heimat laut der NYT nach wie vor folgende Vorstellung vorherrscht: Frauen ziehen als Soldatinnen mit in den Krieg, dienen aber als Servicepersonal in den hinteren Reihen, als Krankenschwestern oder Sekretärinnen im Kommandostab.

Doch an den Fronten der US-Streitkräfte sieht die Realität anders aus. Wie die «New York Times» hervorhebt, starben im Irakkrieg etwa 111 Soldatinnen. Wie die NGO Icasualties.org ergänzt, seien davon 60 Prozent direkt durch feindliche Attacken ums Leben gekommen.

Während sich so laut NYT eine Genderdiskussion um die Streitkräfte entwickelt, sieht man das an der Front sehr pragmatisch. Staff Sergeant Vincent Vetterkind, der im selben Zug wie Snyder diente, sagt: «Da draussen, da gibt es kein männliches oder weibliches Geschlecht. Unser Geschlecht ist Soldat.» Und die 24-jährige Zugskommandantin First Lieutenant Riannon Blaisdell-Black sagt: «Um die Wahrheit zu sagen, dieses Thema interessiert mich überhaupt nicht.»

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