Und am Ende wird es doch ein weisser Mann

Kamala Harris kandidiert nun doch nicht für die Präsidentschaft. Wie war das noch mit der Diversität der Demokraten?

Ihr frühes Ausscheiden ist eine bittere Niederlage für Kamala Harris – aber auch ein Rückschlag für ihre Partei. Foto: Getty

Ihr frühes Ausscheiden ist eine bittere Niederlage für Kamala Harris – aber auch ein Rückschlag für ihre Partei. Foto: Getty

Alan Cassidy@A_Cassidy

Ein letzter Tanz durch das Büro, eine letzte Videobotschaft, dann war sie plötzlich vorbei, die Präsidentschaftskampagne von Kamala Harris. Die Senatorin aus Kalifornien und Einwanderertochter hatte einmal gute Chancen, die erste Frau im Weissen Haus zu werden, und die erste dunkelhäutige dazu. Doch nun musste sie ihren Wahlkampf abbrechen, bevor die erste Vorwahl der Demokraten überhaupt stattgefunden hat. Ihr ging das Geld aus. Das ist eine bittere Nieder­lage für Harris, die von einigen ­US-Medien schon seit Jahren als logische Nachfolgerin von Barack Obama hochgejubelt wird. Das ist aber auch ein Rückschlag für ihre Partei.

Die Demokraten bilden sich viel darauf ein, das andere, das moderne Gesicht Amerikas zu sein – die Partei der Schwarzen, der Frauen, der ­Einwanderer, der jungen Leute und der Minderheiten. Noch im Frühling feierte sich die Opposition für ihr historisch buntes Feld von Präsidentschaftsbewerbern. Doch mit dem Rückzug von Harris verlässt nun die einzige dunkelhäutige Kandidatin das Rennen, die zumindest noch eine halbwegs realistische Chance auf einen Sieg bei den Vorwahlen hatte. Bei der nächsten TV-Debatte der Demokraten werden wohl ausschliesslich weisse Bewerberinnen und ­Bewerber auf der Bühne stehen – und mehr Milliardäre als Minderheitenvertreter. Von den vier aussichtsreichsten Kandidaten sind drei weisse Männer, zwei von ihnen – Joe Biden und Bernie Sanders – sind schon bald 80 Jahre alt. Sehr divers ist das nicht mehr.

Dass Harris aufgeben musste, hat sie sich selbst zuzuschreiben. Sie führte keine besonders gute Kampagne. Ihr und den anderen dunkelhäutigen Kandidaten half zudem auch nicht, dass die Demokraten ihre ersten Vorwahlen jedes Mal in den ausgeprägt weissen Bundesstaaten Iowa und New Hampshire abhalten.

Trump hat nicht nur die Republikaner geprägt, sondern auch die Demokraten, die ihn so bekämpfen.

Doch der bisherige Wahlkampf der Demokraten zeigt eben auch, dass die demokratischen Wähler vor allem eines umtreibt: die Angst davor, dass ein Kandidat in der Hauptwahl gegen Donald Trump untergehen könnte. Dass er oder sie besonders in den Swing-States des Mittleren Westens als «nicht wählbar» gilt. «Electability» heisst der Begriff, den die amerikanischen Kommentatoren dafür verwenden. Es ist ein vages Konzept, denn eine Definition dafür, wer wann und für wen wählbar ist, gibt es nicht. Seit Trumps Sieg verstehen aber viele darunter die Vorstellung, dass nur ein weisser Kandidat gegen Trump ­bestehen kann – und am ehesten ein Mann. In diesem Sinn hat Trump nicht nur die Republikaner geprägt, sondern auch die Demokraten, die ihn so sehr bekämpfen.

Das ist mit ein Grund, warum der frühere Vizepräsident Biden die ­Meinungsumfragen noch immer anführt, obwohl er als Kandidat viele Schwächen hat. «Biden hat die beste Chance bei Trump-Wählern»: Der Satz fällt im Gespräch mit demokratischen Anhängern oft, auch von Afroamerikanern, bei denen Biden der mit Abstand beliebteste Kandidat ist – und bei denen Harris nie wirklich ankam.

Wer immer sich bei den Demokraten als Präsidentschaftskandidat durchsetzt, wird jedoch fast nicht darum herumkommen, zumindest einen schwarzen Vizepräsidenten oder eine schwarze Vizepräsidentin zu nomi­nieren. Damit käme die Partei doch noch zu einer Premiere. Und vielleicht heisst die Person, die dann auf dem Wahlzettel steht, ja sogar Kamala Harris.

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