Trump-Wähler gehen fremd

Schlappe für Donald Trump: Der Demokrat Conor Lamb gewinnt offenbar die Nachwahl in einem konservativen Kongressbezirk in Pennsylvania.

Der Demokrat Conor Lamb gewinnt anscheinend die Nachwahl in Pennsylvania. (Video:Tamedia/AP)

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Am Morgen des Dienstags war es Donald Trump, der die Schlagzeilen beherrschte: Er feuerte seinen Aussenminister Rex Tillerson, von nun an wird es mit CIA-Direktor Mike Pompeo in der Rolle des amerikanischen Topdiplomaten härter zugehen in der US-Aussenpolitik. Wo Tillerson zu bremsen versuchte, wird Pompeo ganz im Sinne Trumps Gas geben, vor allem gegenüber dem Iran.

In der Nacht zum Mittwoch aber musste Trump offenbar eine empfindliche Schlappe einstecken: Bei einer Nachwahl in einem Kongressdistrikt im westlichen Pennsylvania scheint der Demokrat Connor Lamb hauchdünn über den Republikaner Rick Saccone gesiegt zu haben. Nur wenige hundert Stimmen trennten die beiden Kontrahenten am Mittwochmorgen, anscheinend aber verlor Saccone – und dies in einem Bezirk nahe der Metropole Pittsburgh, den Trump bei der Präsidentschaftswahl 2016 mit 20 Prozent Vorsprung vor Hillary Clinton gewonnen hatte.

Schönzureden gibt es hier nichts für den Präsidenten: Trotz der blendenden US-Konjunktur verlor Trumps Kandidat offenbar ein Mandat in einem Bezirk, der bei Präsidentschafts- und Kongresswahlen seit Jahren verlässlich republikanisch gewählt hat. Traditionell siegten republikanische Bewerber derart unangefochten in diesem Distrikt, dass die Demokratische Partei den Sitz aufgegeben hatte und bei mehreren Kongresswahlen keinen Kandidaten aufstellte.

Mit demokratischen Orthodoxien gebrochen

Und anders als bei Wahlen, die Trump und seine Partei im Herbst 2017 in Virginia und in Alabama verloren, verhalfen diesmal nicht nur Millennials und Frauen aus Suburbia einem Demokraten zum Sieg: Es waren auch Trump-Wähler, darunter Gewerkschafter und Arbeitende ohne Hochschulabschluss, die zu Lamb überliefen.

Das gestrige Wahlergebnis hat indes nicht nur mit Trump und Saccone zu tun, sondern auch mit der ideologischen Beschaffenheit des demokratischen Kandidaten: Lamb ist ein junger Veteran und Staatsanwalt, der in einem konservativen Distrikt mit demokratischen Orthodoxien brach.

Er bezeichnete sich als Gegner der Abtreibungsfreiheit, sagte jedoch, er werde im Kongress nicht gegen die Abtreibungsfreiheit stimmen. Er sprach sich im Wahlkampf gegen Schusswaffenkontrolle aus, stellte sich hinter Trumps Strafzölle auf Stahl- und Aluminiumimporte – und kündigte an, im Falle eines demokratischen Wahlsieges bei den Kongresswahlen im November nicht für die Kalifornierin Nancy Pelosi als neue Sprecherin des Repräsentantenhauses zu votieren.

Conor Lamb schwamm im ideologischen Strom der Region – und siegte.

Pelosi ist die Fraktionsvorsitzende der Demokraten im Abgeordnetenhaus und seit längerem ein rotes Tuch für konservative Wähler. Lamb war mithin der geeignete Bewerber für seinen Bezirk, kaum aber wäre er Kandidat geworden, wenn er sich einer innerparteilichen Vorwahl hätte stellen müssen – zu konservativ wäre er gewesen.

Damit verkörpert Conor Lamb das Dilemma der Demokraten: Die Kandidaten der Partei sind in konservativen Regionen des Landes wie dem Süden oder den Rocky Mountains oft zu progressiv und liberal, um wirklich an Boden zu gewinnen. Lamb hingegen schwamm komfortabel im ideologischen Strom der Region – und siegte.

Für Donald Trump und die Republikaner ist das Wahlergebnis in Pennsylvania einmal mehr ein Warnzeichen: Kippt das Repräsentantenhaus im November, wird die demokratische Mehrheit dem Präsidenten erbarmungslos nachstellen. Das Wahlergebnis in Pennsylvania könnte überdies weitere republikanische Abgeordnete dazu bewegen, auf eine Wiederwahl im November zu verzichten. Bereits jetzt haben 38 Republikaner angekündigt, nicht mehr anzutreten.

Der Verlierer heisst Donald Trump

Dass Trump noch am Samstag Wahlkampf für den eher farblosen Rick Saccone machte, half dem republikanischen Kandidaten ebenso wenig wie seine Behauptung, viele von Lambs Anhängern hassten Gott und Amerika. Während der Präsident Saccone bei seinem Wahlkampfauftritt vor Ort pries, bezeichnete er ihn vor Vertrauten im Weissen Haus als «schwachen» Kandidaten.

Schwäche aber zeigte gestern Abend in Pennsylvania vor allem der Mann im Weissen Haus: So sehr er auch versuchen wird, die Verantwortung für Saccones Niederlage auf den Kandidaten abzuwälzen: Letzten Endes heisst der Verlierer Donald Trump. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 14.03.2018, 17:43 Uhr

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