Trumps Boulevardblatt wendet sich gegen ihn

Der «National Enquirer» war Trump stets zu Diensten. Jetzt nicht mehr – und vielleicht haben sie pikante Storys auf Lager.

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Martin Kilian@tagesanzeiger

In einem amerikanischen Supermarkt führt kein Weg daran vorbei: Im Zeitschriftenständer an jeder Kasse fällt der «National Enquirer», Gigant der US-Regenbogenpresse, der Kundschaft ins Auge, stets mit wirren Schlagzeilen, die vom angeblich bevorstehenden Tod berühmter Stars, von ihren Gewichtsproblemen und von Mord und Totschlag künden.

Zwar hat das erfinderische Blatt reichlich an Auflage verloren, noch immer aber lockt es laut dem Verlag Woche für Woche an über 200'000 Kassen rund 100 Millionen Amerikaner. Ein Bruchteil davon greift zu und sichert dem «Enquirer» das Überleben.

Als Impresario des wöchentlichen Promi-Aufgusses fungiert der New Yorker David Pecker, Boss der Medien-Holding AMI – und seit Jahrzehnten ein treuer Vasall Donald Trumps. Der sei «ein persönlicher Freund», vertraute Pecker 2017 dem Magazin «The New Yorker» an. Trump wiederum lobt, der «National Enquirer» habe für seine Enthüllungen längst den prestigeträchtigen Pulitzer-Preis verdient.

Immerhin lancierte das Blatt Storys, die den Karrieren von zwei amerikanischen Spitzenpolitikern den Todesstoss versetzten: 1987 publizierte der «Enquirer» ein Foto des demokratischen Präsidentschaftskandidaten Gary Hart mit seiner Mätresse, zwei Jahrzehnte später outete er John Edwards, auch er ein demokratischer Präsidentschaftsanwärter, als Vater eines ausserehelichen Kinds mit seiner Gespielin. Es half nicht, dass Edwards’ krebskranke Ehefrau im Sterben lag.

Die «Catch and Kill»-Politik

Trump wäre ein besonders reichhaltiges Reservoir an pikanten Geschichten gewesen, doch Pecker sorgte stets dafür, dass über seinen Freund nur Positives berichtet wurde. Und wenn es eine brisante Story über Trump abzuwürgen galt, waren Pecker und sein «Chief Content Officer» Dylan Howard stets zu Diensten: Sie kauften negative Storys über Trump auf – und liessen sie still und heimlich verschwinden. «Catch and Kill» wird dies im amerikanischen Regenbogen-Gewerbe genannt.

Weil Pecker, Howard und AMI jedoch in die Schweigegeldzahlungen an die vermeintlichen Trump-Freundinnen Karen McDougal und Stormy Daniels involviert waren, klopften im Zuge der Ermittlungen gegen Trumps Ex-Anwalt Michael Cohen die Staatsanwälte bei ihnen an. Und siehe da: Pecker geniesst seit vergangener Woche Immunität, er steckte der New Yorker Staatsanwaltschaft in Sachen Daniels und McDougal bereits einiges, mehr könnte folgen.

Denn der «Enquirer» saugte eifrig den Schmutz auf, der sich in Trumps Leben angesammelt hatte, um ihn danach zu entsorgen. So berichtete die Nachrichtenagentur AP vor wenigen Tagen, im Hauptquartier des Blatts im Florida habe sich ein Safe befunden, in dem die Kronjuwelen der Trump’schen Pikanterien aufbewahrt worden seien. Kurz nach Trumps Amtseinführung sei der Tresor indes geleert worden, niemand ausser Pecker und Howard wisse, wo sich die Papiere befänden oder ob sie vernichtet worden seien.

Weitere Leichen in Trumps Keller?

Unter anderem hatte AMI 2015 Dino Sajudin, einem Portier des Trump World Tower in New York, 30'000 Dollar Schweigegeld gezahlt, nachdem er behauptet hatte, Trump habe ein Kind mit einer Haushälterin gezeugt. Falls Sajudin darüber plappere, sei eine Million Dollar Strafe fällig, lautete die Abmachung.

Im US-Wahlkampf 2015 und 2016 liefen Pecker und seine Supermarkt-Schleuder zu grosser Form auf: Trump wurde Woche um Woche gerühmt und durfte im «National Enquirer» gar als Autor wirken, derweil seine Feinde mit grotesken Schlagzeilen und absurden Storys niedergemacht wurden.

Schon im republikanischen Vorwahlkampf wirkte das Blatt als Trumps medialer Rammbock. Ob der Ex-Chirurg und republikanische Präsidentschaftskandidat Ben Carson («Pfuscher-Chirurg Liess Schwamm Im Hirn Von Patient!») oder Trumps Konkurrent Ted Cruz («Vater Mit JFK-Ermordung Verbunden!»): Peckers Truppe dichtete ganz im Sinne Trumps.

Hillary Clinton war eine besonders beliebte Zielscheibe. Mal hatte die «Soziopathin» («Geheime Psycho-Akte Aufgedeckt!») nur noch Monate zu leben, mal war Bill Clinton in einen «Teenage-Sex-Ring» verwickelt. Überhaupt war Hillary «Korrupt! Rassistisch! Kriminell!», so das Cover des «Enquirer» am Vorabend der Präsidentschaftswahl 2016.

Nun hat die Liebelei mit Trump ein Ende. Insider berichten, besonders Dylan Howard könne den Präsidenten nicht mehr ausstehen, weshalb das eine oder andere aus Trumps schillerndem Leben jetzt an die Öffentlichkeit kommen könnte.

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