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Trump-Mitarbeiterin spottet über schwerkranken McCain

Eine Mitarbeiterin des präsidialen Kommunikationsstabs soll in einem Meeting auf den nahen Tod des Senators John McCain angespielt haben.

Der republikanische Haudegen John McCain liegt im Sterben. Eine Mitarbeiterin von US-Präsident Donald Trump hat deshalb einen üblen Scherz über den amerikanischen Kriegshelden gemacht
Der republikanische Haudegen John McCain liegt im Sterben. Eine Mitarbeiterin von US-Präsident Donald Trump hat deshalb einen üblen Scherz über den amerikanischen Kriegshelden gemacht
J. Scott Applewhite
«Es macht nichts, er stirbt sowieso», soll Kommunikationsmitarbeiterin Kelly Sadler in einer Sitzung über eine von John McCain angebrachte Kritik gesagt haben.
«Es macht nichts, er stirbt sowieso», soll Kommunikationsmitarbeiterin Kelly Sadler in einer Sitzung über eine von John McCain angebrachte Kritik gesagt haben.
AFP
Cindy McCain nahm für ihren Mann auch den Ewald-von-Kleist-Preis entgegen, ein Friedenspreis. Der ehemalige US-Vizepräsident Joe Biden überreichte diesen in Anwesenheit der bayrischen Wirtschaftsministerin Ilse Aigner. (17. Februar 2018)
Cindy McCain nahm für ihren Mann auch den Ewald-von-Kleist-Preis entgegen, ein Friedenspreis. Der ehemalige US-Vizepräsident Joe Biden überreichte diesen in Anwesenheit der bayrischen Wirtschaftsministerin Ilse Aigner. (17. Februar 2018)
Andreas Gebert, Keystone
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Die abfällige Bemerkung einer Mitarbeiterin des Weissen Hauses über den krebskranken Senator John McCain sorgt in Washington für Wirbel. Laut US-Medienberichten fiel der Kommentar in einer internen Sitzung, als es um den Widerstand des Senators aus Arizona gegen die designierte CIA-Chefin Gina Haspel ging. McCain lehnt die Nominierung der 61-Jährigen ab, weil sie an einem umstrittenen Programm zur Inhaftierung und Vernehmung von Terrorverdächtigen in versteckten US-Gefängnissen im Ausland beteiligt war. Kelly Sadler, die zum Kommunikationsstab des Präsidenten gehört, kommentierte McCains Kritik demnach mit den Worten: «Es macht nichts, er stirbt sowieso.»

Zwei Personen, die bei der Besprechung dabei waren, bestätigten der Nachrichtenagentur AP, dass das Zitat so gefallen sei. Die Washingtoner Zeitung The Hill hatte zuerst über die Bemerkung berichtet.

Ein anderer Mitarbeiter des Weissen Hauses sagte dem Sender CNN, Sadler habe einen Witz machen wollen, der aber misslungen sei. Eine offizielle Entschuldigung des Weissen Hauses für die Bemerkung gibt es bisher nicht. Trump-Sprecherin Sarah Sanders weigerte sich zu dem Vorfall Stellung zu nehmen. Bei einem Pressetermin sagte sie, die Fragen nach dem durchgestochenen Meeting seien darauf ausgerichtet, für Zwietracht unter Trumps Mitarbeitern zu sorgen.

In den USA wird nun die Absetzung oder der Rücktritt von Kelly Sadler gefordert. So schrieb beispielsweise Komikerin Chelsea Handler auf Twitter, wenn sie nicht gefeuert werde oder den Anstand habe, selber zurückzutreten, dann werde Sadler für immer für ihren grausamen Spruch in Erinnerung bleiben:

Sadler soll sich per Telefon entschuldigt haben

Die Regierungszentrale veröffentlichte eine knappe Erklärung, in der es lediglich hiess: «Wir achten Senator McCains Dienst für unsere Nation und beten in dieser schwierigen Zeit für ihn und seine Familie.» Sadler selbst rief laut Medienberichten McCains Tochter Meghan an, um sich zu entschuldigen.

McCains Ehefrau Cindy reagierte öffentlich auf die respektlose Bemerkung. Auf Twitter schrieb sie an Sadler gerichtet: «Darf ich Sie daran erinnern, dass mein Ehemann eine Familie hat, sieben Kinder und fünf Enkel.»

Auch McCains Tochter Meghan wandte sich in der ABC-Sendung The View direkt an Sadler: «Ich verstehe nicht, in was für einer Umgebung Sie arbeiten, in der so etwas akzeptabel ist und Sie den nächsten Tag zur Arbeit kommen können, und immer noch einen Job haben.»

Bei dem 81-jährigen Senator war im vergangenen Jahr ein Glioblastom diagnostiziert worden: ein aggressiver Krebs, der das Gehirn angreift. Im Dezember verliess er Washington, im April wurde er nach einer Infektion operiert. Ein Glioblastom gilt als nicht heilbar.

Es geht um die CIA-Verhörmethoden

Trotz seiner Krankheit verfolgt McCain die Politik in Washington und meldet sich auch immer wieder zu Themen um Geheimdienste und Militär zu Wort. Am Mittwoch sprach er sich gegen eine Bestätigung Haspels als CIA-Chefin aus. Er rief seine Kollegen dazu auf, die Wunschkandidatin des Präsidenten abzulehnen. Haspel braucht die Zustimmung des Senats, um die Leitung des Geheimdienstes zu übernehmen.

Er respektiere Haspel, aber ihre Einlassungen bei ihrer jüngsten Anhörung vor dem Senat hätten ihre Verwicklung in die brutalen CIA-Verhörmethoden nach den Terroranschlägen vom 11. September 2001 nicht zufriedenstellend erklärte, sagte McCain.

Zudem habe Haspel nicht überzeugend Rechenschaft über Fehler abgelegt, die die USA mit der Folter von Gefangenen begangen hätten. Methoden, die Amerika für die nationale Sicherheit anwende, müssten genauso rechtschaffen sein wie die Werte, die Amerikaner selbst lebten und in der Welt hochhalten wollten, mahnte der republikanische Präsidentschaftskandidat von 2008.

McCain will Trump nicht auf seiner Beerdigung

McCain war während des Vietnam-Kriegs in Gefangenschaft geraten und in der Haft gefoltert worden. Er gilt als ein erklärter Gegner brutaler Verhörmethoden. Er wird voraussichtlich nicht an der Abstimmung über die Personalie Haspel im Senat teilnehmen können. Die Republikaner haben dort 51, die Demokraten 49 Sitze.

Trump selbst hatte sich im Wahlkampf 2015 über McCains Kriegsgefangenschaft mokiert. «Ich mag Leute, die nicht gefangen wurden, okay.» Ein ehemaliger Luftwaffengeneral nahm dies in der Haspel-Diskussion wieder auf: Thomas McInerney bezeichnete McCain beim Fernsehsender Fox als «Singvogel John», der als Kriegsgefangener den Nordvietnamesen Informationen gegeben habe. Der Sender entschuldigte sich später indirekt für den Kommentar und kündigte an, McInerney nicht mehr auftreten lassen zu wollen.

McCain ist ein harter Kritiker Trumps, das Verhältnis der beiden gilt als zerrüttet. Vor einigen Tagen hat McCain klar gemacht, dass er nicht wolle, dass der Präsident an seiner Beerdigung teilnehme.

AP/AFP/jobr/dit/anf

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