«Selbstverständlich steht Grönland nicht zum Verkauf»

US-Medien zufolge will Donald Trump den Inselstaat übernehmen, um die Bodenschätze für die USA zu nutzen. Die Reaktionen folgen prompt.

Wenn schon nicht die «tollen Strände» von Nordkorea, dann vielleicht die grösste Insel der Welt? Donald Trump will seinen Einfluss ausdehnen. (Reuters/Hans Thurner)

Wenn schon nicht die «tollen Strände» von Nordkorea, dann vielleicht die grösste Insel der Welt? Donald Trump will seinen Einfluss ausdehnen. (Reuters/Hans Thurner)

Das angebliche Interesse von US-Präsident Donald Trump an einem Kauf Grönlands steiss auf der Arktisinsel und in Dänemark auf Verwunderung und Kritik. «Selbstverständlich steht Grönland nicht zum Verkauf», stellte die Regierung der politisch zu Dänemark gehörenden Insel klar.

«Wir haben eine gute Zusammenarbeit mit den USA, und wir betrachten dies als Ausdruck eines grösseren Interesses an Investitionen in unser Land und an den Möglichkeiten, die wir bieten», hiess es am Freitag in der kurzen Stellungnahme der Regierung um Sozialdemokrat Kim Kielsen weiter. Der ehemalige dänische Ministerpräsident Lars Løkke Rasmussen schrieb auf Twitter: «Das muss ein Aprilscherz sein.» Auch der ehemalige amerikanische Botschafter in Dänemark, Rufus Giffor, äusserte sich. Er kommentierte die Pläne auf Facebook als «komplette und totale Katastrophe».

Das «Wall Street Journal», die «Washington Post» und der Sender CNN hatten zuvor berichtet, Trump habe Berater angewiesen, die Möglichkeit zu prüfen, die zum dänischen Königreich gehörende autonome Arktisinsel zu erwerben. Wie seriös die Absichten seien, sei selbst für seine Mitarbeiter unklar.

Es sei etwa diskutiert worden, ob eine solche Offerte überhaupt legal sei, wie eine solche Operation vonstatten gehen könne und wo das Geld dafür herkommen solle. Fest stehe, dass Trump, der als Immobilienunternehmer reich wurde, Anfang September seinen ersten Dänemark-Besuch plane.

Es ist schön begehrt zu sein, aber...

Die Bürgermeisterin der grönländischen Grosskommune Sermersooq, Charlotte Ludvigsen, wies gegenüber dem «Tagesspiegel» aus Berlin einen Verkauf der Insel zurück. «Es ist ein sehr schönes Gefühl, begehrt zu werden, und ich würde auch gerne enger mit den Vereinigten Staaten zusammenarbeiten, aber Grönland ist nicht zu verkaufen», sagte die 32-jährige Kommunalpolitikerin.

Grönland ist reich an Bodenschätzen und hat für die USA eine geostrategische Lage. Foto: Hans Thurner

Angst vor Militarisierung

Die dänische Ministerpräsidentin Mette Frederiksen will bereits an diesem Sonntag und Montag nach Grönland reisen – für ein Treffen mit dem dortigen Premier Kielsen. Eine Reaktion auf Trumps angebliches Grönland-Interesse ist dies aber nicht. Frederiksens Trip war bereits angesetzt, bevor diese Schlagzeilen auftauchten.

Der aussenpolitische Sprecher der dänischen Sozialliberalen, Martin Lidegaard, schrieb auf Twitter, bei der Kaufidee handle es sich hoffentlich um einen Witz. Andernfalls sei dies «ein schrecklicher Gedanke mit dem Risiko einer Militarisierung Grönlands». Die grönländische Abgeordnete Aaja Chemnitz Larsen twitterte: «Nein danke zu Trumps Kaufplänen für Grönland!» Vielmehr müsse eine bessere und gleichberechtigte Partnerschaft mit Dänemark zu einem stärkeren und unabhängigeren Grönland führen. Das Weisse Haus äusserte sich zu den Berichten auf Anfrage nicht.

Strategisch wichtige Lage

Für Washington ist Grönland nach US-Berichten durch seine Nähe zu Russland, die chinesischen Interessen und die vermuteten Bodenschätze strategisch wichtig. Die USA betreiben in Thule einen Luftwaffenstützpunkt, der Teil ihres Raketenwarnsystems ist. 1951 hatten die Vereinigten Staaten und Dänemark ein Verteidigungsabkommen geschlossen. Im Zweiten Weltkrieg nutzten die USA die Insel für die Luftbrücke über den Atlantik.

Neu sei die US-Idee eines Grönland-Kaufs indes nicht, hiess es weiter: Nach dem Zweiten Weltkrieg habe der damalige Präsident Harry Truman 1946 Dänemark 100 Millionen Dollar für Grönland geboten. Einen anderen Vorstoss soll es bereits 1867 gegeben haben.

Grönland mit seinen rund 56'000 Einwohnern und 2'166'000 Quadratkilometern ist ständig von Eis bedeckt. Geografisch gesehen gehört die grösste Insel der Welt zu Nordamerika, politisch aber zu Dänemark. Seit 1979 geniesst sie weitgehende Autonomie innerhalb Dänemarks.

red/afp

Diese Inhalte sind für unsere Abonnenten. Sie haben noch keinen Zugang?

Erhalten Sie unlimitierten Zugriff auf alle Inhalte:

  • Exklusive Hintergrundreportagen
  • Regionale News und Berichte
  • Tolle Angebote für Kultur- und Freizeitangebote

Abonnieren Sie jetzt