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Trump prahlte mit sexueller Belästigung

In einem Video aus dem Jahr 2005 äussert sich Donald Trump vulgär über Frauen. Das könnte gemäss Politologen den US-Präsidentschaftskandidaten den Wahlsieg kosten.

Wenn sie wüsste, wie die beiden sich eben über Frauen geäussert haben: Trump und sein Gesprächspartner steigen nach ihrer verfänglichen Unterhaltung aus dem Bus. (Bild: Screenshot Youtube)
Wenn sie wüsste, wie die beiden sich eben über Frauen geäussert haben: Trump und sein Gesprächspartner steigen nach ihrer verfänglichen Unterhaltung aus dem Bus. (Bild: Screenshot Youtube)

Im US-Präsidentschaftswahlkampf hat ein elf Jahre altes Video mit vulgären und frauenfeindlichen Äusserungen des republikanischen Kandidaten Donald Trump für Empörung gesorgt. Nicht nur Demokraten, sondern auch Republikaner kritisieren Trumps Aussagen heftig.

Die «Washington Post» veröffentlichte am Freitag eine Aufnahme aus dem Jahr 2005, in welcher der Geschäftsmann einem Fernsehmoderator mit überdeutlichen Worten beschreibt, wie er versuchte, eine verheiratete Frau zu verführen.

Er fühle sich «automatisch» zu schönen Frauen hingezogen, sagte er im Video. «Ich fange einfach an, sie zu küssen ... ich warte nicht einmal ...» Er brüstet sich damit, wie er seine Bekanntheit ausnützt, um Frauen zu küssen und unsittlich zu berühren. «Und wenn du ein Star bist, dann lassen sie dich das auch tun. Du kannst alles machen ... Du kannst sie überall anfassen», sagte er in dem Video, das nach Angaben der Zeitung 2005 vor einem Auftritt Trumps in der Fernsehserie «Access Hollywood» entstanden ist.

Trump machte zudem heftige Bemerkungen über die Brustimplantate einer Frau, bei der er mit seinen Annäherungsversuchen gescheitert war. Das sind noch nicht die vulgärsten Aussagen von Trump, wie das Video zeigt.

Vulgär und abwertend: Das Gespräch, das Trump als blosses Umkleidekabine-Geplapper unter Männern abtut. (Video: Tamedia)

Der Republikaner selber sprach zunächst in einer schriftlichen Erklärung von Äusserungen, wie sie Männer in Umkleideräumen machten. «Das war ein Scherz in der Umkleidekabine, ein privates Gespräch, das vor vielen Jahren stattfand. Bill Clinton hat mir auf dem Golfplatz viel Schlimmeres erzählt (...). Ich entschuldige mich, falls jemand beleidigt war.»

Ein paar Stunden später meldete er sich zu Wort.«Ich habs gesagt, es war falsch, ich entschuldige mich dafür», sagte Trump. «Ich verspreche, morgen ein besserer Mann zu sein und dass ich Sie nie im Stich lassen werde. Ich habe törichte Dinge gesagt.» Er habe zwar nie behauptet, eine perfekte Person zu sein. Das Gesagte sei aber nicht typisch für ihn. Seine Wahlkampfzentrale veröffentlichte das Video in der Nacht zum Samstag.

Clinton reagierte sofort

Trumps demokratische Rivalin Hillary Clinton nannte Trumps Bemerkungen im Video «schrecklich». «Wir dürfen es nicht zulassen, dass dieser Mann Präsident wird», sagte Clinton. Politische Analysten erklärten in ersten Kommentaren, dass die Enthüllung Trump möglicherweise als Kandidaten erledigen werde.

Mit einem Video-Zusammenschnitt macht Clinton auf Twitter klar: «Die Frauen haben die Macht, Trump zu stoppen.»

Kritik auch von den Republikanern

Paul Ryan, als Sprecher des Repräsentantenhauses der ranghöchste gewählte Politiker seiner Partei, sagte, ihm sei übel von den Bemerkungen. Trump werde einen geplanten gemeinsamen Wahlkampftermin mit ihm nicht wahrnehmen. Reince Priebus, der Vorsitzende des Parteigremiums Republican National Committee und damit Parteichef der Republikaner, sagte, über keine Frau sollte jemals mit solchen Worten gesprochen werden. Priebus kritisierte aber auch die demokratische Kandidatin, nachdem die Enthüllungsplattform Wikileaks angebliche Auszüge aus bezahlten Reden Clintons für Unternehmen veröffentlicht hatte.

Den Texten zufolge spricht sie an einer Stelle von der Notwendigkeit, zu Themen eine öffentliche und eine private Position zu haben. Ein Sprecher des Clinton-Lagers wollte nicht sagen, ob die Dokumente echt sind. In der Vergangenheit habe es bei solchen Veröffentlichungen auch Fälschungen gegeben, sagte er.

Trump lässt Rücktrittsforderungen abprallen. Der Zeitung «Washington Post» sagte er, er werde nicht zurückziehen. «Ich habe noch nie in meinem Leben zurückgezogen», betonte er. Dem «Wall Street Journal» sagte er:«Null Chance, dass ich gehe.»

Obama hat schon gewählt

Eine bestimmte Stimme hatte Donald Trump bereits vor dem Video nicht: die von US-Präsident Barack Obama. Gut einen Monat vor der Präsidentschaftswahl in den USA hat der scheidende Amtsinhaber bereits seine Stimme abgegeben: Barack Obama tauchte am Freitag unangekündigt in einem Wahllokal in seiner Heimatstadt Chicago auf.

Der Bundesstaat Illinois ist einer von fast 40, die eine Stimmabgabe vor dem eigentlichen Wahltermin am 8. November erlauben. Von diesem «early voting» machte 2012 fast ein Drittel der US-Wähler Gebrauch. Obama unterstützt im Wahlkampf seine ehemalige Aussenministerin und Parteifreundin Hillary Clinton. Auf die Frage, wen er gewählt habe, antwortete er aber mit einem verschwiegenen Lächeln.

SDA/foa

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