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Fordert Trump zu Gewalt gegen Clinton auf?

Donald Trump philosophiert in einer Rede, wie Waffenfreunde Hillary Clinton stoppen könnten. Hat er damit zum Gebrauch von Schusswaffen gegen seine Widersacherin ermuntert?

Die Demokraten sind entsetzt: Donald Trump bei seiner Rede in Wilmington. (9. August 2016).
Die Demokraten sind entsetzt: Donald Trump bei seiner Rede in Wilmington. (9. August 2016).
Evan Vucci, Keystone

US-Präsidentschaftskandidat Donald Trump hat mit zweideutigen Aussagen einen erneuten Sturm der Entrüstung ausgelöst. Verfechter des Zweiten Verfassungszusatzes, in dem das Recht auf Waffenbesitz in den USA verankert ist, könnten einen Weg finden, um seine Rivalin Hillary Clinton im Falle einer Wahl zur US-Präsidentin beim Kippen der Waffengesetze zu stoppen, sagte Trump am Dienstag in einer Rede in North Carolina. Die Demokraten warfen ihm umgehend vor, zu Waffengewalt gegen Clinton aufgerufen zu haben.

Auf einer Wahlkampfveranstaltung in Wilmington sagte Trump, Clinton wolle «den Zweiten Verfassungszusatz im Grunde abschaffen». In Bezug auf die Nominierung von Richtern am Obersten Gerichtshof der USA fügte er hinzu: «Falls sie (Clinton) es übrigens schafft, ihre Richter auszuwählen, kann man nichts dagegen machen, Leute. Obwohl, es gibt die Leute des Zweiten Verfassungszusatzes, vielleicht ist es das. Ich weiss nicht.» Anschliessend ergänzte er:«Aber ich sage euch etwas. Das wird ein furchtbarer Tag sein.»

Aufruf an Waffenbesitzer: In einer Rede fordert Donald Trump die Ermordung von Hillary Clinton. Video: TA/AFP

Clinton-Anhänger verurteilen die Aussagen

Näher führte Trump diese Aussagen nicht aus. Innerhalb von Minuten verurteilten Clintons Wahlkampfteam und andere die Anmerkungen als einen Versuch, zu Gewalt anzustiften.

«Es ist einfach: Was Trump sagt, ist gefährlich», sagte Clintons Wahlkampfmanager Robby Mook. «Eine Person, die Präsident der Vereinigten Staaten werden will, sollte in keiner Weise zu Gewalt anregen.»

Die Clinton zugewandte Gruppe Priorities USA erklärte in einer E-Mail: «Donald Trump hat gerade vorgeschlagen, dass jemand Hillary Clinton erschiesst.» Die liberale Demokratin und vehemente Trump-Kritikerin Elizabeth Warren schrieb auf Twitter, Trump spreche «Todesdrohungen» aus, «weil er ein pathetischer Feigling ist, der es nicht ertragen kann, gegen ein Mädchen zu verlieren».

Vize nimmt Trump in Schutz

Das Trump-Lager war schnell darin, die Interpretation der Aussagen anzufechten. In einer Erklärung wurden die «unehrlichen Medien» für ihre Missinterpretationen kritisiert. Trump habe lediglich um den «fantastischen Geist» der Verfechter des Zusatzartikels geworben, sagte Trumps Kommunikationsberater Jason Miller. So viele von ihnen wie noch nie würden dieses Jahr wählen gehen – und zwar nicht für Clinton, sondern für Trump, sagte Miller.

Auch der republikanische Vizepräsidentschaftskandidat Mike Pence nahm Trump in Schutz. Die Unterstützer des Rechts auf den Besitz von Waffen hätten am 8. November eine klare Wahl. Trump habe «natürlich nicht» zu Waffengewalt gegen Clinton ermuntert, sagte Pence nach einer Ansprache am Dienstag in Pennsylvania einem Ableger von NBC Philadelphia.

Donald Trump hat sich nach seinen zweideutig interpretierbaren Aussagen an Waffenbesitzer zum Verhindern einer Wahl von Hillary Clinton gerechtfertigt. Er habe auf die Macht der Waffenrechtsbewegung Bezug genommen, als er gesagt habe, Verfechter des Zweiten Verfassungszusatzes könnten Schritte ergreifen, um seine Widersacherin zu stoppen, erklärte Trump in einem Interview des Senders Fox News. Es gebe «keine andere Auslegung».

Secret Service äussert sich

Die mächtige US-Waffenlobby NRA, die sich hinter Trump gestellt hat, stärkte ihm auch diesmal den Rücken. Trump habe recht, schrieb die Organisation auf Twitter. Sollte Clinton ihre gewünschten Richter auswählen können, könne man nichts dagegen tun. Aber es gebe etwas, das man am Wahltag tun könne: für Trump stimmen und somit den Zweiten Verfassungszusatz verteidigen.

Selbst der Secret Service äusserte sich zu der Kontroverse. «Wir sind uns seiner Kommentare bewusst», sagte Sprecherin Catherine Milhoan. Der oberste Sicherheitsdienst der USA ist sowohl für den Schutz von Trump als auch für den von Clinton zuständig.

Im Zweiten Zusatzartikel der US-Verfassung ist das Recht von US-Bürgern festgelegt, Schusswaffen besitzen zu dürfen. Clinton unterstützt einige neue Beschränkungen des Waffenbesitzes. Abschaffen will sie den Verfassungszusatz aber nicht.

Dieser Prognose-Monitor wird laufend weiterentwickelt. Feedback willkommen: marc.brupbacher@tages-anzeiger.ch

AP/sep/chk

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