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Trump duckt sich in der Missbrauchsaffäre

Donald Trump rühmt sich seiner Meinungsstärke. Zu den Vorwürfen gegen den republikanischen Senatskandidaten Roy Moore vermeidet er klare Aussagen.

Eine weitere Frau wirft Roy Moore sexuellen Missbrauch vor. (Video: Tamedia/AFP)

Donald Trump liebt Kontroversen. Und so wurde mit Spannung erwartet, wie sich der US-Präsident im Fall des umstrittenen republikanischen Senatskandidaten Roy Moore positioniert. Führende Konservative, darunter Mitch McConnell und Paul Ryan, hatten den mit Missbrauchsvorwürfen konfrontierten Moore aufgefordert, seine Kandidatur für den Senatssitz in Alabama zurückzuziehen.

Der Präsident schloss sich dieser Forderung nicht an. Seine Sprecherin Sarah Huckabee Sanders sagte, Trump sei der Meinung, die Menschen in Alabama müssten entscheiden, wer sie im Senat vertreten solle. Trump halte die Anschuldigungen gegen Moore für «beunruhigend». Er sei der Meinung, dass er auf seine Kandidatur verzichten müsse, sollten sie stimmen. Der US-Präsident hatte zuvor seine Unterstützung für Moore erklärt, nachdem der von ihm favorisierte Bewerber in der parteiinternen Vorwahl gegen den 70-Jährigen verlor. Ob Trump mittlerweile noch für Moore sei, sagte Huckabee Sanders nicht.

Vorwürfe von mittlerweile neun Frauen

Der Wirbel um den 70-jährigen Moore stürzt viele Republikaner in ein Dilemma. Da sie im Senat nur einen knappen Vorsprung auf die Demokraten haben, wäre eine Niederlage bei den Wahlen am 12. Dezember in Alabama ein Rückschlag. Ein Scheitern schien lange keine Option zu sein: Moore steuerte im konservativen Bundesstaat einem sicheren Sieg entgegen, ehe die «Washington Post» publik machte, Moore habe 1979 im Alter von 32 Jahren sexuellen Kontakt mit einem 14-jährigen Mädchen gehabt und drei weiteren weiblichen Teenagern nachgestellt. Diese Woche haben fünf weitere Frauen Vorwürfe erhoben – und Moores demokratischer Konkurrent Doug Jones hat mittlerweile viel Boden gutgemacht.

Video – Missbrauchsvorwürfe gegen Moore

Das sagen Bürger zum Missbrauchsskandal um Roy Moore. (Video: Tamedia/AP)

Moore ist der direkten Konfrontation mit Jones in Diskussionsrunden bislang aus dem Weg gegangen. Seine Begründung: Jones habe «zu liberale Ansichten in der Transgenderpolitik im Allgemeinen sowie betreffend Transgender-Menschen beim Militär und deren Toilettenbenutzung».

Aus dem Vorsprung ist ein Rückstand geworden

Der selbsternannte Moralapostel Moore geht dem republikanischen Establishment mit seinen christlich-fundamentalistischen Positionen zu weit. Der frühere Kickboxer und Cowboy ist gegen Muslime und Homosexuelle, tritt für uneingeschränkte Waffenrechte ein und spricht sich dafür aus, «Gottes Gesetz» über die Verfassung zu stellen. Auf Wahlkundgebungen hält er gerne seinen geladenen Revolver in die Luft. Zweimal wurde Moore ins Oberste Gericht Alabamas gewählt – und zweimal entlassen: Erst weigerte er sich, eine steinerne Tafel mit den zehn Geboten vor dem Gerichtsgebäude zu entfernen, dann setzte er sich über ein Urteil des höchsten US-Gerichts hinweg: Er untersagte Homosexuellen nach der landesweiten Legalisierung der Ehe für alle das Heiraten. Denn Homosexualität, so Moore, sei gemeinsam mit Abtreibungen eines der grössten Übel überhaupt.

Die gegen ihn erhobenen Vorwürfe sind für den 70-Jährigen «Fake-News». Er stellt sich als Opfer des Washingtoner Politsumpfs dar.

Video: Roy Moore verteidigt sich

«Ich habe keinem Minderjährigen Alkohol gegeben.» (Video: Tamedia/Reuters)

Moore erhält zwar kein Geld mehr aus den Spendentöpfen der republikanischen Bundespartei, die Republikaner in Alabama stehen aber weiter zu ihm. David Mowery, ein Wahlkampfstratege, der 2012 erfolglos einen demokratischen Kandidaten im konservativen Alabama beraten hat, meint, dass die Anschuldigungen gegen Moore nicht unbedingt einen politischen Todesstoss bedeuteten. Gegenüber der AP sagte er: «Es gibt ein altes Sprichwort, nach dem einige Kandidaten nur dann verlieren können, wenn sie mit einem toten Mädchen oder einem lebenden Jungen erwischt werden.»

Die neueste Meinungsumfrage des konservativen TV-Senders Fox News zeigt ein anderes Bild: Demnach würden 50 Prozent der Stimmen auf Jones entfallen und 42 Prozent auf Moore. Von den befragten Frauen wollten lediglich 32 Prozent ihre Stimme dem ultrarechten Eiferer geben. Das «Wall Street Journal» schrieb in einem Meinungsbeitrag unter dem Titel «The Roy Moore Mess», für die Grand Old Party sei es besser, den Sitz in Alabama zu verlieren, als ihn mit diesem Kandidaten zu gewinnen.

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