Trump fühlt sich im Fall Warmbier «missverstanden»

Der US-Präsident verteidigt Kim Jong-un und provoziert empörte Reaktionen – nun reagiert er auf die scharfe Kritik.

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Nach seinen Äusserungen im Fall des nach seiner Inhaftierung in Nordkorea gestorbenen US-Studenten Otto Warmbier hat US-Präsident Donald Trump auf die scharfe Kritik reagiert. Er sei «missverstanden» worden, schrieb Trump am Freitag im Kurzbotschaftendienst Twitter. Selbstverständlich mache er Nordkorea für den Tod des 22-Jährigen verantwortlich. Machthaber Kim Jong Un erwähnte er aber nicht.

Trump hatte sich im Fall Warmbier hinter Machthaber Kim Jong-un gestellt – und damit empörte Reaktionen in den USA ausgelöst. Trump sagte am Donnerstag nach Ende des Gipfeltreffens in Hanoi, er habe mit Kim über den mutmasslich schwer gefolterten Studenten gesprochen. Kim «sagt mir, dass er nichts darüber wusste, und ich nehme ihn beim Wort». Kim habe den Fall zwar «sehr gut gekannt, aber erst später davon erfahren», sagte Trump weiter. In nordkoreanischer Haft seien «einige sehr schlimme Dinge» mit Warmbier passiert.

Mit seinem Tweet am Freitag versuchte Trump nun offenbar die Wogen zu glätten. «Natürlich mache ich Nordkorea verantwortlich für Ottos Misshandlung und seinen Tod», schrieb er, ohne dabei auf die Rolle Kims einzugehen. Warmbier sei aber «nicht umsonst» gestorben, erklärte Trump. «Otto und seine Familie sind ein unglaubliches Symbol für starke Leidenschaft und Stärke geworden, das für viele Jahre bleiben wird.»

Schwere Nahrungsmittelvergiftung

Der Student war während einer Nordkorea-Reise Anfang 2016 wegen des angeblichen Diebstahls eines Propaganda-Posters zu 15 Jahren Arbeitslager verurteilt worden. Er fiel unter ungeklärten Umständen ins Koma und wurde schliesslich freigelassen. Im Juni 2017 starb er wenige Tage nach seinem Rücktransport in die USA.

Ein US-Gericht kam im vergangenen Dezember zu dem Schluss, dass der 22-Jährige in Nordkorea gefoltert wurde. Pyongyang hat jegliche Misshandlung Warmbiers bestritten und erklärt, der Student habe sich eine schwere Nahrungsmittelvergiftung zugezogen.

Bis zum Beginn der Gespräche über eine Denuklearisierung Nordkoreas hatte Trump die Führung in Pyongyang in dem Fall scharf angegriffen. Noch in seiner Rede zur Lage der Nation im Januar 2018 wertete der US-Präsident den Tod des Studenten als Beleg für die «Bedrohung unserer ganzen Welt», die von Pyongyang ausgehe.

Pelosi: Mit Trump «stimmt etwas nicht»

Dass er nun Kims Angaben Glauben zu schenken scheint, sorgte in den USA parteiübergreifend für empörte Reaktionen. Mit Trump «stimmt etwas nicht», wenn er eher «Gangstern» wie Kim oder Russlands Staatschef Wladimir Putin glaubt, als den US-Geheimdiensten, sagte die demokratische Vorsitzende des Repräsentantenhauses, Nancy Pelosi.

«Natürlich wusste Kim davon», schrieb der einflussreiche demokratische Senator Mark Warner im Kurzbotschaftendienst Twitter. «Anscheinend ist der Präsident der Vereinigten Staaten der Einzige, der diese offensichtliche Lüge glaubt.»

Der demokratische Abgeordnete Adam Schiff bezeichnete Trumps Äusserungen als «abscheulich». Der demokratische Senator Chris Van Hollen warnte, die USA dürften «Kim Jong Un nicht einen Blankoscheck dafür ausstellen, einen der unseren zu foltern und zu ermorden». Der demokratische Senator Tim Kaine warf Trump vor, sich an die Seite von «Diktatoren» anstelle von US-Bürgern zu stellen.

Auch der Minderheitsführer von Trumps Republikanern im Repräsentantenhaus, Kevin McCarthy, kritisierte den US-Präsidenten. «Ich sehe Nordkoreas Führer nicht als jemanden an, der ein Freund ist. Wir alle wissen, was mit Otto passiert ist, wir wissen, was dieses Land getan hat.» Die ehemalige US-Botschafterin bei den Vereinten Nationen, Nikki Haley, sprach von «Grausamkeit» der nordkoreanischen Regierung gegen Warmbier.

Am Freitag äusserte sich auch Warmbiers Familie mit einem Statement: «Wir haben uns aus Respekt vor dem Gipfeltreffen zurückgehalten, nun müssen wir aber unsere Meinung sagen. Kim und sein bösartiges Regime sind verantwortlich für den Tod unseres Sohns Otto. Kim und sein bösartiges Regime sind verantwortlich für unvorstellbare Grausamkeit und Unmenschlichkeit. Keine Entschuldigung oder überschwängliches Lob kann das ändern.

«Weiter produktive Gespräche»

Das Gipfeltreffen von Trump und Kim in der vietnamesischen Hauptstadt Hanoi war am Donnerstag ohne Ergebnis abgebrochen worden. Offenbar gab es keine Einigung bei der Frage der Sanktionen gegen Nordkorea und der atomaren Abrüstung, auch wenn beide Seiten widersprüchliche Angaben machten.

Die staatliche nordkoreanische Nachrichtenagentur KCNA schrieb am Freitag, Trump und Kim hätten vereinbart, «weiter produktive Gespräche zu führen, um über die Denuklearisierung der koreanischen Halbinsel und die Verbesserung der Beziehungen zwischen den USA und Nordkorea zu diskutieren».

sep/scl/sda/afp

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