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Tech-Milliardär und wortgewaltiger Querdenker

Marc Benioff und seine Frau Lynne kaufen das berühmte US-Magazin «Time». Wer ist der schillernde Silicon-Valley-Manager?

«Schatzkiste unserer Geschichte und Kultur»: Marc Benioff und seine Frau Lynne, die neuen «Time»-Eigentümer. Bild: Getty Images
«Schatzkiste unserer Geschichte und Kultur»: Marc Benioff und seine Frau Lynne, die neuen «Time»-Eigentümer. Bild: Getty Images

US-Milliardäre finden zunehmend Gefallen an grossen Medienmarken. Amazon-Chef Jeff Bezos kaufte die «Washington Post». Weniger bekannte Milliardäre erwarben den «Boston Globe» und die «Los Angeles Times». Und jetzt übernimmt Salesforce-Chef Marc Benioff das «Time»-Magazin. Zusammen mit seiner Frau Lynne bezahlt er 190 Millionen Dollar für diese «Schatzkiste unserer Geschichte und Kultur», wie Benioff in einem Tweet die berühmte Zeitschrift bezeichnet. Die neuen Eigentümer geloben, sich nicht in geschäftliche oder redaktionelle Angelegenheiten des Magazins einzumischen. Vielmehr sehen sie sich als «Verwalter eines der wichtigsten Medienunternehmen und ikonischen Marken der Welt.» «Time»-Verleger Edward Felsenthal zeigt sich zufrieden.

Der 53-jährige Benioff gilt als einer der wichtigsten Manager im Silicon Valley. Er ist Gründer und CEO von Salesforce, eines stark wachsenden Unternehmens, das auf Firmensoftware aus der Internet-Cloud spezialisiert ist. Salesforce stellt Programme für das Kundenmanagement her, in diesem Geschäftsfeld ist es weltweit führend. Mittelfristig will Salesforce die Umsatzmarke von 20 Milliarden Dollar knacken. Sein Erfolgsgeheimnis hat Benioff in einem Buch («Behind the Cloud») veröffentlicht.

Das Vermögen des Tech-Pioniers aus San Francisco wird auf rund 6,5 Milliarden Dollar geschätzt. Der Legende nach hatte Benioff das Programmieren in frühen Jahren gelernt. Schon als Schüler soll er Computerspiele entwickelt und verkauft haben. Mit 15 Jahren hatte er seine erste Firma, mit 25 Jahren war er schon Millionär. Nach dem BWL-Studium arbeitete er zunächst als Programmierer bei Apple. Dann wechselte Benioff zum Software-Riesen Oracle. Mehr als ein Jahrzehnt lang war Oracle-Chef Larry Ellison sein Mentor. Benioff machte Karriere und stieg zum jüngsten Vizepräsidenten der Oracle-Geschichte auf. 35-jährig gründete er 1999 Salesforce.

Philantropisches Engagement

Benioff ist nicht nur ein smarter Unternehmer, sondern auch ein wortgewaltiger Querdenker, der sich regelmässig in öffentliche Debatten einmischt. Für Aufsehen sorgte er zum Beispiel mit pointierten Aussagen zum Datenschutzskandal bei Facebook. Soziale Netzwerke seien wie Zigaretten. «Sie machen süchtig, und sie tun einem nicht gut», sagte Benioff am Rande des WEF 2018 in Davos. Deshalb müsse es bei sozialen Netzwerken auch Regulierungen geben wie in der Tabakindustrie.

Noch stärker als andere Topmanager im Silicon Valley grenzt sich Benioff von US-Präsident Donald Trump ab. Benioff engagiert sich zum Beispiel für die Rechte von Homosexuellen und Transsexuellen. In seinem Unternehmen gab er mehrere Millionen Dollar aus, um die Lohnunterschiede zwischen Frauen und Männern auszugleichen. Als Unternehmer steht Benioff für einen Multi-Stakeholder-Ansatz ein: Unternehmen sollen nicht nur Gewinne machen und die Interessen der Aktionäre berücksichtigen, sondern auch der Gesellschaft etwas zurückgeben.

Gemäss Benioffs 1-1-1-Modell spendet Salesforce 1 Prozent der Produkte, 1 Prozent des Gewinns und 1 Prozent der Mitarbeiterzeit an gemeinnützige Vereine, Organisationen und Institutionen. Vor allem als Privatperson hat sich Benioff einen Namen als Philantrop gemacht. So hat er für zwei Kinderspitäler in San Francisco und Oakland je 100 Millionen Dollar gespendet. Beide Einrichtungen tragen inzwischen den Namen Benioff Children’s Hospital. Der Tech-Milliärdär tut Gutes, und er macht es bekannt.

Freude an Selbstinszenierung und Superlative

Und er mag die Selbstinszenierung. Alljährlich veranstaltet Benioff das Dreamforce-Festival in San Francisco. Das ist das grösste Technologiefest der Welt, das nur von einem Unternehmen organisiert wird. Bei diesem Anlass, der zuletzt über 170'000 Menschen anlockte, lässt Hawaii-Fan Benioff Tänzer und Sänger aus Honolulu einfliegen. Gelegentlich legt er pathetische Auftritte hin. «Ich bin hier, um euch zu inspirieren, euch zu motivieren – und um euch zu lieben», sagte Benioff einmal.

Seine Liebe gilt aber auch der Superlative. Für sein Unternehmen hat Benioff einen 1,1 Milliarden Dollar teuren Wolkenkratzer bauen lassen – mitten in San Francisco. Der Salesforce Tower ist das teuerste und höchste Gebäude der Stadt. Auch ein Philantrop wie Benioff hat das Bedürfnis, sich selbst ein Denkmal zu setzen.

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