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Stichwahl trotz klarem Sieger in Kolumbien

Die erste Runde der Präsidentenwahl gewann Ex-Verteidigungsminister Juan Manuel Santos überraschend klar vor Bogotás früherem Bürgermeister Antanas Mockus.

Holte 46,6 Prozent der Stimmen: Ex-Verteidigungsminister Juan Manuel Santos.
Holte 46,6 Prozent der Stimmen: Ex-Verteidigungsminister Juan Manuel Santos.
Reuters

In Kolumbien kommt es am 20. Juni zu einer Stichwahl um das Präsidentenamt. Dabei werden sich in Charakter und Politikstil zwei grundverschiedene Politiker gegenüberstehen: Bogotás früherer Bürgermeister Antanas Mockus und Ex-Verteidigungsminister Juan Manuel Santos.

Santos hat dabei die Favoritenrolle inne: Er errang beim ersten Wahlgang vom Sonntag mit 46,6 Prozent einen deutlichen Vorsprung auf Mockus mit 21,5 Prozent. Die Angaben der Wahlkommission beruhten auf Auszählung von 99,71 Prozent der Stimmen.

Insgesamt hatten sich neun Kandidaten den knapp 30 Millionen Wahlberechtigten zur Wahl gestellt. Auf Platz drei landete Germán Vargas Lleras von der rechtsgerichteten Bewegung Cambio Radical. Der Ausgang der ersten Runde war eine Überraschung, da Umfragen ein Kopf-an-Kopf-Rennen vorhergesagt hatten. Beiden Kandidaten war ein Wähleranteil von je etwa 34 Prozent prognostiziert worden.

Uribes Erbe

Beobachter in Bogotá wiesen darauf hin, dass der 58-jährige Regierungskandidat Santos stärker als erwartet davon profitiert habe, als «Erbe» des Amtsinhabers Alvaro Uribe ins Rennen gegangen zu sein. Uribe, der seit 2002 regiert und 2006 wiedergewählt worden war, ist bei fast 80 Prozent aller Kolumbianer beliebt.

«Ich danke Alvaro Uribe, dem besten Präsidenten, den Kolumbien je gehabt hat», sagte Santos vor Anhängern. Er rief die Wähler der konservativen und liberalen Kandidaten auf, für ihn zu stimmen.

Santos war erst Kandidat der Regierungspartei geworden, nachdem im Februar das Verfassungsgericht das Vorhaben Uribes gestoppt hatte, die Verfassung zu ändern und so erneut bei Präsidentenwahlen antreten zu können.

Mockus gibt sich kämpferisch

Mockus wiederum gab sich am Sonntag trotz seines Abschneidens in der ersten Runde optimistisch. «Wenn wir innovativ genug sind, können wir die Wahl gewinnen», sagte er in Bogotá.

Noch im März waren dem früheren Bürgermeister und früheren Rektor der kolumbianischen Nationaluniverität nur zehn Prozent zugetraut worden. Der 58-jährige hatte vor der ersten Wahlrunde Allianzen mit anderen Parteien ausgeschlossen. Am Sonntag äusserte er sich nicht zu diesem Thema.

Uribes Politik wird fortgesetzt

Als Uribes grösster Verdienst wird ihm die Bekämpfung der linken Rebellen, vor allem der marxistischen Gruppe «Revolutionäre Streitkräfte Kolumbiens» (FARC), angerechnet. Santos hatte die Fortsetzung dieser Politik versprochen.

Auch Mockus will die FARC bekämpfen, betont jedoch, dies müsse im Rahmen der Gesetze geschehen. In der Wirtschafts- und Sozialpolitik gibt es keine grossen Unterschiede zwischen dem neoliberalen Santos und Mockus.

Mathematiker und Philosoph Mockus, Sohn litauischer Einwanderer, hat die meisten Anhänger unter der wohlhabenden Bevölkerung Bogotás. Während seiner Amtszeit als Bürgermeister in den 1990er Jahren hatte er die Finanzen in den Griff bekommen. Zugleich festigte er sein Image - mal mit einem Auftritt als Superman, mal mit einem Ritt auf einem Elefanten.

Santos geniesst die Unterstützung der Armen und der Landbevölkerung. Er wäre nicht der erste Präsident seiner Familie: Der Politiker ist ein Grossneffe von Eduardo Santos, der von 1938 bis 1942 Präsident war.

Der Ökonom war unter anderem Wirtschafts- und Finanzminister. Zwischen 2006 und 2009 war er Verteidigungsminister. In dieser Zeit konnte die Armee den Rebellen grosse Verluste beibringen.

Allerdings riskierte Santos auch einen Konflikt mit Ecuador und Venezuela, als er 2008 ein FARC-Lager in Ecuador bombardieren liess. Für Schlagzeilen sorgte auch die Ermordung junger Männer aus armen Verhältnissen durch das Militär, die dann als getötete Rebellen präsentiert wurden.

SDA/cpm

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