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Spenderherzen schlagen höher

Sie sind reich und sammelten Millionen für den Kandidaten Obama. Jetzt werden sie belohnt: Mit besten Galaplätzen, einem Besuch im Weissen Haus oder gar einem Botschafterposten.

Wird die «Vogue»-Chefin zur US-Botschafterin? Anna Wintour an der London Fashion Week 2012.
Wird die «Vogue»-Chefin zur US-Botschafterin? Anna Wintour an der London Fashion Week 2012.
Carl Court, AFP

Heute mag der grosse Tag des Barack Obama in Washington sein, mit einer Parade und Festen und eben allem, was die Amtseinführung eines amerikanischen Präsidenten als gesellschaftliches Grossereignis markiert. Für die finanziellen Strippenzieher des Präsidenten, die über eine Milliarde Dollar spendeten, um den Demokraten wieder ins Weisse Haus zu befördern, ist der Tag der Amtseinführung aber der Moment, an dem die Rechnungen präsentiert werden: Wer Hunderttausende an das Obama-Wahlkampfteam überwies oder gar Millionen für Kandidat Obama sammelte, möchte dafür belohnt werden. Zumal selbst die Kosten für die Amtseinführung in Höhe von 50 Millionen Dollar grösstenteils von privaten Spendern und diversen Konzernen wie Microsoft und AT&T beglichen werden.

Belohnt werden die Geldgeber des Präsidenten beispielsweise mit Sitzplätzen nahe dem Podium bei der öffentlichen Einschwörung Obamas, derweil mindere Gäste sowie die Plebejer stehend und weit ab vom Schuss das Ereignis verfolgen müssen. Ihre Bedeutung zeigten Obamas Geldgeber bereits mit ihren Transportmitteln an: Nicht mit Mercedes, Bentley oder Maserati reisten sie an, sondern mit Learjet, Gulfstream, Falcon und Citation X – mehr als 600 Privatjets landeten auf dem Flughafen Dulles International nahe Washington in den vergangenen drei Tagen, ja so viele flogen ein, dass eine der Landebahnen für die Edelflieger reserviert wurde.

Mit Lady Gaga im Weissen Haus

Schon seit Samstag tummeln sich Hollywood-Grössen und Industriekapitäne, Hedgefonds-Milliardäre und Millionenerben auf Partys und versuchten hinter den Kulissen, Tickets für die besten Events – etwa einen Auftritt Lady Gagas im Weissen Haus – zu ergattern. Besonders Spendierwilligen winkten Begegnungen mit Obama in kleinem Kreis oder eine Einladung zu einer Party bei Vizepräsident Joe Biden. Für den Teenage-Nachwuchs der Superreichen gab es Eintrittskarten für Katy Perry und Alicia Keys, Stevie Wonder, Usher und Beyoncé – kleine Gefälligkeiten für Moms und Dads finanziellen Einsatz.

Im Kreis der Obama-Mitarbeiter werden unterdessen die Belohnungen für Top-Spender diskutiert: rund 55 Botschafterposten in aller Welt. Vergeben werden selbstverständlich nicht diplomatische Herausforderungen wie Kabul, Bagdad oder Bamako. Verteilt werden in der Regel ansprechendere Metropolen wie Luxemburg, Bern, Nassau auf den Bahamas oder Helsinki. Seit Präsident Andrew Jackson 1829 erstmals Anhänger mit Regierungsposten belohnte, ist die Vergabe von Ämtern an politische Spezis eine normale Begleiterscheinung von präsidialen Amtseinführungen.

Botschafterposten wurden teurer

Allerdings sind die Preise für Botschafterposten enorm gestiegen: Reichte vor zwölf Jahren eine Spende von 100'000 Dollar an den damaligen Präsidentschaftskandidaten George W. Bush, um Botschafter zu werden, so ist heute mindestens eine halbe Million Dollar nötig. Bekannteste Anwärterin auf einen prestigeträchtigen Diplomatenposten dürfte Anna Wintour sein, die Chefredaktorin der Modezeitschrift «Vogue». Die gebürtige Britin sammelte weit über eine halbe Million für Obama ein – und darf jetzt auf den Botschafterposten in London hoffen.

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