Sonderermittler Mueller kommt Trump näher

Erst Michael Cohen, dann Paul Manafort: Die Gerichtsfälle um Trumps Ex-Mitarbeiter belasten den US-Präsidenten.

Der Tag war für Trump eine politische Katastrophe: Sein Ex-Anwalt hat sich schuldig bekannt. (Video: Tamedia/AFP)
Martin Kilian@tagesanzeiger

Donald Trump suchte gestern Abend Zuflucht bei seinen Getreuen, ein Präsident nach einem miserablen Tag. Sein früherer Anwalt Michael Cohen hatte in New York ein Schuldgeständnis abgelegt und als Gegenleistung für eine verminderte Strafe seinen Ex-Mandanten Donald Trump angeschwärzt. Cohen werden Bankbetrug, Steuerhinterziehung und illegale Wahlkampfspenden zur Last gelegt, ihm droht jahrzehntelange Haft.

Nahe Washington darf sich ein zweiter ehemaliger Helfer des Präsidenten, Wahlkampfmanager Paul Manafort, auf eine lange Haftstrafe vorbereiten, nachdem auch er des Bankbetrugs und der Steuerhinterziehung für schuldig befunden wurde. Wer in Trumps Orbit kreist, lebt offensichtlich gefährlich.

Trump flog unterdessen nach West Virginia, einem sehr weissen, sehr armen und Trump sehr hörigen Bundesstaat voller Kohle, und liess sich feiern. In Sprechchören wiederholten seine Fans dort einen alten Wahlkampf-Slogan des Kandidaten Trump und verlangten, den «Sumpf» in Washington trockenzulegen.

Gefängnisflügel für Trump-Mitarbeiter

Genau das tun US-Ankläger sowie der Russland-Sonderermittler Robert Mueller, allerdings nicht im Sinne von Trumps Anhängern: Wenn es juristisch weiter bergab geht mit der korruptesten amerikanischen Regierung seit der Administration Warren Hardings vor bald einem Jahrhundert, könnte für Trumps ehemalige Mitarbeiter bald ein spezieller Flügel in einem Bundesgefängnis eingerichtet werden.

Vielleicht wird ihnen ihr Anführer im Weissen Haus eines Tages Gesellschaft leisten. Immerhin gab Michael Cohen, der Trump einst Treue bis zum Tode schwor, jetzt unter Eid zu Protokoll, der Kandidat habe ihn im Herbst 2016 in der Hitze des Präsidentschaftswahlkampfs angehalten, Schweigegelder an Frauen zu zahlen, die angeblich Affären mit Trump hatten.

Trump der Lüge überführt

Dadurch sei versucht worden, den Wahlkampf zu beeinflussen, auch seien die Zahlungen «illegale» Zuwendungen für Trumps Wahlkampf gewesen, heisst es in Cohens Übereinkunft mit der New Yorker Staatsanwaltschaft. Wenn Michael Cohen damit ein Verbrechen begangen habe, wie stehe es dann mit Trump, fragte Cohens Anwalt Lanny Davis am Dienstag.

Der Präsident, ein notorischer Lügner, ist durch das Geständnis seines Ex-Anwalts einmal mehr einer Lüge überführt worden, behauptete er doch in einer Endlosschlaufe, nichts von den Zahlungen gewusst zu haben. In der Akte Cohen wird Trump als «Individuum-1» bezeichnet, eigentlich aber hat der Präsident nun den Status eines «nicht angeklagten Ko-Verschwörers», so die Charakterisierung der Rolle Richard Nixons beim Watergate-Skandal.

Vorbei ist die Angelegenheit bei weitem nicht, auch kann niemand Trump garantieren, dass Paul Manafort nicht ebenfalls umfällt. Gewiss würde Sonderermittler Mueller dem windigen Ex-Lobbyisten und Wahlkampfmanager einen strafmindernden Deal anbieten, wenn Manafort auspacken und ebenfalls das eine oder andere brisante Stück Wahrheit preisgeben würde.

Für Trump war der Dienstag eine politische Katastrophe. Man kommt ihm näher, der Sumpf in Washington wird in der Tat Stück um Stück trockengelegt. Nur eben anders, als Trumps Fans es sich vorstellen.

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