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Snowdens erste E-Mails an Filmerin Poitras

Wie bringt man eine Jahrhundert-Enthüllung ins Rollen? E-Mails zeigen, wie das ablief.

Als die britische Tageszeitung «The Guardian» die erste von zahlreichen Enthüllungen über die Machenschaften des amerikanischen Geheimdienstes NSA publizierte, war nur von «Dokumenten» als Quelle die Rede. Vier Tage später enthüllte die Zeitung, wer die Dokumente ihren Autoren zugespielt hatte: Ein eher unscheinbarer 29-Jähriger, der behauptete, für die CIA sowie für verschiedene Auftragnehmer der NSA gearbeitet zu haben.

Auszüge aus den ersten E-Mails, mit denen Edward Snowden den Kontakt zu der amerikanischen Dokumentarfilmerin Laura Poitras aufgenommen hatte, zeigen nun, dass der Geheimdienstmitarbeiter seine Identität von allem Anfang an veröffentlichen wollte. «Es wird deine Entscheidung sein, ob und wie meine Beteiligung offengelegt wird. Mein Wunsch ist es, dass du das Fadenkreuz direkt auf meinen Rücken malst», schrieb Snowden laut Poitras.

«Dies wird für dich keine Zeitverschwendung sein»

Die E-Mail-Auszüge sind Teil des Dokumentarfilms «Citizenfour», der am Donnerstag in den USA ins Kino kommt. Poitras zeichnet darin vor allem die ersten Begegnungen mit dem Geheimdienstmitarbeiter nach und zitiert auch ausführlich aus ein paar der ersten E-Mails, mit denen Snowden Kontakt zu ihr aufnahm. Das Technikmagazin «Wired» hat die Auszüge mit Poitras’ Einverständnis transkribiert und veröffentlicht.

Einzelheiten der Kontaktaufnahme wurden bereits zuvor bekannt; etwa wie Snowden Poitras in einer Hongkonger Hotellobby mit einem Rubik-Würfel als Erkennungszeichen erwartete. Die E-Mails geben aber detaillierteren Einblick, wie Snowden das Vertrauen der Dokumentarfilmerin zu gewinnen versuchte:

«Laura, zu diesem Zeitpunkt kann ich dir nichts anderes als mein Wort geben. Ich bin ein hochrangiger Regierungsangestellter in der Geheimdienst-Community. Ich hoffe, dass du verstehst, dass ich ein enorm hohes Risiko eingehe, indem ich dich kontaktiere, und dass du bereit bist, in die folgenden Vorsichtsmassnahmen einzuwilligen. Dies wird für dich keine Zeitverschwendung sein.»

Poitras will in der folgenden Konversation offenbar auch wissen, wieso Snowden gerade sie ausgewählt hat. Snowden antwortet:

«Du fragst, wieso ich dich ausgewählt habe. Das habe ich nicht. Du hast dich ausgewählt. Die Überwachung, der du ausgesetzt warst, bedeutet, dass du selektiert wurdest, ein Begriff, der dir mehr sagen wird, wenn du erfährst, wie das moderne Sigint-System funktioniert.»

Poitras weiss zunächst nicht, mit wem sie es zu tun hat. Snowden schreibt ihr unter dem Pseudonym «Citizen Four», das nun auch namensgebend für ihren Film war. Snowden äussert sich aber bereits in diesen ersten E-Mails dazu, wieso er seinen Namen offengelegt sehen möchte:

«Niemand, auch nicht mein engster Vertrauter, kennt meine Absichten, und es wäre nicht fair, dass sie für meine Handlungen verdächtigt werden. Du bist die einzige, die dies verhindern kann, und dies ist, indem du mich gleich ans Kreuz nagelst, statt mich als Quelle zu schützen.»

Noch kein Kinostart in der Schweiz geplant

«Citizenfour» feierte vorletzte Woche an einem Filmfestival in New York Premiere. Am Donnerstag ist der Film erstmals in amerikanischen Kinos zu sehen; der offizielle Filmstart ist am Freitag. Noch ist ungewiss, wie viele Kinos den Film zeigen werden. Der Film wird von Radius TWC vertrieben, einem zur Firma der Produzentenbrüder Bob und Harvey Weinstein gehörenden, aber vergleichsweise kleinen Vertrieb.

In Europa wird der Film im Oktober und November zunächst an Festivals gezeigt. Ein Kinostart ist für die Schweiz bislang nicht festgelegt.

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