Sexaffären werden für Trump zum Problem

In mehreren Fällen soll der US-Präsident Frauen erst für Sex, dann für ihr Schweigen bezahlt haben. Ist Trump erpressbar?

Was 2006 zwischen Donald Trump und Stormy Daniels lief, beschäftigt zurzeit die Amerikaner. Fotos: Getty

Was 2006 zwischen Donald Trump und Stormy Daniels lief, beschäftigt zurzeit die Amerikaner. Fotos: Getty

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Die Aufregung über die Beziehung des Pornostars Stormy Daniels zu Donald Trump lässt nicht nach. Und je länger sie anhält, desto merkwürdiger scheinen das Verhalten des Weissen Hauses und die Bemühungen von Trumps privatem Anwalt Michael Cohen, der die Geschichte aus der Welt schaffen soll. US-Medien berichteten, das Weisse Haus erwäge sogar eine einstweilige Verfügung, um die Ausstrahlung eines TV-Interviews mit Daniels zu verhindern.

Daniels behauptet, 2006 eine längere Affäre mit Trump gehabt zu haben. Im Oktober 2016, also kurz vor der US-Präsidentschaftswahl, erhielt sie 130'000 Dollar Schweigegeld von Michael Cohen. Trump soll davon nichts gewusst haben, er habe sogar das Geld aus der eigenen Tasche bereitgestellt, behauptet Cohen. Die Version des Anwalts wird bezweifelt, derweil Daniels darum kämpft, die Geschichte ihrer Affäre mit Trump erzählen zu können. Ihr Schweigegeld würde sie gern zurückzahlen, sagte sie. Dafür hat sie eine Crowdfunding-Kampagne gestartet – und die 130'000 Dollar in bloss zwei Tagen zusammengebracht.

Wie üblich in solchen Fällen dementiert das Weisse Haus die Sexstory – ohne jedoch zu überzeugen. Im Gegenteil: Die Liaison der Pornoqueen mit dem Immobilienmogul schürt neuerlich den Verdacht, Donald Trump sei erpressbar.

Umstrittenes Steele-Dossier

Das Sexleben amerikanischer Politiker war generell tabu bis in die 80er-Jahre: Sowohl Franklin Roosevelt als auch Dwight Eisenhower hatten Affären, John F. Kennedy hatte viele, ohne dass die Medien den Schleier gelüftet hätten. Zumindest in Kennedys Fall wäre eine Enthüllung wahrscheinlich gerechtfertigt gewesen: So ausschweifend war das aussereheliche Treiben des Präsidenten, dass es die nationale Sicherheit tangierte und Fragen nach Kennedys Erpressbarkeit aufwarf.

Der deutsche Bundeskanzler Willy Brandt wurde 1974 Opfer seiner Affären: Nachdem sein Mitarbeiter Günter Guillaume als DDR-Spion enttarnt worden war, konnte nicht ausgeschlossen werden, dass Ostberlin von Brandts ausserehelichen Liebschaften wusste – und versuchen würde, den Kanzler zu erpressen. Der damalige Chef des Verfassungsschutzes, Günther Nollau, empfahl einen Rücktritt des Kanzlers, und Brandt trat im Mai 1974 vom Amt zurück.

Eine mögliche Erpressbarkeit Trumps wurde erstmals nach der Veröffentlichung des «Dossiers» des ehemaligen MI6-Spions und Russland-Experten Christopher Steele öffentlich diskutiert. In seinem von den Demokraten bezahlten Report hiess es, der Kreml besitze kompromittierende Informationen über Trumps Umgang mit Prostituierten während eines Russlandbesuchs 2013.

Bekannter Pornostar: Stephanie Clifford alias Stormy Daniels soll angeblich Schweigegeld bekommen haben. Video: Tamedia

Aus der Sicht Steeles «gab es ein Sicherheitsproblem – konnte ein Präsidentschaftskandidat erpresst werden», beschrieb Steeles Auftraggeber Glenn Simpson, Chef der Washingtoner Sicherheitsfirma Fusion GPS, das vermeintliche Dilemma des britischen Ex-Agenten vor dem Justizausschuss des Washingtoner Senats.

Steele wandte sich im Sommer 2016 mit seinen Befürchtungen an das FBI; die Veröffentlichung seines «Dossiers» durch das Webmagazin «Buzzfeed» im Januar 2017 wurde zum Skandal. Lautstark protestierten Trump und seine Anhängerschaft gegen die darin enthaltenen Behauptungen. Als «Müll» und unwahr bezeichnete der Präsident den Inhalt.

Heikle Moskaubesuche

Trumps Leibwächter und Faktotum Keith Schiller räumte bei seiner Einvernahme vor dem Geheimdienstausschuss des Repräsentantenhauses zwar ein, dass die russischen Gastgeber 2013 tatsächlich fünf Prostituierte angeboten hätten. Er habe dies aber abgelehnt und sogar kurzzeitig als Wache vor Trumps Hotelzimmer Posten bezogen.

Dass der Kreml bei Trumps Besuchen in Moskau zwischen 1987 und 2013 nach «Kompromat» fischte, hält Steve Hall, bis 2015 Leiter der Russlandabteilung der CIA, für erwiesen. Natürlich versuche der Inlandsgeheimdienst FSB, an «kompromittierende Informationen» heranzukommen. «Haben sie Informationen gesammelt, als Trump in Moskau war? Ich glaube, die Antwort lautet Ja», so Hall zur Zeitschrift «Mother Jones».

Trump wischte die mutmasslichen Ausschweifungen in Moskau unter anderem mit dem Argument beiseite, er habe eine «Keimphobie», schon deshalb seien Steeles Behauptungen eine Lüge. In ihrem Interview mit der Illustrierten «In Touch Weekly» aus dem Jahr 2011 aber sagte Stormy Daniels, Trump habe beim Sex mit ihr kein Kondom benützt. Überhaupt scheint Trump bereit, für Sex zu bezahlen und danach Schweigegelder zu entrichten, um die Affären zu verschleiern. Beides erhöht die Gefahr der Erpressbarkeit.

Die Pornodarstellerin Jessica Drake behauptet, Trump habe ihr 10’000 Dollar für ihre «Gesellschaft» geboten. Das ehemalige «Playboy»-Model Karen McDougal sagt, Trump habe ihr nach dem Sex Geld angeboten, was sie jedoch abgelehnt habe.

Trumps Glaubwürdigkeit ist dahin

Wie Stormy Daniels erhielt auch McDougal 2016 eine Geldsumme, um ihr Schweigen zu erkaufen: David Pecker, der Trump nahestehende Herausgeber des Regenbogenblatts «National Enquirer», zahlte McDougal 150’000 Dollar für ihre Story – und begrub die Geschichte dann. Pecker habe noch mehr Geheimnisse Trumps begraben, behaupten Insider in Washington.

Trump hat die Aussagen von Daniels, Drake und McDougal ebenso als erfunden abgetan wie Anschuldigungen sexueller Belästigung von insgesamt 19 Frauen. «Totale Erfindungen, diese Dinge sind niemals passiert, diese Lügnerinnen werden alle verklagt werden nach der Wahl», drohte Kandidat Trump im Oktober 2016. Klagen aber wurden nie eingereicht: Die Risiken der Prozesse wären zu gross gewesen.

Die Stormy-Daniels-Saga hat jedenfalls erneut die Diskussion über kompromittierende Ereignisse aus Trumps Vergangenheit angefacht. Immerhin wirkt erstaunlich, wie krampfhaft seine Anwälte versuchen, die Veröffentlichung von Daniels’ Story zu verhindern. Wovor fürchtet sich das Weisse Haus? Was die Glaubwürdigkeit der Kontrahenten angelangt, so steht die Pornodarstellerin und -regisseurin allemal besser da als der Präsident. Niemand hat sie bislang als Serienlügnerin entlarvt.

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 16.03.2018, 21:10 Uhr

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