Zum Hauptinhalt springen

Selbst Vizepräsident Pence musste Trump widersprechen

Donald Trumps Auslassungen über das Coronavirus sorgen für Irritationen. Noch immer spielt seine Regierung die Gefahr herunter.

Donald Trump mit Vizepräsident Mike Pence an einem Coronavirus-Briefing im Weissen Haus. Bild: Manuel Balce Ceneta (Keystone)
Donald Trump mit Vizepräsident Mike Pence an einem Coronavirus-Briefing im Weissen Haus. Bild: Manuel Balce Ceneta (Keystone)

Die Ausbreitung von Covid-19 in den USA hat die Regierung Trump in eine politische Krise gestürzt. Wochenlang hatten der Präsident und seine Berater die möglichen Auswirkungen des Erregers für Wirtschaft und Gesellschaft heruntergespielt und verharmlost. Noch Ende Februar twitterte Trump, das Coronavirus sei «absolut unter Kontrolle».

Inzwischen breitet sich das Virus in über 30 Bundesstaaten aus, schon warnen Experten vor Quarantänen, überforderten Krankenhäusern und einem Rückgang des amerikanischen Wirtschaftswachstums. Versäumt hat die Regierung Trump vor allem zügiges und umfassendes Testen von potenziellen Viruskranken. Sowohl Südkorea als auch die USA verzeichneten am 20. Januar ihre erste Erkrankung. Seither wurden in Südkorea über 125'000 Personen getestet, in den USA aber weniger als 2500.

«Wieso wissen Sie so viel darüber?»

«Wir befinden uns in einer ernsthaften Krise, weil wir nicht genügend Menschen getestet haben», sagte die demokratische Kongressabgeordnete Jackie Speier am Sonntag. Man habe «kein Vertrauen in den Präsidenten, weil er nicht die Wahrheit sagt», so Speier.

Erschwert wird die amerikanische Situation durch strukturelle Probleme: Rund 29 Millionen Menschen haben keine Krankenversicherung, fast 90 Millionen sind unterversichert. Bezahlter Krankenurlaub ist rar, weshalb Arbeitnehmer oftmals auch dann zur Arbeit gehen, wenn sie sich krank fühlen. Würden öffentliche Schulen wegen der Ausbreitung des Coronavirus geschlossen, müssten viele Kinder aus armen Haushalten auf ihre einzigen Mahlzeiten verzichten.

Statt die Zeit seit dem Ausbruch der Epidemie in China zu nutzen, kennzeichneten Kompetenzgerangel und Verharmlosung die Reaktionen der Regierung Trump. Mitarbeiter mussten wiederholt Äusserungen des Präsidenten korrigieren, selbst Vizepräsident Mike Pence widersprach Trump. Die Fehltritte der Administration hätten «meine Mitglieder und die reisende Öffentlichkeit gefährdet», warnte Sara Nelson, die Vorsitzende der amerikanischen Flugbegleitergewerkschaft AFA.

«Vielleicht habe ich natürliche Fähigkeiten.»

US-Präsident Donald Trump

Auch bei einem Besuch in Atlanta bei den Centers for Disease Control and Prevention (CDC), der federführenden Behörde beim Kampf gegen den Erreger, irritierte der Präsident am Freitag durch seine Bemerkungen. «Die Leute sind wirklich überrascht, dass ich dieses Zeug so gut verstehe», erklärte Trump. Die Ärzte hätten ihn gefragt, «wieso wissen Sie so viel darüber?» Trumps Antwort: «Vielleicht habe ich natürliche Fähigkeiten.»

Bei dem Laborbesuch in Atlanta beschrieb der Präsident den von den CDC entwickelten Virustest als ebenso «perfekt» wie sein Telefonat im vergangenen Juli mit dem ukrainischen Präsidenten Wolodimir Selenski, das zu Trumps Impeachment geführt hatte. Nachdem Trump behauptet hatte, «jeder, der es benötigt», könne auf Covid-19 getestet werden, stellte Vizepräsident Pence wenig später klar, dass es dafür noch immer nicht ausreichende Testkits gebe.

Trump wiederum beschuldigte am Sonntag die «Fake News», sie wollten die Regierung «schlecht aussehen lassen», obwohl man einen «perfekt koordinierten und fein abgestimmten Plan» zur Bekämpfung des Virus habe.

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch