«Er ist gegangen, wie er gelebt hat, zu seinen eigenen Bedingungen»

Er war US-Senator, Verbündeter, Patriot, Mentor, Freund, Ehemann, Vater: Reaktionen zum Tod von John McCain.

Der 81-Jährige Republikaner John McCain starb am Samstag in seinem Haus in Arizona an Krebs. (26. August 2018) Video: Tamedia/AP

Die Welt trauert um US-Senator John McCain. Würdigungen aus allen Erdteilen werden laut, darunter auch solche von amtierenden sowie ehemaligen US-Präsidenten. Die Fahne vor dem Weissen Haus hängt auf halbmast.

Die Tochter McCains, Meghan McCain, schrieb in einer Mitteilung: «Alles, was mich ausmacht, habe ich ihm zu verdanken. Jetzt, da er weg ist, wird es die Aufgabe meines Lebens sein, seinem Beispiel, seinen Erwartungen und seiner Liebe gerecht zu werden.»

Seine Frau Cindy McCain auf Twitter: «Mein Herz ist gebrochen. (...). Er ist gegangen, wie er gelebt hat, zu seinen eigenen Bedingungen, umgeben von den Menschen, die er liebte, an dem Ort, den er am meisten liebte.»

US-Präsident Donald Trump hat der Familie des verstorbenen US-Republikaners kondoliert. «Mein tiefstes Mitgefühl und Respekt gehen an die Familie von Senator John McCain», schrieb Trump am Samstag kurz nach Bekanntwerden des Todes seines Parteifreundes und scharfen Kritikers. «Unsere Herzen und Gebete sind bei Euch!»

Auch Melania Trump äussert ihr Mitgefühl über Twitter. «Unsere Gedanken, Gebete und unser tiefstes Beileid gelten der Familie McCain. Danke Senator für Ihren Dienst der Nation.»

Der ehemalige US-Vize-Präsident und Demokrat Joe Biden hat den gestorbenen US-Republikaner John McCain als Freund gewürdigt. «John McCains Leben ist der Beweis, dass einige Wahrheiten zeitlos sind. Charakter, Mut, Integrität, Ehre», schrieb Biden am Samstag auf Twitter. McCain habe nie die Sicht auf das verloren, an was er am meisten geglaubt habe: «Zuerst das Land» («Country First»).

Die Tatkraft, von der er angetrieben worden sei, sei nie erloschen: «Wir sind hier, um uns zu etwas zu verpflichten, das grösser ist als wir selbst.» Amerika und die Welt würden ihn vermissen. McCain war einer der führenden parteiinternen Kritiker von Trump, der mit dem Slogan «Amerika zuerst» (America First") wirbt.

Auch der amtierende US-Verteidigungsminister James Mattis würdigte den US-Republikaner: «Wir habe einen Mann verloren, der unerschütterlich die höchsten Ideale unseres Landes repräsentierte. (...). Senator McCain stellte den Dienst an der Nation immer vor sich selbst. Er erkannte, dass einflussreiche und leidenschaftliche Menschen dienen müssen, um unser Demokratie-Experiment lange andauern zu lassen.»

Ex-Vizepräsident Al Gore erklärte, er habe McCain «immer bewundert und respektiert», weil er unter Druck besonders erfolgreich gewesen sei und immer nach gemeinsamen Lösungen gesucht habe.

Senator Lindsey Graham, der eng mit McCain befreundet war, schrieb: «Amerika und die Freiheit haben einen ihrer grössten Vorkämpfer verloren. Und ich habe einen meiner besten Freunde und meinen Mentor verloren.»

Ehemalige US-Präsidenten zollen Respekt

Der frühere US-Präsident Barack Obama hat dem verstorbenen US-Republikaner John McCain seinen Respekt gezollt. «Wenige von uns wurden so herausgefordert, wie John es einst wurde, oder mussten den Mut zeigen, den er gezeigt hat», hiess es am Samstagabend (Ortszeit) in einer Erklärung Obamas.

«Aber wir alle können den Mut haben, das Wohl der Allgemeinheit über unser eigenes zu stellen.» McCain habe in seinen besten Zeiten gezeigt, wie das gehe. «Und dafür stehen wir alle in seiner Schuld», fügte Obama hinzu. Obama und McCain traten im Präsidentschaftswahlkampf 2008 gegeneinander an. Der Demokrat gewann die Wahl.

«John McCain und ich waren Mitglieder verschiedener Generationen, kamen aus ganz unterschiedlichen Verhältnissen und konkurrierten auf höchster politischer Ebene», hiess es in Obamas Erklärung. «Aber wir teilten bei all unseren Unterschieden die Treue zu etwas Höherem - die Ideale, für die Generationen von Amerikanern und Immigranten gleichermassen gekämpft haben, marschiert sind und sich aufgeopfert haben.»

Auch der republikanische Ex-US-Präsident George W. Bush hat sich via Twitter zu Wort gemeldet. «Manche Menschenleben sind so strahlend, dass es schwerfällt sich vorzustellen, sie könnten enden. Einige Stimmen sind so kräftig, dass man nur schwer glauben kann, sie könnten verstummen. John McCain war ein Mann von tiefer Überzeugung und ein Patriot höchsten Ranges.»

Der demokratische Ex-Präsident Jimmy Carter schreibt: «John McCain war ein ehrenwerter Mann, ein wahrer Patriot im besten Sinne des Wortes.»

Auch die Republikanerin Sarah Palin würdigte McCain auf Twitter: «Heute haben wir ein amerikanisches Original verloren. Senator John McCain war ein Maverick und ein Kämpfer, der nie Angst hatte, für seine Überzeugungen einzustehen.» Palin trat 2008 als McCains Vizekandidatin an.

Deutsche Politiker würdigen McCain

Bundesaussenminister Heiko Maas (SPD) hat McCain ebenfalls gewürdigt. Der prominente Politiker der Republikaner «stand für ein Amerika, das ein verlässlicher und enger Partner ist», erklärte Maas am Sonntag. McCain habe ein Amerika repräsentiert, «das aus Stärke Verantwortung für andere übernimmt und auch in schwierigen Momenten zu seinen Werten und Prinzipien steht». «Wir werden seine Stimme in Erinnerung behalten.»

Bundestagspräsident Wolfgang Schäuble (CDU) nannte den Tod des 81-Jährigen in einem Beileidsschreiben an McCains Familie einen «schweren Verlust für die Weltgemeinschaft». Deutschland verliere in ihm «eine Stütze der deutsch-amerikanischen Beziehungen und einen Freund Deutschlands».

Auch Bundesverteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU) würdigte McCain als «eindrucksvoll geradlinigen, tapferen und unbeugsamen Charakter». «Gerade wir Deutsche wissen, was wir über Jahrzehnte teils schwieriger Zeiten an ihm hatten», erklärte sie. Er habe für das «Amerika der Freiheit und Wahrheit» gestanden, auf das viele in der Welt ihre Hoffnung setzen würden.

Der CDU-Aussenexperte Jürgen Hardt erklärte, die CDU/CSU-Fraktion im Bundestag «verneigt sich vor seiner Lebensleistung». McCain sei stets von der Überzeugung getragen gewesen, dass die Nordatlantische Allianz «uns alle stärker und schlagkräftiger macht», erklärte Hardt. Prinzip von McCains Aussenpolitik sei es gewesen, die eigene Stärke zu nutzen, «um Verantwortung in der Welt zu übernehmen und das Gute in der Welt voranzutreiben».

Netanyahu trauert um «grossen Unterstützer Israels»

Der israelische Regierungschef Benjamin Netanyahu hat tiefe Trauer über den Tod des US-Republikaners John McCain geäussert. Netanyahu würdigte McCain am Sonntag als «grossen amerikanischen Patrioten und grossen Unterstützer Israels».

Quelle seiner anhaltenden Unterstützung für den jüdischen Staat seien McCains «Glaube an Demokratie und Freiheit» gewesen, hiess es in einer Mitteilung Netanjahus. «Der Staat Israel salutiert McCain.»

Auch in Litauen herrscht Trauer über den Tod von US-Republikaner John McCain. «Es ist ein grosser Verlust nicht nur für unsere Region, sondern auch für die ganze Welt», teilte Präsidentin Dalia Grybauskaite auf Twitter mit. Aussenminister Linas Linkevicius schrieb auf dem Kurznachrichtendienst: «Wir haben einen der grössten moralischen Giganten unserer Zeit verloren.» McCain genoss in Litauen und auch den beiden anderen Baltenstaaten Estland und Lettland wegen seiner russlandkritischen Haltung hohes Ansehen.

sep/sda/afp

Diese Inhalte sind für unsere Abonnenten. Sie haben noch keinen Zugang?

Erhalten Sie unlimitierten Zugriff auf alle Inhalte:

  • Exklusive Hintergrundreportagen
  • Regionale News und Berichte
  • Tolle Angebote für Kultur- und Freizeitangebote

Abonnieren Sie jetzt