«Schande, dass jemand ein erfundenes Buch schreiben kann»

US-Präsident Donald Trump versucht Watergate-Journalist Bob Woodward zu diskreditieren. Doch das dürfte schwierig werden.

US-Reporter Bob Woodward charakterisiert Trump in seinem Buch «Fear: Trump in the White House» als paranoiden Ignoranten. (Video: AFP)
Video: Reuters

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Das Enthüllungsbuch von Watergate-Reporter Bob Woodward über Donald Trump und die laut Woodward haarsträubenden Zustände im Weissen Haus sorgen bereits vor der offiziellen Veröffentlichung am kommenden Dienstag für Wirbel in Washington. Insider berichten, der Präsident sei nach der Publizierung erster Auszüge ausser sich gewesen und habe wissen wollen, wer von seinen Mitarbeitern mit Woodward gesprochen habe.

Schon am Dienstagabend ging Trump zum Gegenangriff über und twitterte, die Zitate in Woodwards Buch seien «erfunden worden». Woodward, so Trump weiter, habe womöglich die kommenden Kongresswahlen beeinflussen wollen. Umgehend meldeten sich zudem im Buch zitierte Mitarbeiter Trumps wie Stabschef John Kelly und Verteidigungsminister James Mattis zu Wort und bestritten die ihnen zugeschriebenen Aussagen. «Die Idee, dass ich den Präsidenten einen Idioten genannt habe, ist unwahr, das Gegenteil ist wahr», so Kelly.

Am Mittwoch schob der Präsident nach und twitterte, es sei «eine Schande», dass «jemand einen total erfundenen Artikel oder ein Buch schreiben kann», ohne dafür gerichtlich belangt zu werden. Wie schon mehrmals zuvor verlangte Trump eine Reform der amerikanischen Verleumdungsgesetze.

Weitere Einzelheiten

Bob Woodward wich unterdessen nicht zurück: Er stehe zu seinem Buch, sagte er der Washington Post. Das Weisse Haus befürchtet, dass Woodwards Enthüllungen über das Chaos um den Präsidenten die US-Medien auf Tage hinaus beherrschen werden, sobald die Senatsanhörung über die Nominierung des Richters Brett Kavanaugh zum Verfassungsgericht am Donnerstag endet.

Woodwards Buch zeichnet Trump als inkompetenten und ignoranten Präsidenten, dessen Mitarbeiter das Schlimmste zu verhindern suchen und Trumps Ausbrüchen ausgesetzt sind. Am Mittwoch wurden weitere Einzelheiten bekannt. So schreibt Woodward, dass Trump unwirsch reagiert habe, als sein inzwischen ausgeschiedener Heimatschutzberater Tom Bossert um eine Minute Zeit bat. «Ich möchte das Masters-Golfturnier anschauen, Sie und Ihr Cyber werden mich in einen Krieg hineinziehen, mit Ihrer Cyber-Scheisse», wehrte Trump ab.

Woodwards Buch zu diskreditieren dürfte nicht einfach sein: Nicht nur besitzt der Star-Journalist hunderte von Stunden Mitschnitte von Interviews mit Trumps Mitarbeitern und Vertrauten, er gilt überdies als gewissenhafter Rechercheur, dessen Reputation als fairer Berichterstatter seit Watergate eher gewachsen ist. 2013 hatte Trump Barack Obamas Weisses Haus wegen einer Attacke auf Woodward sogar kritisiert. Und bei einem Telefonat mit dem Reporter im August räumte Trump ein, Woodward habe ihn stets «fair» behandelt.

Unter anderem verteidigte auch George W. Bushs Pressesprecher Ari Fleischer Woodward: Obwohl der Reporter in seinem Buch über die Regierung Bush nicht immer zimperlich mit ihm umgegangen sei, habe er «niemals – niemals – geglaubt, dass Woodward Dinge erfunden hat», twitterte Fleischer. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 05.09.2018, 21:09 Uhr

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