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Risse in der Trump-Realität

Die mutmassliche russische Wahlhilfe für Donald Trump ist so mutmasslich nicht mehr: Immer mehr russische Kontakte werden publik.

Zurück vom G-20-Gipfel und bereits wieder mit Problemen konfrontiert: Donald Trump.
Zurück vom G-20-Gipfel und bereits wieder mit Problemen konfrontiert: Donald Trump.
Keystone

Donald Trumps «Cyber-Kooperation» mit Russland, ein Washingtoner Lachschlager am Sonntag, war am Montag bereits tot, erledigt vom Präsidenten selber. Dafür stand der Trump-Truppe ein neues Problem ins Haus: In zwei Berichten am Samstag und Sonntag hatte die «New York Times» enthüllt, dass sich Trumps Sohn Donald jr., Trumps Schwiegersohn Jared Kushner sowie Trumps damaliger Wahlkampfvorsitzender Paul Manafort Anfang Juni 2016 mit einer russischen Anwältin getroffen hatten, die Schmutz über Hillary Clinton versprach.

Das Treffen war heikel genug, noch schlimmer aber war, dass der Junior in Erklärungsnot geriet und sich in Widersprüche verwickelte. Nach der Publizierung des ersten Artikels am Samstag gab der Sohn zu Protokoll, bei dem Gespräch mit der russischen Anwältin Natalia Veselnitskaya sei es zuvorderst um die Adoption russischer Kinder durch amerikanische Eltern gegangen. Nachdem der US-Kongress 2012 das «Magnitsky-Gesetz», benannt nach dem unter fragwürdigen Umständen 2009 in Russland ums Leben gekommenen Dissidenten Sergei Magnitsky, verabschiedet hatte, revanchierte sich der Kreml mit der Einstellung dieses Adoptionsprogramms. Das US-Gesetz hatte russische Personen, die mit Magnitskys Tod in Verbindung gebracht wurden, mit harten Sanktionen belegt. Trump Junior behauptete zuerst, nur darüber sei in New York geredet worden. Das allein war seltsam genug: Veselnitskaya wollte die Trump-Truppe offenbar zur Aufhebung der Magnitsky-Sanktionen bewegen, falls Donald Trump im Weissen Haus landete.

Die prompte Meinungsänderung

Nachdem die «New York Times» dann am Sonntag berichtete, Veselnitskaya habe bei dem Treffen negative Informationen über Hillary Clinton angeboten, änderte Trump jr. prompt seine Stellungnahme: Veselnitskaya habe gesagt, «sie besitze Informationen, wonach mit Russland verbundene Personen das Demokratische Nationalkomitee DNC und Hillary Clinton finanziell unterstützten». Der Kreml verneinte zwar am Montag, Veselnitskaya zu kennen, US-Quellen aber verwiesen auf eine FBI-Einschätzung, der zufolge die Anwältin über exzellente Regierungskontakte in Moskau verfügt. Die merkwürdige Begegnung im «Trump Tower» in New York im Juni 2016 sowie die Ausflüchte von Trumps Sohn lassen mehrere Fragen offen. Warum trafen sich Angehörige von Donald Trumps innerstem Kreis mit einer unbekannten Person, die Donald jr. von einer russischen «Zufallsbekanntschaft», deren Namen er nicht nennen will, empfohlen worden war? Und warum würde sich das Trio dazu hergeben, mit dieser ihnen unbekannten Russin über eine obskure Adoptionsregelung zu sprechen?

Nicht weniger absurd klingt die Behauptung des Sohns, Velitskaya habe Informationen über die russische Alimentierung Hillary Clintons und des DNC angeboten. Wladimir Putin hasste die demokratische Präsidentschaftskandidatin, nie hätte der Kreml eine wie immer geartete finanzielle Unterstützung der Demokratin zugelassen.

Die interessanten Quellen

Besonders interessant aber sind die Quellen der beiden Artikel in der «New York Times»: Die Zeitung beruft sich unter anderem auf drei anonyme Mitarbeiter der Regierung Trump. Warum steckten sie der Zeitung die explosive und für den Präsidenten problematische Story? Wollten die drei Regierungsmitarbeiter die Flucht nach vorne antreten? Oder sind sie Teil eines Verschleierungsversuchs? Immerhin sind die Umstände des Gesprächs im «Trump Tower» höchst verdächtig: Engste Mitarbeiter des republikanischen Präsidentschaftskandidaten Donald Trump versuchten, sich in den Besitz von russischem Dreck über Hillary Clinton zu bringen. Vielleicht ging Trumps Team im Sommer 2016 politische Risken ein, weil kaum jemand damit rechnete, Trump werde die Präsidentschaftswahl gewinnen. Die Enthüllungen in der «New York Times» und die Ausflüchte von Donald Trump jr. werden entsprechende Spekulationen weiter anheizen.

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