Trumps Laptop-Bomben gegen Clintons E-Mails

Warum der leichtsinnige Umgang mit Geheiminformationen Donald Trump gefährlich werden könnte.

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Donald Trump trudelt von einem politischen Debakel ins nächste, ein Präsident ist er, dessen Administration sich «in einer Abwärtsspirale» befindet. Mit diesen Worten reagierte der republikanische Senator Bob Corker, Vorsitzender des aussenpolitischen Ausschusses, gestern Abend auf einen Report der «Washington Post», wonach Trump bei seinem Gespräch mit dem russischen Aussenminister Sergei Lawrow und dem russischen Botschafter Sergei Kisljak am vergangenen Mittwoch hochgeheimes Wissen preisgegeben habe.

Das Weisse Haus dementierte umgehend, Trumps Sicherheitsberater H.R. McMaster behauptete noch am Abend, die Story, «wie von der Washington Post berichtet», sei falsch. Dann fügte er hinzu, keinesfalls habe der Präsident «Quellen und Methoden» verraten. Dieses massgeschneiderte Dementi lässt jedoch offen, ob Trump bei der Unterredung mit den russischen Besuchern Dinge sagte, über die er nicht hätte reden sollen.

Infos über Laptop-Bomben

Offenbar handelt es sich bei dem strittigen Punkt um Geheiminformationen über die Anfertigung von Laptop-Bomben durch den Islamischen Staat. Die Angst vor derartigen Sprengsätzen hat die USA bewogen, das Mitführen von Laptops im Handgepäck bei Flügen aus acht überwiegend muslimischen Ländern in die USA zu verbieten. Auch bei Flügen aus Europa soll dies womöglich bald untersagt werden. Die offenbar detaillierten Warnungen über die technischen Kapazitäten des Islamischen Staats stammen von einem befreundeten Nachrichtendienst und sind derart vertraulich, dass sie sogar Entscheidungsträgern in Washington nur beschränkt zugänglich sind und einen Kodenamen tragen. Nicht einmal traditionell mit den USA eng verbündete Dienste erhielten diese Informationen – und nun soll sie der Präsident ausgerechnet an Moskau weitergegeben haben.

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Dass Donald Trump sensible Informationen mit dem russischen Aussenminister teilt ...





Juristisch ist Donald Trump dabei nichts vorzuwerfen: Präsident und Vizepräsident haben das Recht, geheime Informationen jederzeit freizugeben. Was einem General oder einem Journalisten eine Haftstrafe eintragen könnte, ist im Falle eines Präsidenten nicht justiziabel.

Wollte Trump imponieren?

Das Problem ist also ein politisches: Ausgerechnet Donald Trump, dessen Verhältnis zu Moskau Gegenstand mehrerer Untersuchungen ist, soll Russlands Aussenminister und Botschafter Infos der allerhöchsten Geheimhaltungsstufe gesteckt haben. Vielleicht brüstete sich der Präsident mit seinem Wissen, vielleicht wollte er den Gästen imponieren.

Trump verplappert sich: Der US-Präsident soll hochsensible Geheimdienstinformationen preisgegeben haben. (Video: Tamedia/Reuters)

Die «Washington Post» berichtete überdies, dass ein Mitarbeiter Trumps umgehend die CIA sowie die NSA von dem Vorfall unterrichtete. Man könnte nun argumentieren, dass es völlig in Ordnung ist, wenn ein amerikanischer Präsident den Kreml über eine neue terroristische Gefährdung des internationalen Flugverkehrs informiert. Immerhin hat Russland wahrscheinlich eine Passagiermaschine über dem Sinai durch einen Terrorakt verloren.

Trumps Clinton-Bashing

Trumps Problem ist jedoch, dass die Optik des Berichts in der «Washington Post» verheerend ist: Nicht nur steht Moskau am amerikanischen Pranger wegen der vermeintlichen Einmischung in die US-Wahlen, es waren zudem Trump und seine republikanischen Freunde, die während des Wahlkampfs 2016 Hillary Clinton wieder und wieder beschuldigten, schlampig mit vertraulichen Informationen umgegangen zu sein.

Clintons Benutzung eines privaten E-Mail-Servers diente als probater Prügel, sogar ins Gefängnis wollte Trump die Rivalin bringen. Nun wird der Präsident beschuldigt, viel Schlimmeres angestellt zu haben. Wird der Bericht der «Washington Post» bestätigt, steht dem belagerten Präsidenten ein weiterer Skandal ins Haus. Erweist er sich als Seifenblase, wird er jenen Auftrieb verschaffen, die schon seit geraumer Zeit einen klandestinen Krieg der US-Geheimdienste gegen Trump wittern. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 16.05.2017, 07:36 Uhr

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