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Proteste zeigen Wirkung: Fahrpreise werden wieder gesenkt

Brasilien kommt nicht zur Ruhe: In der vergangenen Nacht gingen wieder Zehntausende auf die Strassen, um gegen Korruption, schlechte Infrastrukturen und zu teure Sportanlässe zu demonstrieren.

Auch beim Confed-Cup-Final setzte die Polizei Tränengas ein, um gegen die Demonstranten anzukämpfen. (30. Juni 2013)
Auch beim Confed-Cup-Final setzte die Polizei Tränengas ein, um gegen die Demonstranten anzukämpfen. (30. Juni 2013)
Keystone
Bei Demonstrationen während des Confederations-Cup-Halbfinals ging ein Auto in Flammen auf. (27. Juni 2013)
Bei Demonstrationen während des Confederations-Cup-Halbfinals ging ein Auto in Flammen auf. (27. Juni 2013)
Reuters
Gestiegene Fahrkartenpreise lösten die Proteste in Brasilien aus. (17. Juni 2013)
Gestiegene Fahrkartenpreise lösten die Proteste in Brasilien aus. (17. Juni 2013)
Keystone
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Zehntausende sind in mehreren Städten Brasiliens auch in der Nacht auf Dienstag auf die Strasse gegangen, um gegen Misswirtschaft, Korruption und steigende Kosten zu protestieren. Alleine in São Paulo schätzte die Polizei die Teilnehmerzahl auf bis zu 50'000 Menschen.

Die zentrale Avenida Paulista im Zentrum der Elf-Millionen-Metropole war am Dienstagabend durch den friedlichen Protest stundenlang komplett blockiert.

Vor dem Sitz des Bürgermeisters in São Paulo kam es zu Tumulten. Ein Reportagewagen eines TV-Senders wurde in Brand gesteckt. Zuvor hatten Randalierer Scheiben des Bürgermeisteramtes eingeworfen. Die Polizei zog sich in das Gebäude zurück. Es kam vereinzelt zu Plünderungen von Geschäften. Mehrere Personen wurden nach Medienangaben festgenommen.

Bewegung bei Fahrpreisen

In São Gonçalo bei Rio de Janeiro gingen etwa 5000 Menschen auf die Strasse. Einige Randalierer setzten auf der Strasse Abfall in Brand. Auch dort war die Polizei massiv im Einsatz. Proteste gab es auch in Belo Horizonte, wo etwa 3000 Demonstranten auf die Strasse gingen.

Der Aufmarsch der Protestierenden war damit geringer als in der Nacht auf Montag, als sich landesweit über 200'000 Menschen an Demonstrationen in über zehn Städten im Land beteiligt hatten. Kundgebungen gab es unter anderen in Rio, Brasília und São Paulo.

Bei einem der Hauptthemen der Proteste – der Fahrpreisanhebung – gab es Bewegung. Sieben Städte – darunter Manaus, Recife und Natal – kündigten eine Senkung der Preise an. São Paulos Bürgermeister Fernando Haddad signalisierte erstmals seit der Erhöhung der Preise am 2. Juni die Möglichkeit, die Tariferhöhung wieder zurückzunehmen.

Rousseff: Stimmen müssen gehört werden

Die Forderungen der Demonstranten blieben vielfältig: Einige forderten Steuergerechtigkeit, andere bessere Schulen und Spitäler, wieder andere bessere Bus- und Bahnverbindungen. Auch die Einhaltung der Menschenrechte sowie Kritik an der Korruption in Brasilien wurden verlangt.

Auch prangerten die Demonstrierenden die Milliarden-Ausgaben für die bevorstehenden Sport-Grossereignisse Fussball-WM und Olympische Spiele an.

Staatspräsidentin Dilma Rousseff wertete die Proteste positiv. Die friedlichen Demonstrationen zeigten die Stärke der Demokratie in Brasilien. Die Stimmen auf der Strasse müssten gehört werden. Es sei gut, so viele Jugendliche und Erwachsene zu sehen, die mit Brasiliens Flagge in der Hand und die Nationalhymne singend ein besseres Brasilien verteidigten.

Die Proteste trüben allerdings den laufenden Confederations Cup, die Generalprobe für die Fussball-WM im kommenden Jahr. FIFA-Präsident Joseph Blatter zeigte Verständnis für die Demonstranten. «Ich kann verstehen, dass die Menschen nicht glücklich sind. Aber ich denke, sie sollten den Fussball nicht dazu nutzen, um ihre Forderungen zu verkünden», sagte er dem Fernsehsender TV Globo.

Blatter: WM nicht aufgezwungen

«Brasilien hat diese WM verlangt. Wir haben Brasilien diese Weltmeisterschaft nicht aufgezwungen. Sie wussten, um die WM zu bekommen, müssen Stadien gebaut werden», sagte Blatter.

Aber die Sportstätten seien nicht nur für die Weltmeisterschaft gedacht. Neben den Stadien gebe es auch andere Bauvorhaben, wie Strassen, Hotels und Flughäfen. «Dies bleibt als Erbe für die Zukunft und nicht nur die Weltmeisterschaft.»

SDA/chk

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