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Privilegien für Waffennarren abgestellt

Der Boykott gegen die Waffenlobby NRA breitet sich aus. Zahlreiche Firmen haben die Zusammenarbeit aufgekündigt.

Mitglieder der Waffenlobby NRA erhalten in Zukunft bei Autoverleihern und Fluggesellschaften keine Vergünstigungen mehr. Foto: Johnny Hanson (Houston Chronicle, AP, Keystone)
Mitglieder der Waffenlobby NRA erhalten in Zukunft bei Autoverleihern und Fluggesellschaften keine Vergünstigungen mehr. Foto: Johnny Hanson (Houston Chronicle, AP, Keystone)

Noch versucht die National Rifle Association die Tragweite des Massakers an der Mittelschule in Parkland (Florida) kleinzureden und Kritiker zu beleidigen. «Eine beschämende Demonstration an politischer und ziviler Feigheit» nannte die Waffenlobby NRA den jüngsten Boykott und meinte, kein einziges Mitglied werde sich deswegen abwenden. So sicher indessen wie bei früheren Schiessereien sollte sich die Waffenlobby diesmal nicht fühlen. Bereits haben sich mehr als die Hälfte der US-Firmen, die der NRA Privilegien gewähren, dem Boykott angeschlossen.

Der Hashtag #BoycottNRA war auf den Social-Media-Plattformen seit Jahren im Umlauf, ohne aber weitere Kreise zu ziehen. Nach dem Amoklauf von Mitte Februar in Florida, wo der 19-jährige Nikolas Cruz 17 Schüler und Lehrer ermordete, können auch Unternehmen nicht mehr länger schweigen.

#BoycottNRA-Tweets

Eine lockere Allianz von Anti-NRA-Aktivisten, Überlebenden der Schiesserei und progressiven Geldgebern wie George und Amal Clooney, Steven Spielberg und Oprah Winfrey sorgt für Druck. Sie peilt zunächst jene Firmen an, die direkte Beziehungen zur NRA unterhalten und den über fünf Millionen Mitgliedern Rabatte und andere Privilegien anbieten.

Druck der Kunden

Mehr als die Hälfte der Firmen hat übers Wochenende reagiert: Autoverleiher wie Avis, Hertz und Enterprise, Airlines wie Delta und United, Versicherungen wie Chubb und Met Life sowie der Software-Sicherheitskonzern Symantec – sie alle kündeten an, die Vorzugsbehandlung für die NRA aufzuheben. Chubb etwa bot eine günstige Versicherungspolice für den Fall einer Schiesserei an, die Kritiker sei langem als eine «Mordversicherung» angeprangert hatten. Die First National Bank of Omaha hatte eine spezielle Kreditkarte mit dem NRA-Logo und einer Gutschrift von 40 Dollar geschaffen, die faktisch einer kostenlosen Mitgliedschaft bei der NRA entsprach. Ähnliche Privilegien boten die Fluggesellschaften und Mietwagenfirmen an.

Das Motiv für den Rückzug der Firmen ist klar. «Das Feedback unserer Kunden hat uns gezwungen, unsere Beziehung zur NRA zu überdenken», teilte die Bank of Omaha mit, die symptomatisch für den Sinneswandel der Wirtschaft erscheint. Sie ist die grösste nicht öffentliche Bank des Landes und somit mehr als andere Finanzhäuser direkt den Kunden ausgesetzt. Wenn zudem Bankiers in einem konservativen Bundesstaat wie Nebraska so entschieden reagieren, ist anzunehmen, dass die Verankerung der NRA nicht mehr so sicher ist, wie die Waffenlobby hofft.

Mit der Wahl von Donald Trump kam ein «treuer Freund» ans Ruder, und die Angstmacherei wirkte nicht mehr.

Hinzu kommt, dass ein wichtiges Mobilisierungsvehikel der NRA, die Wahl von Demokraten ins Weisse Haus, nicht mehr greift. Bereits Präsident Obama war für die NRA ein Geschenk. Sie mobilisierte landesweit mit Weltuntergangsszenarien; die Zahl der Zulassungsverfahren für Waffenkäufer stieg in der Amtszeit von Obama um mehr als das Doppelte. Die Aussicht auf eine Wahl von «Crooked Hillary» löste 2016 einen grösseren, noch nie gesehenen Waffenboom aus, befeuert erneut durch apokalyptische Kampagnen der NRA. Doch mit der Wahl von Donald Trump kam ein «treuer Freund» ans Ruder; und die Angstmacherei wirkte nicht mehr.

Cerberus gerät in die Schusslinie

Folge: Der Schusswaffenumsatz geht seit letztem Jahr zurück. Die über hundert Jahre alte Remington produzierte zu viel und sitzt auf unverkaufter Ware. Der Markt sei übersättigt, meldete das Unternehmen kürzlich und erklärte sich für zahlungsunfähig. Mit einem Bankrottverfahren sollen die Gläubiger dazu gezwungen werden, 700 Millionen der offenen 950 Millionen Dollar Schulden abzuschreiben und einen Neubeginn zu ermöglichen. Betroffen ist in erster Linie die Private-Equity-Gruppe Cerberus. Sie hatte Remington 2007 erworben und zusammen mit anderen Herstellern das grösste Schusswaffenkonglomerat des Landes gebaut.

Doch nun gerät auch Cerberus selber in die Schusslinie. Die Gruppe musste den Investoren das Recht einräumen, ihre Anteile an den Waffenherstellern abzustossen, wovon die Hälfte Gebrauch machte. Auslöser war das Massaker an der Sandy-Hook-Grundschule von 2012, bei dem der Killer mit einer Remington-Waffe 26 Menschen umgebracht hatte. Aufgeschreckt durch die aktuelle Boykottkampagne wurden auch der mächtige Private-Equity-Konzern Blackstone und der weltweit grösste Vermögensverwalter Blackrock. Beide Firmen forderten ihre Manager auf, ihre Investitionen in die Schusswaffenindustrie zu überprüfen. Man wolle sicherstellen, dass keine Beziehungen mehr zu den Waffenherstellern bestünden, hiess es.

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