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Pornostar-Anwalt schielt ins Weisse Haus

Michael Avenatti erwägt eine Kandidatur bei der Präsidentschaftswahl im Jahr 2020. Und er will Donald Trump in den Gerichtssaal bringen.

Auftritt vor den Demokraten: Michael Avenatti sieht die Gunst der Stunde kommen. (10. August 2018)
Auftritt vor den Demokraten: Michael Avenatti sieht die Gunst der Stunde kommen. (10. August 2018)
Chris Zoeller (AP), Keystone

Der Anwalt der Pornodarstellerin Stormy Daniels hält eine Kandidatur für die Präsidentschaftswahl im Jahr 2020 nicht ausgeschlossen. Dies sagte der Jurist und Medienprofi Michael Avenatti der Zeitung «Des Moines Register» aus Iowa.

Michael Avenatti kämpft gegen Trump mit seinen eigenen Methoden.
Michael Avenatti kämpft gegen Trump mit seinen eigenen Methoden.
Seth Wenig, Keystone
Avenatti verlässt nach einer Anhörung das Gericht in New York am 26. April 2018.
Avenatti verlässt nach einer Anhörung das Gericht in New York am 26. April 2018.
Mary Altaffer, Keystone
«Trump weiss, dass ich die Wahrheit sage.» (6. Mai 2009)
«Trump weiss, dass ich die Wahrheit sage.» (6. Mai 2009)
Bill Haber, Keystone
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Am Donnerstag besuchte Avenatti die Messe Iowa State Fair – ein nahezu obligatorischer Programmpunkt für Anwärter auf die US-Präsidentschaft. Im Bundesstaat Iowa im Mittleren Westen der USA finden traditionell die ersten Vorwahlen für Präsidentschaftsbewerber der Parteien statt.

Auftritt vor den Demokraten

Einen Tag später hielt Avenatti dann eine Rede bei einem Abendessen der Demokraten des Bundesstaates. Trump habe «nicht den Charakter, das Herz, das Wissen oder die Weisheit, um Präsident der Vereinigten Staaten zu sein», sagte er. In einem Interview mit dem Sender ABC legte Avenatti am Sonntag nach. Er werde Trump «vor Gericht stellen». Die «einzige Frage» sei, wie viele Geschworene die Jury habe.

Festnahme: Stormy Daniels wird in einem Stripclub abgeführt. (Video: Tamedia)

Der Rechtsstreit zwischen dem Pornostar und Trump machte Avenatti einem grösseren Publikum bekannt. Dabei geht es um ein Sexabenteuer, das Stormy Daniels – mit bürgerlichem Namen Stephanie Clifford – im Jahr 2006 mit Trump gehabt haben will. Sie hatte wenige Tage vor der Präsidentschaftswahl 2016 mit Trumps damaligem Anwalt Michael Cohen eine Vereinbarung unterzeichnet, in der sie sich verpflichtete, die Eskapade nicht auszuplaudern. Im Gegenzug zahlte der Trump-Anwalt ihr 130'000 Dollar.

Muss die Anwaltskosten von Donald Trump übernehmen: Stephanie Clifford, auch bekannt als Stormy Daniels, an einer Erotikmesse in Berlin. (11. Oktober 2018)
Muss die Anwaltskosten von Donald Trump übernehmen: Stephanie Clifford, auch bekannt als Stormy Daniels, an einer Erotikmesse in Berlin. (11. Oktober 2018)
Kamil Zihnioglu, Keystone
Deckte 400'000-Dollar-Zahlung auf: Sonderermittler Robert Mueller untersuchte Geldflüsse von Novartis an Trumps Ex-Anwalt Michael Cohen.
Deckte 400'000-Dollar-Zahlung auf: Sonderermittler Robert Mueller untersuchte Geldflüsse von Novartis an Trumps Ex-Anwalt Michael Cohen.
Alex Wong/Getty Images, AFP
«Trump weiss, dass ich die Wahrheit sage.» (6. Mai 2009)
«Trump weiss, dass ich die Wahrheit sage.» (6. Mai 2009)
Bill Haber, Keystone
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Der 47-jährige Avenatti streitet vor Gericht dafür, seine Mandantin von der Schweigevereinbarung entbinden zu lassen. Er verstand es, aus dem Gerichtsverfahren ein Politikum zu machen.

In den Medien ständig präsent

Für den unermüdlich twitternden und auch in den traditionellen Medien allgegenwärtigen Avenatti geht es in dem Fall um Trumps Haltung zu seinem Amt. Die angeblichen Vertuschungsversuche des Präsidenten und seines Teams prangert der Anwalt als Wählertäuschung an: Die Bürger hätten das Recht, von ihren gewählten Vertretern «nicht belogen zu werden».

Mit Hilfe des Pornostars ist der Mann mit den stahlblauen Augen und dem glattrasierten Schädel selbst zum Star geworden. Doch ein Unbekannter war er vorher keineswegs. Im vergangenen Jahr erzielte er seinen bislang spektakulärsten Erfolg – mit einer Sammelklage gegen Hersteller von OP-Kitteln, die nicht ausreichend gegen Ebola und andere Viren geschützt haben sollen. Eine Jury verurteilte zwei Firmen zu Zahlungen in der Rekordhöhe von 454 Millionen Dollar. Der Fall ist allerdings noch in der Berufung.

Im Mittleren Westen aufgewachsen

Auch einige prominente Mandanten hatte Avenatti bereits, darunter die Popsängerin Christina Aguilera und die Schauspielerin Zeta Graff, die er in einem Streit mit dem Partygirl Paris Hilton vertrat. Und auch mit Trump hatte Avenatti bereits zu tun: Er vertrat einst einen Mandanten, der anführte, die Idee zu Trumps TV-Show «The Apprentice» sei von ihm geklaut. Der Streit wurde 2006 aussergerichtlich beigelegt.

Avenatti wuchs überwiegend in Missouri im Mittleren Westen der USA auf. Er studierte Politologie an der University of Pennsylvania sowie Jura an der George Washington University in Washington. Seine Studien finanzierte er sich unter anderem mit Jobs für Wahlkampagnen von Republikanern wie Demokraten, indem er Recherchen über die jeweiligen politischen Gegner anstellte.

Neben dem Anwaltsberuf gibt es in Avenattis Leben noch eine zweite Leidenschaft. In seiner Freizeit fährt er Autorennen. Sogar beim 24-Stunden-Rennen im französischen Le Mans war er schon dabei.

SDA/fal

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