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«Politik der Geduld mit Pyongyang ist am Ende»

Zieht US-Aussenminister Rex Tillerson im Streit mit Nordkorea die Schraube an? Der Ton wird rauer.

Differenzen wegen Umgang mit Nordkorea: China und die USA streben eine engere Kooperation an. (Video: Tamedia/AFP)

Noch am Donnerstagmorgen hatte US-Aussenminister Rex Tillerson beschwichtigende Worte in Richtung Pyongyang geschickt: Das nordkoreanische Volk müsse sich vor den USA nicht fürchten, sagte der amerikanische Chefdiplomat zum Auftakt seiner ersten Asien-Reise in Tokyo.

Im gleichen Atemzug erklärte Tillerson allerdings auch: Die 20 Jahre andauernden diplomatischen Bemühungen Amerikas und anderer Länder, Pyongyang zur Aufgabe seines Atomprogramms zu bewegen, seien «gescheitert». Die Reaktion folgte prompt: Nordkorea warnt die USA vor einem bevorstehenden Atomkrieg, das berichtet die «Washington Post».

Nordkorea drohte den USA bereits am Mittwoch mit einem erbarmungslosen Angriff. (Video: Reuters)

Präventivangriff nicht ausgeschlossen

Tillerson hat nun nachgelegt. Während eines Besuchs in Südkorea sagte er, ein Militärschlag gegen Nordkorea sei eine «Option auf dem Tisch». Die bisherige «Politik der strategischen Geduld» gegenüber Pyongyang sei an ein Ende gelangt, nun würden neue diplomatische, sicherheitspolitische und wirtschaftliche Massnahmen erwogen.

Auch ein Präventivangriff gegen Nordkorea sei nicht ausgeschlossen. Es könnte möglich sein, dass die USA vorbeugende militärische Schritte ergreifen müssten, wenn die Bedrohung durch das nordkoreanische Atom- und Raketenprogramm eine Stufe erreiche, die ein Handeln erfordere, sagte Tillerson am Freitag in der südkoreanischen Hauptstadt Seoul. Zuvor hatte er die militarisierte Grenzzone zwischen den beiden Koreas besucht.

Sein Land wolle keinen militärischen Konflikt. Sollte Nordkorea jedoch mit seinen Aktivitäten südkoreanische oder amerikanische Truppen bedrohen, werde es eine «angemessene Reaktion» geben. «Angesichts der stets eskalierenden Bedrohung ist es klar, dass eine andere Herangehensweise erforderlich ist», hatte Tillerson bereits nach einem Gespräch mit seinem japanischen Kollegen Fumio Kishida gesagt.

US-Raketenabwehrsystem verärgert Chinesen

Am Samstag will Tillerson nach China reisen, das Nordkoreas wichtigster Partner ist. «Wir glauben, dass sie eine sehr wichtige Rolle zu spielen haben», sagte der US-Aussenminister über die Volksrepublik.

Zwar fordert auch Peking von Pyongyang ein Ende der Raketentests, allerdings ist die chinesische Regierung verärgert über die Stationierung des US-Raketenabwehrsystems THAAD in Südkorea, mit der die US-Armee vorige Woche Dienstag begonnen hatte. China sieht in dem System eine Bedrohung seiner eigenen Sicherheitsinteressen.

Nordkorea fordert die Weltgemeinschaft zunehmend heraus. Die Spannungen in der Region hatten sich nach zwei Atomversuchen und mehr als 20 Raketentests durch Nordkorea im vergangenen Jahr erhöht. Das kommunistische Regime in Pyongyang testete erst wenige Tage vor Tillersons Besuch in der Region erneut vier Raketen. Pyongyang verstiess damit gegen mehrere Resolutionen des UNO-Sicherheitsrats. Die USA verlegten einen Tag später erste Bauteile eines Raketenabwehrsystems nach Südkorea, das sich gegen das isolierte Nachbarland richten soll. Die Abwehrraketen des Typs THAAD sollen noch in diesem Jahr stationiert werden.

Peking warnte kurz vor Tillersons Besuch vor einem drohenden «Frontalzusammenstoss» mit Nordkorea und forderte die USA und Südkorea zum Kompromiss auf. Zur Rückkehr zu Verhandlungen schlug es vor, dass Nordkorea seine Atom- und Raketenaktivitäten aussetzt und im Gegenzug die USA und Südkorea ihre gross angelegten Militärmanöver einstellen.

Bildstrecke – Nordkorea feuert Raketen Richtung Japan ab.

Kims Regierung testet bereits zum zweiten Mal im März: Vier ballistische Raketen abgefeuert in Nordkorea. (7. März 2017)
Kims Regierung testet bereits zum zweiten Mal im März: Vier ballistische Raketen abgefeuert in Nordkorea. (7. März 2017)
EPA/KCNA, AFP
Ist in Südkorea nicht unumstritten: Thaad-Abwehrsystem im Test. (Archivbild)
Ist in Südkorea nicht unumstritten: Thaad-Abwehrsystem im Test. (Archivbild)
AFP
Südkorea und die USA analysieren die vorliegenden Daten zum Raketenabschuss: Südkoreanischer Sicherheitsrat tagt. (6. März 2017)
Südkorea und die USA analysieren die vorliegenden Daten zum Raketenabschuss: Südkoreanischer Sicherheitsrat tagt. (6. März 2017)
AFP
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Süddeutsche Zeitung/sda/ap/jobr/jly

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