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Petraeus, Broadwell und der Gmail-Trick

Das Pentagon ermittelt im Zusammenhang mit dem Fall von Ex-CIA-Chef Petraeus gegen den Kommandeur der US-Truppen in Afghanistan. Weitere neue Details zur Affäre dringen ans Tageslicht.

Ist offenbar untergetaucht: Jill Kelley in ihrer Villa in Tampa, Florida. (13. November 2012)
Ist offenbar untergetaucht: Jill Kelley in ihrer Villa in Tampa, Florida. (13. November 2012)
AFP
Bedrohte die vermeintliche Rivalin: Paula Broadwell in der Küche ihres Hauses in Washington. (13. November 2012)
Bedrohte die vermeintliche Rivalin: Paula Broadwell in der Küche ihres Hauses in Washington. (13. November 2012)
Keystone
Petraeus hätte kurz nach dem Zeitpunkt seines Rücktritts als CIA-Chef vor einem Kongressausschuss zur Ermordung des US-Botschafters in Benghazi Stellung nehmen müssen: Der General bei einer früheren Anhörung im Senat. Im Hintergrund seine Frau. (29. Juni 2012)
Petraeus hätte kurz nach dem Zeitpunkt seines Rücktritts als CIA-Chef vor einem Kongressausschuss zur Ermordung des US-Botschafters in Benghazi Stellung nehmen müssen: Der General bei einer früheren Anhörung im Senat. Im Hintergrund seine Frau. (29. Juni 2012)
Reuters
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Im Zusammenhang mit der Petraeus-Affäre wird gegen den US-Oberkommandierenden in Afghanistan, General John Allen, wegen «unangemessener» E-Mails an eine Freundin des zurückgetretenen CIA-Chefs ermittelt. Das teilte das US-Verteidigungsministerium mit. Es gehe um Mails, die Allen an eine Freundin von David Petraeus, Jill Kelley, geschickt habe. Kelley hatte Berichten zufolge auch Droh-E-Mails von Petraeus' Ex-Geliebter und Biografin Paula Broadwell erhalten. Das Bekanntwerden der ausserehelichen Affäre mit Broadwell hatte am vergangenen Freitag zum Rücktritt des Vier-Sterne-Generals geführt.

Die US-Bundespolizei FBI durchsuchte unterdessen am späten Montagabend offenbar das Haus Broadwells. Eine FBI-Sprecherin bestätigte, dass sich Agenten im Wohnhaus der Ex-Geliebten von Petraeus in Charlotte im US-Staat North Carolina aufhielten, machte aber keine näheren Angaben. Vor dem Anwesen waren FBI-Agenten mit Kartons zu sehen, wie sie häufig bei Durchsuchungen zur Beweissammlung verwendet werden.

Allen bleibt auf seinem Posten – vorerst

US-Verteidigungsminister Leon Panetta erklärte, das FBI habe den Fall Allen am Sonntag an das Pentagon übergeben. Er habe am Montag Ermittlungen gegen den Oberkommandierenden der Internationalen Schutztruppe in Afghanistan (Isaf) und der US-Truppen angeordnet. Allen hatte Petraeus im Juli 2011 in diesem Amt abgelöst. Allen bleibe während der Ermittlungen auf seinem Posten, sagte Panetta. Seine Nominierung als Oberkommandierender der US-Streitkräfte in Europa und der Nato-Truppen in Europa sei aber bis zur Klärung der Fakten auf Eis gelegt.

Aus dem Umfeld Panettas verlautete, untersucht würden 20'000 bis 30'000 Seiten E-Mails und andere Unterlagen, die Allens Kommunikation mit Kelley aus den Jahren 2010 bis 2012 betreffen. Was Allen vorgeworfen werden könnte, sagte er nicht. Der General habe jegliches Fehlverhalten zurückgewiesen, sagte die Gewährsperson.

Kelley arbeitet als ehrenamtliche soziale Vertrauensperson für den Luftwaffenstützpunkt MacDill in Florida, auf dem auch das US-Zentralkommando und das Kommando der US-Spezialkräfte ihren Sitz haben. Sie steht nicht in Diensten der US-Regierung.

Hausdurchsuchung bei Paula Broadwell

Die amerikanische Bundespolizei FBI hat nach Medienberichten am Montagabend das Haus der Ex-Geliebten des zurückgetretenen CIA-Chefs David Petraeus durchsucht. Die 40-jährige Paula Broadwell lebt mit ihrer Familie in Charlotte im Bundesstaat North Carolina.

Nach Angaben des «Charlotte Observer» betraten rund ein Dutzend FBI-Beamte mit leeren Kartons das Haus der Frau. Wie der Sender CNN berichtete, bestätigte eine örtliche FBI-Sprecherin den abendlichen Besuch, ohne aber zu sagen, was die Beamten in dem Haus wollten. Die Ermittler durchsuchten offenbar das ganze Haus, machten Fotos und trugen Dokumente weg.

Petraeus war am Freitag als CIA-Chef zurückgetreten, nachdem bei FBI-Ermittlungen die aussereheliche Affäre mit seiner Biografin aufgeflogen war. Die Bundespolizei hatte auch untersucht, ob die Beziehung ein Sicherheitsrisiko darstellte und Broadwell von geheimen CIA-Erkenntnissen wusste.

Kommunikation wie unter Terroristen

Petraeus und Broadwell sollen laut einem Bericht der «Washington Post» auf einen altbewährten Kniff der al-Qaida zurückgegriffen haben, um unauffällig Nachrichten miteinander auszutauschen. Sie nutzten dazu ein gemeinsames Gmail-Konto, auf dem sie Nachrichten im Entwurf-Ordner hinterliessen. So blieb eine wesentlich schwerer rückverfolgbare Datenspur, die die beiden auf ihren jeweiligen Computern und dem Internet hinterliessen.

Es ist jene Art von Kommunikation, die von Personen praktiziert wird, die Angst davor haben, überwacht zu werden. Das war offenbar auch bei Petraeus und Broadwell der Fall.

Petraeus soll vor dem Kongress erscheinen

Mehrere Mitglieder des Kongresses sprachen sich laut einem Bericht der «New York Post» inzwischen dafür aus, dass der Ex-CIA-Chef trotz seines Rücktritts über die Rolle der CIA bei den Entwicklungen in Libyen Auskunft gibt, die zum Tod des US-Botschafters Stevens in Benghazi geführt hatten. Das Weisse Haus und auch die CIA standen vor allem im US-Wahlkampf in der Kritik. Obama hat nach dem 11. September 2012 Sicherheitsmängel in Benghazi eingeräumt. Auch der US-Auslandsgeheimdienst CIA stand wegen des tödlichen Anschlags auf den amerikanischen Botschafter in der libyschen Stadt Benghazi massiv in der Kritik.

ses/dapd/sda/kpn

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