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Palin und Gustav als Überraschungsgäste

Beim republikanischen Parteitag in Minneapolis wird sich Sarah Palin den Amerikanern vorstellen. Ihre unerwartete Nominierung beschäftigt die Republikaner.

Der Parteitag der Demokraten in Denver, allgemein und selbst von einigen amerikanischen Konservativen wie etwa dem ehemaligen republikanischen Präsidentschaftsbewerber Pat Buchanan als Erfolg gewertet, ist bereits Geschichte. Denn die Aufmerksamkeit der Amerikaner und der Welt richtet sich jetzt auf den republikanischen Parteitag in der Doppelstadt Minneapolis-St. Paul im Staat Minnesota, der heute beginnt. Noch gestern aber wollten die Lenker des Parteitags, in dessen Verlauf Senator John McCain und Sarah Palin, die Gouverneurin Alaskas, offiziell zu republikanischen Präsidentschafts- und Vizepräsidentschaftskandidaten gekürt werden, nicht ausschliessen, dass der Parteitag wegen des Wirbelsturms Gustav unterbrochen werden könnte.

«Ich fürchte, wir müssen die Situation genau beobachten», reagierte Senator McCain auf Berichte, wonach der Hurrikan womöglich New Orleans bedrohen werde. Der geplante Auftritt von Präsident Bush, der heute Abend in Minneapolis hätte sprechen sollen, wurde jedenfalls wegen Gustav abgesagt. Auch Vizepräsident Dick Cheney werde nicht nach St. Paul in Minnesota reisen, um vor den Parteitagsdelegierten zu sprechen, wie das Weisse Haus am Sonntag mitteilte. Möglicherweise plant Bush einen Abstecher an den Golf von Mexiko statt nach St. Paul.

Die unwillkommene Erinnerung an die Hilflosigkeit einer republikanischen Regierung nach der Überflutung von New Orleans wird indes überschattet von Senator McCains überraschender Wahl von Sarah Palin als Vizepräsidentschaftskandidatin. Während viele republikanische Amtsträger und Strategen die Nominierung der 44-jährigen Gouverneurin übers Wochenende guthiessen, wurde hinter den Kulissen in Minneapolis die Befürchtung geäussert, McCain habe eine potenziell riskante Wahl getroffen. Der neokonservative Kommentator und McCain-Unterstützer Charles Krauthammer bezeichnete die Beförderung von Palin gar als «nahezu selbstmörderisch».

Düstere Prognosen für die Partei

Der einflussreiche sozialkonservative Pastor James Dobson, der angekündigt hatte, er werde nicht für McCain stimmen, pries Palin und versprach, im November für sie und McCain zu votieren. In Minneapolis wird die frisch gebackene Kandidatin für das zweithöchste amerikanische Amt nun Gelegenheit erhalten, dem Land und der Partei sich und ihre Überzeugungen zu präsentieren. Dabei könnte indes McCains Versuch, den Einfluss gesellschaftspolitisch reaktionärer Christen zu mindern und die Republikaner zur Mitte hin zu öffnen, Schiffbruch erleiden. Denn die evangelikale Gouverneurin lehnt Abtreibungen selbst im Fall von Inzest und Vergewaltigung ab, sie gilt als Gegnerin der Darwinschen Evolutionslehre und bestreitet, dass die Klimaerwärmung vom Menschen verursacht sei.

Während Senator McCain beim Beginn des Parteitages in Minneapolis unerwartet stark im Rennen um den Einzug ins Weisse Haus liegt, steht es um die Partei nicht allzu gut. So düster fallen derzeit die Prognosen für die Kongresswahlen im November aus, dass einige hart bedrängte Senatoren und Abgeordnete den Parteitag meiden werden, um nicht in die Nähe des unpopulären Präsidenten gerückt zu werden. Wie der Präsidentschaftskonvent der Demokraten in Denver wird auch der republikanische Parteitag den politischen Gegner zu definieren versuchen, weshalb scharfe Angriffe auf Senator Obama an der Tagesordnung sein werden.

Im Gegensatz zu Denver aber, wo die Lager um Barack Obama und Hillary Clinton erst im Verlauf des Parteitages Frieden schlossen, wird Senator McCain in Minneapolis bereits zum Beginn seiner Krönungsveranstaltung eine weitgehend geeinte Partei hinter sich wissen. Dissens wird deshalb nicht in der Halle, sondern eher bei Demonstrationen in den Strassen von Minneapolis erwartet.

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