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Palin greift Obama frontal an

Angriff ist die beste Verteidigung. Sarah Palin hat mit einer fulminanten Rede dem republikanischen Wahlkampf neuen Schub verliehen.

«Meine Damen und Herren, ich wäre geehrt, ihre Nominierung als Vizepräsidentin zu akzeptieren»: Die 44-jährige Sarah Palin winkt nach ihrer kämpferischen Rede ins Publikum.
«Meine Damen und Herren, ich wäre geehrt, ihre Nominierung als Vizepräsidentin zu akzeptieren»: Die 44-jährige Sarah Palin winkt nach ihrer kämpferischen Rede ins Publikum.
Keystone
McCain betrat die Bühne und rief in den Jubel der Delegierten hinein: «Glaubt ihr nicht, dass wir die richtige Wahl getroffen haben bei der nächsten Vizepräsidentin der Vereinigten Staaten?»
McCain betrat die Bühne und rief in den Jubel der Delegierten hinein: «Glaubt ihr nicht, dass wir die richtige Wahl getroffen haben bei der nächsten Vizepräsidentin der Vereinigten Staaten?»
Keystone
Der Parteikonvent der Republikaner wurde von Mitgliedern des «Code Pink» gestört, einer feministisch-pazifistischen Bürgerrechtsbewegung: Eine Aktivistin wird abtransportiert.
Der Parteikonvent der Republikaner wurde von Mitgliedern des «Code Pink» gestört, einer feministisch-pazifistischen Bürgerrechtsbewegung: Eine Aktivistin wird abtransportiert.
Keystone
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Dass Sarah Palin wegen ihres aggressiven Basketballspiels in der Mittelschule den Übernamen «Barrakuda» trug, ist bekannt. Seit Mittwochabend ist aber auch klar, welche Rolle die 44-Jährige für John McCain spielen wird; jene der furchtlosen Wadenbeisserin.

Ihre 45-minütige Rede am Parteitag in St.Paul bot der Gouverneurin aus Alaska die erste Chance, sich einem breiteren Publikum bekannt zu machen. Nachdem sie drei Tage abgetaucht war, um unbequeme Fragen zu ihren Familienangelegenheiten und ihrer politischen Karriere zu entgehen, lief sie gestern Abend zu grosser Form auf. Eine der führenden Redenschreiber von Präsident George W. Bush hatte die Rede auf Palin zugeschnitten; und sie stand ihr gut.

Die Kämpferin gegen die Korruption

Sie erschien äusserst selbstsicher und zeigte sich voll davon überzeugt, dass die demokratischen Widersacher Barack Obama und Joe Biden zu schlagen sind. Palin wurde von einem begeisterten Publikum mit Beifallsstürmen unterbrochen, am heftigsten dann, wenn sie Obama direkt angriff und ihm vorwarf, ein Schönredner ohne jede Managementerfahrung und ohne konkreten Leistungsausweis zu sein.

Obama habe es zwar zustande gebracht, zwei Memoiren zu schreiben, so Palin, «aber keine einzige politische Reform ist auf ihn zurückzuführen». «Dies ist ein Mann, der eine Rede über die Sicherheitspolitik der USA halten kann, ohne je das Wort Sieg in den Mund zu nehmen, ausser für die eigene Kampagne.» Sie dagegen habe in Alaska die korrupten Politiker in die Zange genommen, auch jene der eigenen Partei; und sie habe dem Monopol der Öl- und Gasindustrie die Zähne gezeigt.

Obama vorgeführt

Auf den Wirbel um ihre schwangere Tochter ging sie nur mit einer allgemeinen Bemerkung ein; während der zukünftige Vater des Kindes – etwas unbequem, wie es schien – verlegen lächelte. Der Entscheid Anfang November ist gemäss Palin einfach: Auf der einen Seite ein Mann wie John McCain, «der seine Karriere benutzt, um Veränderungen voranzubringen», anderseits ein Obama, «der den Wandel benutzt, um seine Karriere voranzubringen».

Palin verdeutliche noch und noch, wie sie und John McCain die Wahl entscheiden wollen, durch ein aggressives Infragestellen der Führungserfahrung von Obama und durch das Versprechen, die verhockte Politik in Washington zu entschlacken. «Die amerikanische Präsidentschaft ist keine Reise zur persönlichen Selbstentfaltung» rief sie abschliessend in den Saal, in einer letzten, stark belachten Anspielung auf den Stil Obamas.

Wählerinnen sind skeptisch

McCain zeigte sich sehr erbaut von der Wirkung der Rede und verpasste ihr das Prädikat «brillant». Ob es der erzkonservativen Palin indessen gelingen wird, Wechselwähler in der Mitte anzusprechen, um die es letztlich geht, ist ungewiss. Eine Umfrage des Rasmussen-Instituts ergab, dass die Frauen eher nicht anbeissen werden. Nur 31 Prozent der Wählerinnen erklärten, sie wollten nun eher für das Ticket McCain/Palin stimmen, bei den Männern lag der Anteil bei 43 Prozent.

Und noch deutlicher die andere Frage: 53 Prozent der Befragten finden, das Ticket Obama/Biden diene den Fraueninteressen besser, für das Ticket McCain/Palin finden dies nur 35 Prozent. Der enthusiastische Empfang der Gouverneurin am Parteitag hat aber eines gezeigt: Seit gestern haben auch die Konservativen ihre Obama.

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