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Obama holt «Rahmbo» ins Team

Der erste wichtige Personalentscheid ist gefallen: Rahm Emanuel wird Barack Obamas Stabschef. Der Topberater gilt als gewiefter Taktiker.

Rahm Emanuel und Barack Obama im Juni in Chicago, wo beide ihre politischen Karrieren begannen.
Rahm Emanuel und Barack Obama im Juni in Chicago, wo beide ihre politischen Karrieren begannen.
Keystone

Rahm Emanuel ist einer breiteren Öffentlichkeit noch kaum bekannt, doch dürfte sich dies rasch ändern. Als Chef des Stabs von Präsident Obama stellt er dessen Tagesprogramm zusammen, bestimmt die Liste der Gesprächspartner und hält die Verbindungslinien innerhalb der Regierung offen.

Nach kurzer Bedenkzeit erklärte Emanuel am Donnerstagabend, er habe Obama für den Job zugesagt. Der Vater von drei Kindern wollte zuerst Rücksprache nehmen mit seiner Familie. Eine Absage Emanuels wäre allerdings ein harter Schlag gewesen für Obama.

Emanuel verfügt über einen ungewöhnlich breiten Erfahrungsschatz als Topberater von Ex-Präsident Bill Clinton, als einer der erfolgreichsten Spendensammler der Partei und als politischer Stratege in Gesundheits- und Wirtschaftsfragen. Sein Aktionsradius dürfte klar definiert sein. Emanuel soll den Ausputzer spielen, den Mann für alle Fälle, damit sich Obama auf die ihm zusagende Rolle eines konzilianten, lösungsorientierten Präsidenten konzentrieren kann.

Dass Obama zuerst die Stelle des Stabschefs besetzte, zeigt, dass der künftige Präsident ein starkes, in sich geeintes Kabinett bilden will. Emanuel ist 49 Jahre alt, und wie Obama Teil der legendären Parteimaschine in Chicago. Er steht der Familie des früheren Bürgermeisters Daley sehr nahe und ist bekannt für einen kaltschnäuzigen, direkten Stil, der ihm den Übernamen eines «Rahmbo» eingetragen hat. Dies erfuhr offenbar auch der britische Premier Tony Blair bei einem Besuch im Weissen Haus, kurz nach dem Auffliegen der Lewinsky-Affäre. Emanuel war damals Topberater von Bill Clinton und versuchte mit allen Mitteln, den politischen Schaden der Affäre zu begrenzen. «Dies ist sehr wichtig», so Emanuel gegenüber Blair vor einem gemeinsamen Auftritt mit Clinton, «don't fuck it up.»

Proisraelischer Hardliner

Emanuel war es auch, der 1993 für Clinton jene berühmte Szene im Garten des Weissen Hauses arrangiert hatte, als Yitzhak Rabin und PLO-Chef Arafat die Verträge von Oslo unterzeichneten. Er gilt als proisraelischer Hardliner, was verschiedene Positionsbezüge zum Nahen Osten nahelegen. Emanuel ist der Sohn eines Israeli, der in den Jahren vor der Staatsgründung 1948 für die Irgun Waffen schmuggelte, bevor er in die USA auswanderte und sich als Arzt in Chicago niederliess. Seine Sporen verdiente er sich in den 80er-Jahren als Spendensammler für demokratische Politiker in Chicago ab, wobei er auf ein dichtes Netz von Gönnern in- und ausserhalb der jüdischen Gemeinden zugreifen konnte.

Strategisch plädiert er innerhalb der Partei für einen Schwenk in die Mitte, nachdem er seinerzeit als Chefstratege einer nationalen Krankenversicherung eine Niederlage erlitten hatte. Dieses Vorhaben indessen wird, in abgeschwächter Form, für die Regierung Obama wieder eine Priorität sein. Trotz seines harten Stils gilt der 49-Jährige als zugänglich; mit mehreren republikanischen Abgeordneten steht er auf gutem Fuss.

Nach der ersten Karriere im Weissen Haus von Clinton kehrte Emanuel 1999 nach Chicago zurück und arbeitete drei Jahre lang für die Investmentbank Dresdner Kleinwort Wasserstein, wo er ein Einkommen von 16 Millionen Dollar erzielte.

Wenn er nun für Obama arbeitet, gibt er eine aussichtsreiche Karriere im Kongress auf. Als Abgeordneter eines Wahlbezirks im nördlichen Chicago, wo er 2006 mit 78 Prozent der Stimmen gewählt wurde, war er auf gutem Weg, später die begehrte Stelle eines Speaker of the House zu bekommen. Anderseits lockt nun das Auflösen einer grossen Frage, wie sie Emanuel vor zwei Monaten formulierte: «Wie ist die Wirtschaftspolitik zu ändern, die den Lebensstandard für die amerikanischen Mittelstandsfamilie so stark senkte?»

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