Obama-Berater soll Reporterlegende bedroht haben

Schuld an der Budgetbombe, die in den USA bald gezündet wird, seien die Demokraten, sagt Bob Woodward. Nun wurde der Reporter offenbar von einem Berater Obamas bedroht, der ihn von seiner Theorie abbringen wollte.

Der US-Journalist Bob Woodward brachte schon einmal einen Präsidenten zu Fall: Seine Enthüllungen zur Watergate-Affäre zwangen Richard Nixon 1974 zum Rücktritt. Nun sorgt er in Washington wieder mit einer heiklen Story für Aufregung. In seinem neusten Buch «The Price of Politics» widerspricht er den Darstellungen der Obama-Regierung im Zusammenhang mit den massiven Budgetkürzungen, die wohl in der Nacht auf morgen in Kraft treten.

Ab dann werden die Ausgaben des Staates monatlich um automatisch 85 Milliarden Dollar gekürzt – dies, weil der Kongress sich zuvor nicht gütlich auf Kürzungen einigen konnte. Nicht die Republikaner seien schuld an dieser Budgetbombe, sondern die Obama-Administration selbst, behauptet Woodward im Buch. Denn es seien Berater des Präsidenten gewesen, welche die Idee dazu gehabt hätten. Die Absicht sei es gewesen, ein Sparpaket zu schnüren, das so brutal ist, «dass niemand es je in Kraft treten lassen würde». Damit hätten sie den Kongress zwingen wollen, einen Deal auszuhandeln, um die Sparmassnahmen zu verhindern.

Sie haben sich wohl geirrt – die Budgetbombe wird in der Nacht auf Freitag gezündet, falls sich Demokraten und Republikaner nicht noch in letzter Minute auf einen Kompromiss einigen. Die Nerven bei Obamas Beraterstab scheinen blank zu liegen: Im Gespräch mit dem US-Nachrichtenportal Politico.com schildert Woodward, wie einer von ihnen ihn angeschrien und bedroht haben soll, um ihn von der weiteren Verbreitung seiner Thesen abzuhalten.

«Eine halbe Stunde lang angeschrien»

Er habe das Weisse Haus letzte Woche darüber informiert, dass er mit seinen Thesen an die Öffentlichkeit gehen wolle. Die Reaktion sei äusserst unfreundlich ausgefallen: Der Obama-Berater habe ihn «eine halbe Stunde lang angeschrien». Daraufhin habe er sich zwar in einer E-Mail dafür entschuldigt, «seine Stimme erhoben» zu haben. Doch im selben Schreiben habe er Woodward mitgeteilt, dass dieser seine Veröffentlichung «noch bereuen» werde.

Er habe dies als eindeutige Drohung empfunden, so Woodward. Er habe sich schon mit vielen Politikern herumschlagen müssen, «doch stellen Sie sich vor, ich wäre ein junger Reporter gewesen»: Da könne eine solche Drohung nur Angst auslösen. Er glaube nicht, dass dies die richtige Art und Weise sei, um miteinander zu kommunizieren.

Die Republikaner sollen schuld sein

Ein Vertreter des Weissen Hauses bestreitet die Vorwürfe gegenüber Politico.com: Die E-Mail sei nicht als Drohung, sondern als Entschuldigungsschreiben gedacht gewesen. Sie habe ausdrücken wollen, dass Woodward nicht die Veröffentlichung, sondern seine Betrachtungsweise noch bereuen könnte.

Dass das Weisse Haus auf die Enthüllungen so empfindlich reagiert, ist nicht verwunderlich: Die Regierung konnte bereits einen Grossteil der US-Bevölkerung davon überzeugen, dass die Republikaner am Budgetkürzungsdebakel schuld sind, weil sie sich weigerten, einen Kompromiss mit den Demokraten einzugehen. Zudem äusserte Woodward auch Bedenken gegenüber Obamas grundsätzlichem Regierungsstil: «Ich bin mir nicht sicher, ob er sich seiner grossen Macht bewusst ist.»

fko

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