Mueller versetzt dem Präsidenten einen doppelten Kinnhaken

Es ist nicht ausgeschlossen, dass man irgendwann sagen wird: Das war Trumps Watergate-Moment.

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Was macht eigentlich Robert Mueller, hat man sich noch bis vor kurzem gefragt. Nun hat der US-Sonderermittler dem Präsidenten fast aus dem Nichts einen Doppelschlag versetzt: Trumps früherer Wahlkampfmanager Paul Manafort wurde verurteilt, und sein Ex-Anwalt Michael Cohen beschuldigt ihn politisch heikler Straftaten. Deshalb wird man vielleicht einmal sagen: Das war Trumps Watergate-Moment. Als im Juni 1972 der Einbruch ins Wahlkampfbüro der Demokraten im Washingtoner Gebäudekomplex bekannt wurde, ahnte auch noch niemand, welch dramatische Entwicklungen folgen würden.

Mehr noch als der schuldig gesprochene Manafort könnte dem Präsidenten sein einst enger Vertrauter Cohen gefährlich werden. «Trumps Pitbull» war stets der skrupellose Problembeseitiger seines Herrn. Nun aber will er offenbar seine eigene Haut retten. Bereits die eidesstattliche Aussage, sein Chef habe ihn angewiesen, die Affären mit einer Pornodarstellerin und einem Playboy-Model zu vertuschen, bringt den Präsidenten in Bedrängnis. Cohen aber hat bestimmt noch viel mehr zu erzählen. Er kennt alle Leichen im Trump Tower, sein Name taucht auch prominent im berüchtigten Steele-Dossier zu Trumps Russland-Beziehungen auf.

Begnadigung wäre ein Schuldeingeständnis

Das ist nun Cohens Kapital: Um seine erwartete Haftstrafe zu vermindern, dürfte er gegenüber Sonderermittler Mueller gesprächig werden. Auch Manafort hat mit seinem Fundus an Erinnerungen aus dem Wahlkampf 2016 ein Pfand im Kopf, um die Haft abzukürzen.

Was für Optionen bleiben Trump? Der Präsident könnte seine neuen Feinde einfach begnadigen, was allerdings einem Schuldeingeständnis gleichkäme. Seiner Basis wäre dies jedoch egal: Trump-Fans, und davon gibt es viele, nehmen Tabu- und wohl auch Rechtsbrüche ihres Helden nicht nur hin, sie feiern sie als Erfolg. Allerdings sei daran erinnert, dass auch Präsident Nixon grossartig wiedergewählt wurde, bevor er nach mehr als zwei Jahren Ermittlung 1974 zurücktreten musste. Robert Mueller ist erst seit 15 Monaten an der Arbeit.


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(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 22.08.2018, 22:02 Uhr

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