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Mehr Öl als zuvor strömt aus Leck

Der Ölkonzern BP hat einen neuen Versuch zur Eindämmung der Ölkatastrophe gestartet. Wenn die Aktion klappt, wird fast das gesamte Öl aufgefangen. Vorübergehend hat sich die Lage aber verschlimmert.

Das Öl schiesst unvermindert aus dem Bohrloch: Bild von gestern Abend.
Das Öl schiesst unvermindert aus dem Bohrloch: Bild von gestern Abend.
Reuters

Im Kampf gegen die verheerende Ölpest hat BP am Wochenende damit begonnen, eine neue Absaugvorrichtung zu installieren. Doch bis der Zylinder über dem Leck am Meeresboden sitzt, strömt das Öl ungehindert ins Meer.

Elf Wochen nach Beginn der grössten Ölkatastrophe in der US- Geschichte hoffen die BP-Experten, die Ölfontäne auf dem Meeresgrund endlich zu stoppen.

Mehrere ferngesteuerte Roboter begannen in 1500 Meter Tiefe mit einer höchst komplizierten Operation, bei der ein riesiger Zylinder über das Leck gestülpt werden soll. Doch bis die Absaugvorrichtung richtig sitzt, strömt das Öl ungehindert ins Meer.

Wenn alles gut geht, soll dann nach Angaben von BP «alles, oder so gut wie alles» ausströmende Öl auf mehrere Schiffe abgesaugt werden. Derzeit fliessen Schätzungen zufolge rund 8200 Tonnen Rohöl jeden Tag ins Meer und haben bereits weite Teile der US-Golfküste verseucht.

Allerdings dauert es vermutlich mehrere Tage, bis klar ist, ob die Operation ein Erfolg ist - oder wie diverse, ähnliche Anläufe zuvor ebenfalls in einem Fehlschlag endet.

BP vorsichtig optimistisch

BP-Manager Kent Wells äusserte sich Stunden nach Beginn der Aktion am Sonntag (Ortszeit) vorsichtig optimistisch. «Bisher läuft es nach Plan.» In vier bis sieben Tagen sei der dichte Zylinder am Platz. Die Operation wurde per Video aufgenommen und war weltweit im Internet zu verfolgen.

Der neue Zylinder ist über 30 Meter hoch und wiegt rund 100 Tonnen. Es handelt sich um ein System aus mehreren Dichtungen, mit denen der Ölstrom reguliert werden kann.

US-Krisenkoordinator Thad Allen hatte am Freitagabend grünes Licht für die Installation der leistungsstärkeren Absaugglocke gegeben. Er habe diesem Plan zugestimmt, weil durch die neue Vorrichtung wesentlich mehr Öl aufgefangen werden könne, als bisher, sagte Allen.

Noch mehr Öl tritt aus

In einem ersten Schritt entfernten die BP-Ingenieure mit Hilfe von Robotern die bisherige Kappe über dem Leck. Diese sass seit Anfang Juni auf dem «Blowout Preventer» - dem riesigen Ventilsystem über dem Hauptbohrloch, das bei dem Unglück am 20. April versagt hatte. Da die bisherige Kappe aber nur lose auf dem Leck sass, konnte bisher lediglich ein Teil des austretenden Öls aufgefangen werden.

Nach dem Entfernen strömt zunächst mehr Öl als zuvor aus dem Leck - bis der neue Zylinder über dem Leck installiert ist. Wenn alles nach Plan laufe, könnte dies bereits am Montag oder Dienstag geschehen, sagte Chuck Wolf von der Einsatzleitung in New Orleans (Louisiana) der Nachrichtenagentur dpa.

Tatsächlich steht BP beim Auswechseln der Deckel unter grösstem Zeitdruck: Experten fürchten, dass sich das Wetter in den nächsten Wochen erheblich verschlechtern könnte. Es werden Hurrikans erwartet, die alle Rettungsarbeiten erst einmal stoppen würden.

Überdies ist auch die Installation der neuen Vorrichtung erneut nur eine Zwischenlösung. Das Ende des für die Umwelt verheerenden Ölflusses soll eine Entlastungsbohrung bringen, die den Druck von der lecken Leitung nehmen soll. Mit der Fertigstellung der Entlastungsbohrung wird erst für den 13. August gerechnet.

sda/afp/bru/mt

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