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«Man vermutet, dass Raúl Castro das chinesische Modell anstrebt»

Kuba erlaubt neu Privatwirtschaft im Kleinen. Die Castros haben diesen Schritt aus grosser Not getan, wie Südamerika-Korrespondent Sandro Benini erklärt.

Raúl Castro hat angekündigt, dass Kubaner künftig kleine Unternehmen betreiben sowie Angestellte beschäftigen dürfen. Das hört sich nach einem kleinen Schritt in Richtung Marktwirtschaft an. Was ist davon zu halten? Eigentlich dürfen Kubaner schon seit 1993 kleine Unternehmen betreiben, bloss sind die Bestimmungen teilweise so absurd und die Steuern so hoch, dass die Zahl der Kleinunternehmer seit 2000 kontinuierlich schrumpft. Eröffnet jemand in seinen privaten Räumen ein Restaurant, ist zum Beispiel genau vorgeschrieben, wie viele Stühle er aufstellen darf. Neu ist hingegen die Möglichkeit, Angestellte zu beschäftigen. Wie marktwirtschaftlich der soeben von Raúl Castro angekündigte Kurs ist, hängt davon ab, ob die Regierung die Bedingungen lockert.

Wo liegen die Motive der Reformversprechen? In der Wirtschaftskrise, die Kuba besonders hart getroffen hat. Der Staat ist derart verschuldet, dass er nur noch mit Mühe an internationale Kredite herankommt und Hunderttausende Funktionäre entlassen muss. Ausserdem ist das mit Kuba verbündete Venezuela wahrscheinlich das einzige lateinamerikanische Land, dessen Volkswirtschaft im laufenden Jahr schrumpfen wird. Die bisher grosszügigen Hilfsleistungen dürften also spärlicher werden.

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