Man entkommt ihm auch in den Ferien nicht

Aus der Ferne betrachtet ist Trumps Präsidentschaft besonders absurd. Ob Sydney, Asunción oder Windhoek: Entgeisterung herrscht.

Wohin man auch reist: Dem Phänomen Trump kann niemand entfliehen. Foto: Keystone

Wohin man auch reist: Dem Phänomen Trump kann niemand entfliehen. Foto: Keystone

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Reisen bildet. Zumindest manchmal. Mit Sicherheit aber schafft es Abstand und schärft den Blick auf bereits bekannte Dinge. Nach zwei Monaten auf mehreren Kontinenten wird noch deutlicher, welch eine absonderliche Angelegenheit die Präsidentschaft Donald Trumps ist. Davon zeugen schon die erstaunten und besorgten Fragen von Gesprächspartnern in Sydney oder Windhoek, Asunción oder Kuala Lumpur. Egal wo sie leben: Dem Phänomen Trump kann niemand entfliehen.

Nicht einmal auf der Osterinsel, wo Einheimische neugierig wissen wollen, wie das Leben in US-Amerika denn so sei mit Trump. Es sei ein Trauerspiel, was sich in Washington ereigne, lautete die Antwort. Und keine geografische Distanz zur amerikanischen Hauptstadt kann über den Gaga-Charakter der Trump-Präsidentschaft hinwegtrösten. Denn die präsidiale Show ist global, weshalb der Ungeheuerlichkeit des Trump’schen Benehmens beim Gipfel in Helsinki mit Wladimir Putin in Santiago de Chile ebenso mit Ungläubigkeit begegnet wird wie in Seattle oder Berlin.

Möglich machen das absurde Theater und die politische Schäbigkeit die Republikaner und Agitprop-Medien wie Fox News.

Trumps gefährliche Ignoranz erregt auf pazifischen Inseln, die vom steigenden Meeresspiegel im Gefolge des Klimawandels bedroht werden, noch mehr Besorgnis als in Washington. Dass der Präsident die Erwärmung der Erde als «Schwindel» abtut und eine Retro-Energiepolitik verfolgt, ist auf den Marshall-Inseln natürlich ein Thema: Die Menschen verlieren dort buchstäblich den Boden unter den Füssen.

Möglich werden das absurde Theater dieser Administration und ihre politische Schäbigkeit nur durch die Komplizenschaft der Republikanischen Partei sowie von Agitprop-Medien wie Fox News. Man muss kein Freund des ehemaligen Trump-Groupies Omarosa Manigault Newman sein, um zu erschauern, wenn Trump die Afroamerikanerin als Reaktion auf ihr feindseliges Enthüllungsbuch einen «Hund» nennt.

Video – Trump attackiert Manigault

Der US-Präsident hat seine Ex-Mitarbeiterin Omarosa Manigault Newman (hier Archivbilder) harsch kritisiert. Video: Tamedia/Reuters

Dass eine solche Sprache nicht des Weissen Hauses würdig ist, versteht sich von selbst. Aber sie verdeutlicht zudem den eingebauten Rassismus in Trumps Partei, der sich unterschwellig seit einem halben Jahrhundert immer wieder äusserte, ehe er sich mit Donald Trump voll entfaltete. Die von dem Demokraten Lyndon Johnson angeschobenen und von demokratischen Mehrheiten im Kongress verabschiedeten Bürgerrechtsgesetze der Sechzigerjahre, die US-Amerika vor sich selber retteten, sind von den Republikanern zum politischen Vorteil ausgenützt worden und haben den US-Süden in eine republikanische Bastion verwandelt.

Skrupellos appelliert die Partei an die Ressentiments weisser Wähler. Vehement und mit undemokratischen Mitteln – etwa gezielten Barrieren gegen die Ausübung des Wahlrechts von Minderheiten – stemmt sie sich gegen den demografischen Wandel im Land. Bezeichnend ist die Reaktion von John Cornyn, dem zweitmächtigsten republikanischen Senator in Washington, auf Trumps widerliche Beleidigung von Omarosa Manigault: Er habe «wichtigere Dinge im Kopf» und wolle deshalb «keinen Kommentar abgeben», wich Cornyn auf eine Frage der «Washington Post» aus.

Bilder – Trump und Omarosa Manigault Newman

Was aber kann wichtiger sein, als einer derart offen rassistischen Sprache des Präsidenten entgegenzutreten? Das Schweigen Cornyns und anderer republikanischer Granden auf Trumps verbale Gosse, auf seine permanenten Normverletzungen und autokratischen Anmassungen spricht Bände: Die Partei Ronald Reagans ist nun die Partei Donald Trumps. Entweder wird sie mit ihm florieren, oder sie wird in ihrer derzeitigen Form mitsamt Donald Trump untergehen.

Aus der Ferne betrachtet ist das Schauspiel in Washington nicht weniger alarmierend als aus der Nähe besehen. Wie es enden wird, weiss niemand. Dass es wahrscheinlich nicht gut enden wird, ist inzwischen ein Verdacht, der global gehegt wird. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 20.08.2018, 15:18 Uhr

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